Kommentar: Hoffentlich

Einen neuen Umgang mit dem Priesterbild und mit der Sexualität fordert Karoline Kronenburg jetzt von der Kirche

Die Missbrauchsskandale in Chile, Deutschland, Irland, den USA und Australien; Papst Franziskus‘ Vergleich von Abtreibung mit Auftragsmord; die Verweigerung des „nihil obstat“ für den Frankfurter Theologen Ansgar Wucherpfennig wegen liberaler Äußerungen über Homosexualität und Frauen in der Kirche; der Kommunionstreit. – Immer öfter (ver-)zweifle ich an meiner Kirche.
Da helfen auch die wahren Worte von Essens Generalvikar Klaus Pfeffer nicht: „Kirche ist mehr als das, was in diesen Tagen und Wochen zu lesen und zu hören ist von manchen ihrer Repräsentanten. Es geschieht so unglaublich viel Gutes in unseren Gemeinden, KiTas, Schulen, Organisationen, Verbänden, Gruppen und in den Einrichtungen der Caritas und den Hilfswerken ... Das ist Kirche – und das ist weit mehr als das, was derzeit Schlagzeilen macht!“
Keine Frage, Kirche ist mehr. Ihr Bild wird aber nach innen und nach außen, insbesondere in der öffentlichen und veröffentlichten Meinung, wie bei jeder anderen Institution vor allem durch die Leitung und deren Entscheidungen gezeichnet. Das sind heute vor allem der Papst, die Kardinäle und Bischöfe – nicht die Pastoralreferentin, die Schulleiterin oder der Jugendgruppenleiter.
Ich (ver-)zweifle an meiner Kirche, wenn sie unmenschlich ist und ihre Macht in Form von sexueller Gewalt missbraucht und diese sogar deckt. Kirche – oder genauer gesagt die Weltkirche – könnte so viel mehr sein, wenn sie die Position einer absoluten Null-Toleranz gegenüber dem Verbrechen des sexuellen Missbrauchs kategorisch einnehmen und sich an die Seite der Opfer stellen würde; wenn sie alles für rückhaltlose Aufklärung, Bestrafung der Täter, umfassende Unterstützung der Opfer und Prävention tun würde.
Ich (ver-)zweifle an meiner Kirche, wenn sie unbarmherzig ist – zu meiner Freundin, die sich ein Leben lang Vorwürfe macht, ein vermutlich nicht lebensfähiges Kind abgetrieben zu haben; zu meiner Arbeitskollegin, deren Ehe gescheitert ist, und die nach Jahren neues Glück gefunden hat; zu meinem Freund, der schwul ist und die geschenkte Liebe lebt. Kirche – oder genauer gesagt, die Amtskirche – könnte so viel mehr sein, wenn sie einschließend wäre.
Ich (ver-)zweifle an meiner Kirche und weigere mich doch, die Hoffnung, ich könnte auch schreiben, den Glauben endgültig zu verlieren. Ich hoffe und bete, dass die Entscheider in meiner Kirche das in Handlungen umsetzen, womit die WELT den Würzburger Priester Burkhard Hose zitiert: „Eine Kirche, deren vermeintliche Heiligkeit mehr zu schützen ist als die Würde einer Person, ist krank. Wir brauchen endlich einen neuen Umgang mit dem Priesterbild und mit der Sexualität. An der Abschaffung des Pflichtzölibats wird die Kirche nicht vorbeikommen, ebenso wenig wie an einem diskriminierungsfreien Umgang mit Homosexualität. Und es braucht den vom jetzigen Papst selbst erklärten Kampf gegen den Klerikalismus. Dafür braucht es aber viel mehr Menschen, die sich jetzt zu Wort melden. … Es geht jetzt nicht mehr um Betroffenheitsbekundungen und eine rein verrechtlichte Auseinandersetzung. Es geht jetzt um das System.“
Melden wir uns also zu Wort! Als Katholikinnen und Katholiken und insbesondere als katholische Publizistinnen und Publizisten.
Carolin Kronenburg

 

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