7 Fragen an Achim Pohl

Achim Pohl, Jahrgang 1961, lebt als freier Fotojournalist in Essen. Nach dem Studium regelmäßige Arbeit für Hilfsorganisationen wie Adveniat und Renovabis sowie Sozialverbände. Zahlreiche Ausstellungen, einige Bücher und Preise.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?
Als Jugendlicher war ich eher schüchtern, aber mit 17 fing ich an, überall meine Kamera mit hinzunehmen und so mit ganz anderen Lebenswelten in Berührung zu kommen, ob das nun Motorradrocker waren oder Menschen in der Psychiatrie. Nach dem Abitur wusste ich zum Entsetzen meiner Eltern: Ich will Fotojournalist werden. Schon damals hieß es, die großen Tage des Fotojournalismus seien vorbei. Ich studierte dann Kommunikationsdesign in Essen und befasste mich mit der ganzen Bandbreite von dem, was man heute „Storytelling“ nennt. Meine Abschlussarbeit über Roma in Deutschland konnte ich schon von meinem ersten größeren Auftrag finanzieren.

Ihre Vorbilder?
Nach dem Motto „Nichts ist spannender als die Wirklichkeit“ haben mich immer Fotografen begeistert, die meinen Blick auf die Welt verändert haben – ob die abgründige Straßenfotografie von Diane Arbus oder die von Anders Petersen, der in den 70-er Jahren die Gäste einer heruntergekommenen Kneipe in St. Pauli fotografiert hat. Und zeitgenössische Fotografen wie James Nachtwey oder Paolo Pellegrin zeigen, dass engagierte Sozialfotografie quicklebendig ist.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?
Da gibt es zum Glück ganz viele! Auf den Reportagereisen sind es unzählige Begegnungen mit einfachen Leuten, die sich von widrigen Lebensumständen nicht unterkriegen lassen. Etwa wenn man in einem Bergdorf in Guatemala nicht in einem Hotel schläft (da gibts keines), sondern bei einem indigenen Bauern und Katecheten in der Hütte: Als ich morgens nach dem Bad frage, führt er mich lachend zum nahe gelegenen Fluss. Später sitzt ein Huhn auf meinem Bett, das dort gerade ein Ei gelegt hat. Beim Abschied fragt der Bauer nach meiner Email-Adresse. „Aber hier gibt’s doch gar keinen Strom und auch keinen Computer“, frage ich verständnislos (es war in einer Zeit ohne Smartphones). Natürlich nicht, meint er ungerührt, aber er gehe bloß fünf Stunden in den nächsten Ort, dort habe er sich beim Pfarrer einen Mail-Account eingerichtet, er gehe doch schließlich mit der Zeit. Solche Momente sind unbezahlbar.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?
Erstmal natürlich Neugierde. Aber auch eine grundsätzlich optimistische und positive Haltung, auch wenn das in einem haitianischen Slum beispielsweise nicht immer leicht fällt. Als gelernter „Ruhri“ kann ich aber Schönes finden, wo andere nicht einmal suchen würden. Unfrohen Zynismus, eine unserer Berufskrankheiten, habe ich in all den Jahren Gott sei Dank nicht entwickelt.

Wie bringen Sie Privatleben und Beruf unter einen Hut?
Meine Kinder sind ja mittlerweile erwachsen. Da ich aber immer freiberuflich gearbeitet habe, hatte ich oft tagsüber Zeit für sie und konnte die Dunkelkammerarbeit (bzw. das Ausarbeiten der RAW-Dateien) auf den späten Abend verschieben. Und das Heimkommen nach einer längeren Reise hat mich immer gut geerdet: Ich schwadronierte nicht von meinen Abenteuern, sondern habe mir erst mal Geschichten aus der Jugend-Fußballmannschaft angehört und Instagram-Stories bewundert.

Warum sind Sie in der GKP? Wer hat Sie hineingebracht? Was hält Sie?
Am Ende einer GKP-Reise Anfang der 90-er Jahre nach Bolivien bin ich gefragt worden, ob ich dazugehören möchte. Als Fotograf bin ich gewiss ein Exot, fühle mich aber wohl in diesem Club. Obwohl ich zugeben muss, dass ich seitdem weitaus öfter in Lateinamerika war als bei GKP-Treffen. Eigentlich schade, ich kann mich noch an ein spannendes Wochenende erinnern über dieses Internet – das war immerhin im Jahr 1994 und damals tatsächlich Neuland für alle.

Was erwarten Sie von der GKP?

Die katholische Kirche hat ja so ihre Probleme mit Transparenz und Kritik. Da bin ich froh, dass sich die GKP immer wieder einmischt, wie z.B. jetzt in einer Stellungnahme zum Thema Missbrauch und klar stellt, dass Vorabveröffentlichungen nicht der eigentliche Skandal sind.

 

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