Nachruf auf Helmut Ruppert

Helmut Ruppert war ein Kosmopolit, der 50 Länder bereiste. Er konnte sich in vielen Sprachen verständlich machen, unter anderem in Afrikaans und Luganda. Mit seiner Frau Sally gründete er eine deutsch-ugandische Familie, aus der vier Kinder und (bislang) zwei Enkel hervorgingen. Er war ein begeisterter Chorsänger und Karnevalist. Radiosendungen der Deutschen Welle verplauderte er mit beneidenswerter Leichtigkeit, und als Schreiber hatte er die Gabe, treffsicher Menschen und Situationen zu skizzieren. Als Chefredakteur leitete er die Katholische Nachrichten-Agentur von 1996 bis 2005. Ich war damals Korrespondent der KNA in Rom und wurde 2005 zu seinem Nachfolger berufen, weil die Parkinsonsche Krankheit sein Nervensystem befallen hatte und ihm konzentriertes Arbeiten in der Folge schwer fiel.

Seine Zeit an der Spitze der KNA war geprägt von tiefgreifenden Veränderungen im Medienmarkt und in der katholischen Kirche. Wie die meisten seiner Generation schätzte er Umfang und Durchschlagskraft der Internet-Revolution anfangs falsch ein. Für eine Nachrichten-Agentur, deren Kunden damals noch fast ausschließlich klassische Zeitungs- und Rundfunk-Häuser waren, wirkte die Verlagerung der Nachrichtenströme ins digitale Netz vor allem bedrohlich. Die neuen Chancen blieben ungenutzt. In der Kirche war er mit einem wachsenden Einfluss konservativer Kräfte auch im deutschen Episkopat konfrontiert. Als eher rheinisch-liberal denkender Katholik orientierte sich Ruppert vor allem am Mainzer Kardinal Karl Lehmann. Konflikte gab es mit Oberhirten wie Joachim Meisner (Köln) und Gerhard Ludwig Müller (Regensburg). Unvergessen bleibt mir seine lebhafte Schilderung eines inquisitionsähnlichen „Verhörs“, zu dem er von Bischof und Generalvikar nach Regensburg zitiert wurde, um sich für eine - aus dortiger Sicht - unangemessene Berichterstattung der KNA zu rechtfertigen.

Rupperts kirchenpolitische Nähe zu Lehmann konnte nicht verhindern, dass die KNA zu Beginn der 2000er Jahre in der Bischofskonferenz Sympathien einbüßte. Es war die Zeit der Sparwellen in der katholischen Publizistik, zu der damals auch noch schwergewichtige Kostgänger wie der „Rheinische Merkur“ gehörten. Mehr als ein Bischof stellte damals die Frage, wozu man eine eigene katholische Nachrichtenagentur eigentlich brauche (zumal sie manchmal gar nicht so richtig katholisch zu sein schien). Helmut Ruppert verbrachte schlaflose Nächte, wenn es wieder mal um unausweichliche Personaleinsparungen ging.

Wenn KNA-Texte von Kunden oder Hierarchen kritisiert wurden, stellte er sich als Chefredakteur stets vor seine Mitarbeiter, sparte aber intern nicht mit scharfzüngiger Kritik. Er kannte die Stärken und Schwächen seiner „Pappenheimer“ genau. In den Gesprächen, die wir vor und nach dem Stabwechsel in der Chefredaktion führten, nannte er sie immer wieder „eine phantastische Truppe“ und legte mir ans Herz, sie mit Umsicht und Nachsicht zu führen.

In den Jahren der Krankheit litt er sehr daran, dass ihm die verbale Schlagfertigkeit und der Wortwitz nach und nach abhandenkamen. Für einen Mann des Wortes war das schwer erträglich. Als die Parkinson-Diagnose noch frisch war, pflegte Helmut Ruppert scherzhaft zu sagen, dass er mit Papst Johannes Paul II. den Geburtstag und die Krankheit teile. Nun ist auch sein Leidensweg zu Ende.

Ludwig Ring-Eifel

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