Kommentar: Nach der Synode

Der Aufwand war gigantisch: eine einwöchige Konferenz mit 300 Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus allen Kontinenten, Fragebögen an die Bischofskonferenzen und Onlinebefragungen von Jugendlichen, natürlich diverse Vorbereitungsdokumente und Arbeitspapiere. Schließlich der Höhepunkt: Mehr als drei Wochen berieten sich 267 Bischöfe und 72 Experten und Jugendvertreter aus der ganzen Welt in Rom bei einer Bischofssynode zum Thema „Die Jugendlichen, der Glaube und die Berufungsunterscheidung“. Bemerkenswert ist, dass es die erste Generalversammlung in der Kirchengeschichte war, die sich explizit mit den Fragen der jungen Generation befasste.
Sichtbares Ergebnis des Prozesses ist zunächst ein 55-seitiges „Documento finale“ (die deutsche Übersetzung ist in Arbeit), das wenige gänzlich misslungen finden, aber die meisten auch nicht vollkommen glücklich macht. In den Medien wurden vor allem jene heißen Eisen diskutiert, bei denen die Meinungen besonders weit auseinander gehen – zwischen der jungen Generation und den Älteren, quer durch Bischofskonferenzen und über Kulturkreise hinweg. Es darf daher niemanden überraschen, dass bei dieser Synode mit Teilnehmern aus unterschiedlichsten Lebenswelten und mit teils konträren kirchenpolitischen Standpunkten bei Themen wie Sexualmoral, dem Zölibat oder der Beteiligung von Frauen nur Aussagen auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner zustande kamen – weichgespült in unzähligen Änderungsanträgen und Abstimmungen. Immerhin wurden die strittigen Punkte offen diskutiert. Auch spricht der Bericht deutlich die Missbrauchsskandale an und fordert Präventionsmaßnahmen. Das Wichtigste: Die Synode sollte der Kirchenleitung klar vor Augen geführt haben, dass sich etwas tun muss, damit junge Menschen erreicht werden.
Allerdings ist das Synodendokument kein Gesetzestext. Das Papier allein wird nichts verändern. Die innerkirchlichen Gräben lassen auch kaum erwarten, dass sich die strittigen Fragen kurzfristig klären lassen. Daher sollte die weitere Debatte nicht auf jene Aspekte reduziert bleiben, die sich nur weltkirchlich bearbeiten lassen. Auch in den Ortskirchen, in Verbänden und Pfarreien muss Veränderung stattfinden. Nur ein paar Beispiele:
Es braucht mehr Angebote für junge Erwachsene. Viele Jugendliche, die nicht verbandlich engagiert sind, haben nach der oft frühen Firmung keine Anknüpfungspunkte mehr, bis sie vielleicht für eine Ehevorbereitung wieder angesprochen werden.
Kirchliche Jugendarbeit ist stark verbandlich organisiert. Da wird tolle Arbeit geleistet. Aber längst nicht alle jungen Menschen binden sich heute über längere Zeit an eine Gruppe – leider. Es braucht mehr Angebote mit Eventcharakter, das beweist der Erfolg der Weltjugendtage oder der 72-Stunden-Aktion. Dabei sollten alle Formen des Engagements als wertvoll angenommen werden: Bewegungen der charismatischen Erneuerung genauso wie soziales, kulturelles politisches Engagement oder niedrigschwellige Angebote für die vielen Kirchenfernen.
Vor allem sollten Jugendliche nicht nur angehört werden (wie in Rom), sondern eingebunden sein, mitentscheiden dürfen. Sie müssen ihre Sache selbst in die Hand nehmen dürfen. Die Jugend ist nicht Zukunft der Kirche, sie sollte die Gegenwart sein. Andernfalls ist sie in der Kirche bald Vergangenheit.
Christian Klenk

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