Kommentar: Synodalere Synode mit uns allen

ES geschieht etwas in unserer Kirche. Diesen Eindruck kann man gewinnen, wenn man sich die Ankündigung des weltweiten Synodalen Weges vor Augen führt, die zwei Tage vor Pfingsten veröffentlicht worden ist. Dabei sollte dies eigentlich ganz selbstverständlich sein, denn schließlich gilt: Ecclesia semper reformanda est. Die Kirche muss sich immer wieder erneuern. Wer es versäumt, das, was ihm wichtig ist, rechtzeitig zu erneuern, wird es entweder später viel teurer bezahlen oder ganz verlieren. Und als Gemeinschaft der Glaubenden bezeichnen wir uns ja nicht als das stehen gebliebene, sondern als das pilgernde Volk Gottes. Wir sind also ständig auf einem sich verändernden Weg. In der Realität scheint das aber nicht immer so zu sein.

Dies soll sich mit der neuen Form der Synode, die unter dem Titel „Für eine synodale Kirche: Gemeinschaft, Partizipation und Mission“ steht, ändern. Nach dem zentralen Auftakt dieses Jahr im Oktober in Rom sollen zunächst die Gläubigen innerhalb der Bistümer ihre Anliegen und Erfahrungen einbringen. Erst nachdem sich das Volk Gottes geäußert hat, sollten die Bischöfe über dessen Anliegen – „und nur darüber“ – beraten, betonte der für die Synode zuständige Kardinal Mario Grech. Er verwies darauf, dass sich jeder einbringen könne, also nicht mehr nur die Bischöfe allein oder einige zusätzliche Synodale.
Bemerkenswert ist ebenfalls, dass es zunächst keine inhaltlichen Vorgaben gibt, weil die Themen erst auf dem Weg gefunden werden sollen. Wenn es auch noch gelingen sollte, dass wesentliche Elemente aller Versammlungen Gespräche und Reflexionen sind, bei denen Teilnehmer vor allem aufeinander hören, dann sollte gelingen, was Kardinal Grech ankündigte: „Von einem Ereignis wandelt sich die Bischofssynode zu einem Prozess.“ Er verwies auf die fünf Jahrzehnte Erfahrungen der von Papst Paul VI. 1965 eingesetzten Bischofssynode und dass dieses Instrument selbst synodaler werden müsse.  Entscheidungsfindungen in der Kirche sollen seinen Worten zufolge immer mit Zuhören beginnen. Das setzt voraus, dass sich alle aufeinander einstellen und ihrem Gegenüber erst mal gute Absichten unterstellen, auch wenn die Positionen konträr sind. Dies wird nicht immer einfach sein, weil ja gerade das Glaubensempfinden sehr subjektiv ist. Das ist ja bereits beim Synodalen Weg in Deutschland spürbar, der genauso wie ähnliche Prozesse in mehreren Ländern mit der jetzt angekündigten Synode eine Art Rückenwind bekommt.
Mit der Ankündigung dieser mehrstufigen Synode, die 2023 ihren Höhepunkt in Rom erreichen soll, können wir aber nicht mehr einfach sagen, dass etwas in der Kirche geschieht. Nicht mehr die Hirten alleine bestimmen den Weg. Allen, die die Gaben des Heiligen Geistes empfangen haben, traut der Vatikan zu, ihre Glaubenserfahrungen und ihren Beitrag in diese Synode einzubringen. Das „ES tut sich etwas in unserer Kirche“ ändert sich ins „ICH tue etwas in unserer Kirche“. Davon sollte reichlich Gebrauch gemacht und gut argumentiert werden.
Rafael Ledschbor

 

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