Kommentar: Rangeleien zwischen Bischöfen

Vorstandsmitglied Rafael Ledschbor kommentiert die Auseinandersetzung zwischen den deutschen Bischöfen über die Handreichung zur Zulassung nichtkatholischer Ehepartner zur Kommunion.

Erst hü, dann hott. So kommen wir uns in der aktuellen Diskussion um den Kommunionempfang für nicht-katholische Ehepartner vor. Erst beschließt die Deutsche Bischofskonferenz bei ihrer Frühjahrsvollversammlung in Ingolstadt mit sehr großer Mehrheit eine Handreichung, in der bestimmte Bedingungen beschrieben werden, unter denen jene konfessionsverbindenden Paare, denen dies besonders wichtig ist, gemeinsam im katholischen Gottesdienst zum Tisch des Herrn treten dürfen. Dann wenden sich sieben deutsche Bischöfe in einer nicht gerade Beispiel gebenden Art um Klärung an den Vatikan, inwieweit solch eine Entscheidung überhaupt in der Kompetenz einer Bischofskonferenz liegt. Erst spielt Anfang Mai Rom den Ball zurück nach Deutschland mit dem Hinweis, dass die Bischöfe gemeinsam eine Lösung finden sollen. Dann pfeift Anfang Juni der Präfekt der vatikanischen Glaubenskongregation wieder alle zurück – obwohl er im Mai beim Gespräch dabei war. Und vom Papst selbst soll die Bemerkung sein, wonach die Handreichung zur Veröffentlichung noch nicht reif sein soll.
So richtig beurteilen kann diese ja niemand, solange sie öffentlich weiterhin nicht bekannt ist. Aber was der Magdeburger Bischof Gerhard Feige, der maßgeblich an ihr gearbeitet hat, in der Zeit-Beilage Christ und Welt argumentativ dargelegt hat, klingt nicht nur plausibel, sondern steht auch fest in der kirchlichen Tradition. Die Zulassung zur Kommunion sollen demnach nur jene nicht-katholischen Ehepartner erhalten, die die katholische Eucharistie-Lehre teilen und dies in einem Gespräch mit einem Priester vorher besprochen haben. Es geht der großen Mehrheit der deutschen Bischöfe also nicht um eine allgemeine Regelung für alle Christen anderer Konfessionen, sondern nur um besondere Einzelfälle.
Von katholischen Gläubigen wird die Lehre von der Eucharistie vor oder während des Gottesdienstes allerdings nicht auf diese Weise abgefragt. Ob jeder von ihnen das so glaubt, wie es die katholische Kirche lehrt, wird mit seiner Zugehörigkeit zu ihr präsumiert. Es reicht, wenn sie auf die Worte des Kommunionspenders „Der Leib Christi“ einfach mit „Amen“ antworten, weil sie damit ihren Glauben, dass es Jesus Christus selbst ist, ausdrücken.
Wenn in Deutschland aber nur rund zehn Prozent der Katholiken sonntags zum Gottesdienst gehen, dann ist doch wohl klar, dass es 90 Prozent von ihnen nicht so wichtig ist, den Herrn zu empfangen. Und das sollte der Kirche viel mehr Sorgen bereiten. Hier lohnt es sich, viel mehr Kräfte der Kirche einzusetzen als daran, jemandem, der als nicht-katholischer Christ explizit bekundet, dass er an die reale Gegenwart Jesu im gewandelten Brot und Wein glaubt, genau dies absprechen zu wollen. Untereinander theologisch über Hindernisse und Gegensätze zu streiten, ist viel einfacher, als jene 90 Prozent für den Herrn so zu begeistern, dass sie wirklich ein Bedürfnis verspüren, sehr oft an seinen Tisch heranzutreten. Rangeleien unter Bischöfen bewirken nur das Gegenteil.
Rafael Ledschbor

 

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