Kommentar: Nichts für Egoisten

Der Synodale Weg, auf den sich die Kirche in Deutschland mit dem Beginn des neuen Kirchenjahres begeben hat, ist nichts für Egoisten und Egozentriker. Denn es geht nicht darum, nur die eigene Position durchzubekommen, sondern dass alle aufeinander zugehen und die Argumente hören und abwägen.
Erstaunlich ist, wie hart katholische Christen gerade in diesem Zusammenhang zum Teil untereinander umgehen. Da glauben die einen schon zu wissen, was am Ende der Gespräche herauskommen wird und befürchten nicht nur, sondern behaupten schon, dass sich die katholische Kirche in Deutschland von der Weltkirche trennen werde. Die anderen sind sich absolut sicher, dass es zu gravierenden Veränderungen kommen wird. Es scheint, als ob sich beide Lager nicht so richtig über den Weg trauen. Den einen geht alles zu weit, den anderen nicht weit genug. Zum Teil erscheint es so, als lägen die verschiedenen Positionen innerhalb der eigenen Kirche weiter auseinander als zu den anderen christlichen Kirchen.
Wenn sich von vornherein jeder nur auf den Synodalen Weg begibt, um seine Position erfolgreich einzubringen und sie letztendlich durchzusetzen, wäre der ganze Aufwand umsonst. Der Synodale Weg ist wahrlich nichts für Egoisten und Egozentriker. Wie in einer guten Ehe und Familie müssen die verschiedenen Bedürfnisse berücksichtigt werden, damit sich niemand ausgestoßen fühlt oder gar wird.
Dringend geboten ist, allen von vornherein auch zuzugestehen, dass sie sich auch mal irren dürfen. Wie oft sind wir im Leben schon mal einen falschen Weg gegangen? Und sobald wir es gemerkt haben, sind wir umgekehrt oder haben aus diesem falschen Weg heraus das richtige Ziel wieder angesteuert. Das gleiche gilt auch für uns Christen auf dem Weg des Glaubens.
Wer sich auf einen (Synodalen) Weg begibt, muss damit rechnen, dass er sich verläuft, dass er unterwegs eine Panne haben könnte, dass er in einen Stau gerät, ja, dass es sogar zu einem Unfall kommen könnte. Aber nur aus Angst, dass etwas Unvorhergesehenes passieren könnte, sich niemals auf den Weg zu begeben, kann auch nicht die Lösung sein. Etwas Schlimmes kann einem auch zu Hause zustoßen. Und genau das ist ja der Kirche passiert. Deswegen ist „ein Weg der Umkehr und der Erneuerung“ notwendig, wie es Kardinal Reinhard Marx und Professor Dr. Thomas Sternberg im Brief an die Gläubigen in Deutschland zum Auftakt des Synodalen Weges geschrieben haben.
Das ist nichts ganz Neues. Auf den Weg der Umkehr und der Erneuerung soll sich jeder Christ immer wieder begeben. Am Beginn jeder Fastenzeit lassen wir uns dafür sogar noch das Aschekreuz auf die Stirn zeichnen.
Vor wenigen Tagen haben wir die Geburt Jesu feiern dürfen. Gottes Sohn kam nicht mit mächtig klingenden Pauken und Trompeten zur Welt, sondern macht- und wehrlos als Baby. Bei all seinem Auftreten ging es darum, seinen Vater als liebenden Gott zu bezeugen und dessen Liebe dem anderen anzubieten.
Das sollte auch der Maßstab für den Synodalen Weg sein, sowohl für die, die auf ihm als Vertreter aktiv gehen und bei den Gesprächen teilnehmen oder dies wohlwollend und betend begleiten, als auch für die, die dem Reformprozess nicht nur skeptisch, sondern sogar ablehnend gegenüberstehen. Bewusst sein sollte allerdings allen, dass die Katholiken in Deutschland gerade mal 1,75 Prozent der Weltkirche ausmachen.                       Rafael Ledschbor

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