Ohne kritische Öffentlichkeit keine Aufarbeitung des Missbrauchs

Bergisch Gladbach – Die Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) betont den Stellenwert kritischer Öffentlichkeit und die aufklärerische Funktion von Medien bei der Aufarbeitung des Missbrauchs in der katholischen Kirche. "Nur mit rückhaltloser Offenheit und Transparenz wird es der katholischen Kirche gelingen, sexualisierte Gewalt in ihren Reihen mit Ursachen und Hintergründen aufzuarbeiten und Vertrauen zurückzugewinnen", betont der Vorsitzende der GKP, Joachim Frank, anlässlich der Vorstellung der von der Deutschen Bischofskonferenz in Auftrag gegebenen Studie "Sexueller Missbrauch an Minderjährigen durch katholische Priester, Diakone und männliche Ordensangehörige im Bereich der Deutschen Bischofskonferenz" (MHG-Studie). "Die Bischöfe sind schlecht beraten, wenn sie auf ihre Deutungshoheit pochen und den Informationsfluss kontrollieren wollen", so Frank weiter. "Zu lange war kirchliche Kommunikation davon geprägt, Probleme zu verschweigen." Die Kirche sei die Organisation, aus der die Täter kommen und in der sie agieren konnten. Als solcher stehe es ihr nicht zu, zu entscheiden, was wann für die Öffentlichkeit von Interesse sei.

Investigative Medien haben durch ihre Recherchen und Veröffentlichungen die Aufarbeitung von Missbrauch wesentlich vorangebracht. Zuletzt hatten mehrere Medien Inhalte der MHG-Studie vorab veröffentlicht. Diesen Vorgang bezeichnete der Missbrauchsbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, "mit Blick auf die Betroffenen sexuellen Missbrauchs" als "verantwortungslos" und "schweren Schlag". Dagegen betont Frank: "Ungeachtet einer kritikwürdigen Wiedergabe der Studienergebnisse im Einzelnen leisten Journalisten, die ohne falsche Rücksicht auf die Institution ihre Arbeit machen, einen wichtigen Dienst für die Gesellschaft und insbesondere für die Opfer sexualisierter Gewalt." Davon profitiere langfristig auch die Kirche selbst, wenn Medien und Öffentlichkeit sie dazu drängen, sich ehrlich zu machen. "Im Vergleich mit anderen Institutionen hat die Kirche bereits wichtige Schritte nach vorn gemacht. Eine Vorreiterrolle stünde ihr auch künftig gut an – auch angesichts eklatanter Mängel und Versäumnisse in anderen Ortskirchen wie im Vatikan."

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