geschrieben von Johannes Hagl
Das Haus ist beeindruckend – schon auf den ersten Blick, auch von außen, obwohl der lichtdurchflutete helle Neubau so nicht auf den traditionellen Ostfriedhof in München zu passen scheint. Das Haus ist vollständig konzipiert mit Blick auf die gesellschaftlichen Realitäten. Das erfahren wir, die Besucher der Regionalgruppe München, bei einem Besuch bei Ulrich Keller, der im Fachbereich Hospiz und Palliativ der Erzdiözese München und Freising für Trauer und Trauma zuständig ist und ganz neue pastorale Wege geht.
Die Stadt München entschied 2012, dass es ein neues Krematorium brauchte. 80 % der Beerdigungen in der Stadt sind inzwischen Kremierungen. Pastoralreferent Ulrich Keller hatte wache Ohren, eine Idee und fragte darum, ob auch ein Café geplant sei für die Angehörigen und dazu ein Gesprächsraum für die Seelsorge. Das war der Anfang eines langen Weges durch viele Gremien und die konzeptionelle Planung.
Heute steht da ein Haus genau auf der Grenze zwischen Friedhof und Stadt, zwischen Tod und Leben und lädt als Ort der Begegnung und Gastfreundschaft alle Trauernden ein. Alle meint alle Religionen oder wie auch immer Sinnsuchende, das war Ulrich Keller sehr wichtig und drückt sich im Konzept und in der Architektur aus.
Das Herz des Hauses bildet die drei Stockwerke durchbrechende Lichtvertikale. Auf drei Ebenen wird der Zwischenraum von Trauer und Wandel sinnlich erlebbar. Vom dunklen Untergeschoss nach oben wird es immer heller und lichtvoller. Sitzgelegenheiten geben Raum zum Verweilen, Nachsinnen und Spüren. Und für Gespräche.
Die Lichtvertikale zeigt gläserne Scherben verbunden mit schimmernden Messingteilen. Bruchstücke des Alltags und zerplatzte Formen. Unten fällt der Blick auf die Spiegelung im Wasser einer großen Schale – Ort des Sammelns, des Gedenkens, der Stille. Der Blick nach oben führt ins Lichte. An den Glaskreisen im Zwischenraum hängen Perlen – gewandelte Tränen. Das immer brennende Lebenslicht weist in den Raum der Erinnerung und des Wandels. Es gibt diesen Erinnerungsraum, keine Kapelle, für alle unterschiedlichen Trauerfeiern.
Das offene Haus hat viele Räume der Trauer. Große Fenster geben den Blick frei zu den bunt gefärbten Bäumen. Immer ansprechbar sind hauptamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger der katholischen und evangelischen Kirche. Es gibt einen Gastronomiebereich – auch für alle Trauerfeiern. Beim Eingang des Restaurants ist etwas abgetrennt ein Tisch – für die Seelsorge, für das spontane Gespräch. Im Seelsorgebereich gibt es Räume der Begleitung, der Beratung, des Zuhörens.
Ulrich Kellers Lebenswerk, im November 2024 eröffnet, ist ein Zentrum der Seelsorge mit Gaststätte für Trauernde oder Friedhofsbesucher, Grabbesucher oder Trauergesellschaften. Alle waren sich einig: ein beeindruckendes Haus und deutschlandweit einmalig!