Jugendarmut wird zu wenig wahrgenommen

Silke Starke-Uekermann ärgert sich, dass die Medien zu wenig über die Armutsgefährdung der Jugendlichen berichten.

Worüber haben Sie sich zuletzt in den Medien so richtig geärgert?

Darüber, dass Jugendarmut keine Rolle spielt und Journalisten und Journalistinnen eine „falsche Brille tragen“. War doch das Thema „Armut“ in letzter Zeit wieder häufiger Gegenstand medialer Berichterstattung, so wurde der am stärksten betroffenen Generation in Deutschland kaum Beachtung geschenkt. Die Armutsgefährdungsquote der 18 – 24-Jährigen betrug im Jahr 2017 26%. Das ist unter allen Altersgruppen die höchste Gefährdungsquote. Doch worüber wird geschrieben, gesprochen und gesendet? Kinderarmut und Altersarmut!

Klar, Probleme armer Jugendlicher sind für mediale Diskurse weniger attraktiv als Kinderarmut. Ein Niedlichkeitsfaktor oder das Bild des „unschuldigen Kindes“, das gerettet werden muss, verkauft sich leichter als arme Jugendliche. Kommen diese in den Medien vor, wird ihnen die Schuld gerne in die eigenen Schuhe geschoben, ein differenzierter Blick auf ihre Situation fehlt. Ihnen werden bevorzugt individualisierte Einzelphänomene zugeschrieben und damit von kulturellen, sozialen und ökonomischen Missständen abgelenkt.
Für Medien sind vor allem aktuelle Ereignisse relevant, Jugendarmut jedoch ist ein permanentes Problem. Doch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit und das Bewusstsein Einzelner für Jugendarmut hängen nicht unwesentlich damit zusammen, auf welche Art und wie häufig dieses Thema in den Medien behandelt wird. Medien stellen Öffentlichkeit für ein Thema her und bestimmen mit, ob es öffentliche Aufmerksamkeit erfährt. Wie das Problem Jugendarmut wahrgenommen und bewertet wird, ist auch durch die mediale Berichterstattung geprägt. Fakt ist, Jugendarmut in Deutschland ist ein großes nicht zu leugnendes Problem. Doch könnte man meinen, da es nicht in der Zeitung steht, existiere es nicht.

An welcher journalistischen Leistung konnten Sie sich jüngst erfreuen?

An einer Reisereportage über die Schweiz, die die Rheinische Post veröffentlicht hatte. Gefühlt saß der Leser in den Zügen, mit denen das Land durchquert wurde. Durch bildreiche Sprache erlangten die beschriebenen Routen eine täuschend echte Lebendigkeit.

Wie reagieren Sie Ihren Ärger ab?

Ärgere ich mich früh morgens oder kurz vor Dienstschluss, bekommen die Pedalen meines Fahrrads meinen Ärger ab. Ärgere ich mich in Laufe des Tages, schimpfe ich vor mich hin. Die Kolleg/-innen hören mich gelegentlich auch durch die geschlossene Bürotüre. Kommt es ganz schlimm, fliegt auch schon mal etwas gegen die Bürowand.

Silke Starke-Uekermann ist Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Jugendsozialarbeit bei der Bundesarbeitsgemeinschaft Katholische Jugendsozialarbeit in Düsseldorf.

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