Wie beim Kongress von "Kirche in Not" Journalisten eingeschüchtert wurden

In der Rubrik "Zu meinem Ärger" der GKP-Informationen kritisiert Christian Wölfel die Intoleranz der Diskutanten auf einem Podium des Kongresses von "Kirche in Not" in Würzburg:

Worüber haben Sie sich zuletzt in den Medien so richtig geärgert?

Geärgert habe ich mich über die Veranstaltung zum Thema Meinungsdiktatur auf dem Kongress von „Kirche in Not“ in Würzburg im doppelten Sinn.

Zum einen über die Wortbeiträge und die dahinter stehende Haltung, zum anderen aber auch über die Berichterstattung, besser gesagt die weitgehende Nicht-Berichterstattung. Immerhin hatte dieses Podium auf dem „Treffpunkt Weltkirche“ schon im Vorfeld für Schlagzeilen gesorgt. Christiane Florin lehnte in der „Zeit“-Beilage „Christ und Welt“ eine Anzeige für den Kongress ab, da sie die Bundesrepublik mit einer Diktatur gleichgesetzt sah. Und erntete daraufhin Hass erfüllte Mails - offensichtlich auch von Katholiken. Also eigentlich schon Grund genug, mal journalistisch-kritisch hinzuschauen, was dann da nun in Würzburg passiert, vor allem aber: Ist das Argument von Frau Florin richtig?
Und, das lässt der Anfang dieses Textes schon erahnen, die mutige Redaktionsleiterin von „Christ und Welt“ hat recht: Die Thesen, die auf diesem einseitig besetzten Podium vertreten wurden, haben nicht viel gemein mit Meinungsfreiheit. Die eigene Haltung wird absolut gesetzt, Widerspruch nicht geduldet. Journalisten, die die teils kruden Thesen und das Wirken der Protagonisten hinterfragen, wird das Wort „Christenverfolgung“ entgegen geschleudert. Dabei ist das Ziel genau jener Leute die Diktatur ihrer Meinung.
Denn was sich durch die gesamte Veranstaltung zieht: Der Aufruf, auf einzelne missliebige Berichte, etwa beim NDR, im Spiegel oder im Radiosender Bayern2, mit organisierten Proteststürmen zu reagieren. So sollen Journalisten eingeschüchtert werden. Deutliche Kritik von Christen an einer solchen „Debattenkultur“, wie sie etwa der Passauer Bischof Stefan Oster an kath.net geübt hat, tut mehr als Not.

An welcher journalistischen Leistung konnten Sie sich jüngst erfreuen?

Die Würzburger „Main Post“ hatte Ende Februar über den Tag der seltenen Erkrankungen in einer sehr bewegenden Weise berichtet. Redakteur Folker Quack beschreibt das Schicksal und den Kampf von seiner Frau und ihm auf, seit sie erfahren haben, dass ihr heute 5-jähriger Sohn an Morbus Sandhoff erkrankt ist. Die Geschichte ist persönlich und ans Herz gehend. Dafür kaufe ich gerne Zeitungen.

Wie reagieren Sie Ihren Ärger ab?

Ganz einfach: Ein Buch (kein Sachbuch) und ein Glas fränkischen Silvaner.

Christian Wölfel ist mit einer halben Stelle Redakteur bei der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) und Autor, Planer und CvD beim Bayerischen Fernsehen in München und Würzburg.

 

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