GKP-Jahrestagung 2019: Forderung nach Reformen

Der Rektor der Jesuitenhochschule Sankt Georgen in Frankfurt, Pater Ansgar Wucherpfennig, fordert die Abschaffung des kirchlichen "Treueids" für katholische Theologen. Mit der Eidesformel überziehe das kirchliche Lehramt den Anspruch auf Zustimmung in unzulässiger Weise, sagte Wucherpfennig auf der GKP-Jahrestagung 2019  an der Katholischen Universität in Eichstätt. Der Salzburger Theologe Hans-Joachim Sander sprach sogar von "häretischen" Erwartungen Roms, die den Geltungsbereich der 1870 als Dogma verkündeten Unfehlbarkeit des Papstes überstiegen.

Wucherpfennig wurde im vorigen Jahr bundesweit bekannt, weil Rom ihm zeitweilig die Bestätigung als Rektor der Hochschule verweigerte. Dem Vatikan missfiel Wucherpfennigs positive Haltung zur Segnung homosexueller Paare und zur Diakonatsweihe für Frauen. In Eichstätt erläuterte Wucherpfennig die am Ende gefundene Lösung: Er werde als Wissenschaftler die Lehre der Kirche vollständig darlegen, dürfe aber gleichzeitig kritische Anfragen formulieren, zu denen ihn seine Erfahrungen als Seelsorger gebracht hätten. Die pastorale Praxis bilde zusammen mit Glaube und Wissenschaft "ein Dreieck, in dem sich Theologie bewegt".

Thema des Symposiums, zu dem der Journalistenverband hochrangige Experten nach Eichstätt eingeladen hatte, war das Verhältnis von Glaube und Vernunft, Religion und Wissenschaft. Gläubige Menschen würden heute viel kritischer angefragt als in Zeiten, in denen die religiöse Praxis in der Gesellschaft noch größere Selbstverständlichkeit und Plausibilität beanspruchen konnte, sagte der GKP-Vorsitzende Joachim Frank. Der Chefkorrespondent des Kölner Stadtanzeigers verwies auch auf aktuelle Infragestellungen durch den Missbrauchsskandal. "Katholiken, die ihrer Kirche verbunden sind, werden gefragt oder fragen sich selbst: bleiben oder gehen? "

Der Münsteraner Dogmatiker Michael Seewald, der jüngste Theologieprofessor im deutschsprachigen Raum, sprach sich entschieden für Reformen aus. Diese seien notwendig und möglich, betonte der 31-Jährige. Alle Glaubenslehren seien daraufhin zu überprüfen, ob sie den Menschen Hoffnung machten. Daraus müssten sich Konsequenzen etwa für den kirchlichen Umgang mit Homosexuellen oder für die Zulassung von Frauen zu den geistlichen Ämtern ergeben. Eine vernünftige Rechtfertigung des christlichen Glaubens sei auch heute möglich. Davon zeigte sich Seewald überzeugt. "Glaube hat mit Handeln zu tun, und das Handeln muss sich als vernünftig erweisen. " Die Eichstätter Theologen Martin Kirschner und Christiane Alpers unterstrichen Bedeutung und Notwendigkeit, die "Zeichen der Zeit" zu deuten: "Wie können aus dem Glauben heraus Resignation und Hoffnungslosigkeit überwunden werden? "

Mit "unakademischen Gedanken zu Glaube und Vernunft" beschloss Thomas Frings die Tagung. Der Münsteraner Geistliche, der 2015 sein Amt als Pfarrer niedergelegt und kritische Anfragen zur Zukunft der Gemeindeseelsorge gestellt hatte, legte in sehr persönlichen Worten dar, wie der Wunsch nach Klarheit kirchlicher Verkündigung und die Erfahrung des Zweifels und der Angefochtenheit zu einer existenziellen Vertiefung seines Glaubens geführt hätten. Zum Zeitpunkt seiner Weihe sei er eher Kleriker gewesen als Priester. Die eigentliche geistliche Berufung sei ihm erst später aufgegangen. Die Bedeutung des Glaubens an Jesus Christus, der nüchtern betrachtet alles andere als selbstverständlich oder unmittelbar einsichtig sei, machte Frings an den "Grenzen des Lebens" fest: Liebe, Schuld und Tod.

Die Gesellschaft Katholischer Publizisten wurde 1948 gegründet. Ihre mehr als 500 Mitglieder sind in allen Mediengattungen tätig, innerhalb wie außerhalb der Kirche. Zum Programm des dreitägigen Treffens in Eichstätt gehörten auch Gespräche mit KU-Präsidentin Gabriele Gien, dem Journalistik-Professor Klaus Meier, dem designierten Generalvikar des Bistums Eichstätt, Pater Michael Huber, sowie dem Rektor des Collegium Orientale, Oleksandr Petrynko. Zum Auftakt des Treffens hatte Bürgermeisterin Claudia Grund die Journalisten begrüßt und bei einem Rundgang die Stadt- und Bistumsgeschichte erläutert.

Joachim Frank

Bildunterschrift: Veranstalter und Referenten bei derGKP-jahrestagung (von links): Martin Kirschner (Eichstätt), Ansgar Wucherpfennig (St. Georgen), Michael Seewald (Münster), Joachim Frank (GKP-Vorsitzender), Christiane Alpers (Eichstätt), Thomas Frings (Köln), Hans-Joachim Sander (Salzburg) sowie Christian Klenk, Carolin Kronenburg und Nicole Stroth (GKP-Vorstand).
Foto: Rafael Ledschbor

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