Nachruf auf Günter Beaugrand

Am 21. November ist im Alter von 90 Jahren in Hamm Günter Beaugrand gestorben. Geboren in Düsseldorf, prägten ihn die Erfahrungen in der Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkriegs: Als 14-Jähriger wurde er als Flakhelfer abkommandiert, anschließend zur Aushebung von Panzergräben an den „Westwall“ am Niederrhein geschickt. Als 17-jähriger kam Beaugrand in englische Kriegsgefangenschaft.

Die Erfahrungen aus der Nazizeit und dem Krieg prägten ihn nachhaltig. Er begann seine journalistische Laufbahn 1947 beim Pressedienst des Verbandes der Verfolgten des Naziregimes, wurde später Redakteur des VVN-Organs „Das Freie Wort“. Nach Stellen als Lokalredakteur bei der Bonner Rundschau an der Ahr wechselte der Rheinländer 1957 ins westfälische Hamm – die Stadt wurde zu seiner Heimat. Zuerst als Pressereferent der Bundesarbeitsgemeinschaft Jugendschutz (Haus Hoheneck), wurde er von Verleger Rudolf Thiemann als Redakteur zum „Funkkalender“ geholt, einer katholischen Funk- und Fernsehzeitschrift in Hamm, die dann in den „Gong“ in Nürnberg überging – Beaugrand wechselte für kurze Zeit nach Nürnberg und kam dann zum „Feuerreiter“ nach Köln. 1964 kehrte er nach Hamm zurück, wurde unter Verleger Thiemann stellvertretender Chefredakteur des „Liboriusblattes“, von 1969-1994 war er Chefredakteur der katholischen Familienzeitung.

Günter Beaugrand blieb seinen beruflichen Prägungen treu. Er engagierte sich im Vorstand des katholischen Instituts für Medieninformation für den „film-dienst“ und die „Funk-Korrespondenz“, schrieb Beiträge und Bücher über den katholischen Widerstand in der Zeit des Nationalsozialismus („Der Löwe von Münster“ über Kardinal von Galen), arbeitete weiter mit in Haus Hoheneck und schrieb medienpädagogische Schriften, wurde Vorstandsmitglied und langjähriger Sprecher der Redakteure in der Arbeitsgemeinschaft Katholische Presse (AKP). Daneben hielt er bundesweit Vorträge vor allem zu medienpädagogischen Themen. Von 1998-2005 war er Vorsitzender des Katholischen Pressebundes.

Verheiratet und mehrfacher Vater, identifizierte sich Günter Beaugrand mehr und mehr mit seiner zweiten Heimat Westfalen. Seit 1994 gestaltete er die „Westfälischen Heimatblätter“, eine Beilage des „Westfälischen Anzeigers“, die populäre Beiträge zur Heimatgeschichte und aktuelle Forschungen vereinte. Er wurde vom Erzbistum Paderborn in die Veranstaltergemeinschaft des Lokalfunks in Hamm entsandt und koordinierte mehr als 50 Jahre das Kino der Volkshochschule Hamm. Als er im vergangenen Sommer seinen 90. Geburtstag feiern konnte, gab es einen Festakt im Kino – inklusive Filmvorführung.

Günter Beaugrand, von Papst Johannes Paul II. zum Ritter des Silversterordens ernannt, lebte bereits einige Jahre in einer Seniorenanlage für betreutes Wohnen, um die Pflege seiner Frau zu begleiten. Dort ist auch er jetzt gestorben.

Christian Frevel

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