Eckpunkte: Mehr als nur ein Name

Pater Christof Wolf, der geistliche Beirat der GKP, macht die Taufe (Jesu) zum Thema seiner Betrachtungen im Monat Januar.

Wohl jeder weiß, wann er Geburtstag hat. Aber kennen wir auch unser Taufdatum? Ersteres feiern wir regelmäßig jedes Jahr – letzteres eher selten oder gar nicht. Obwohl unsere Taufe ebenso wie die Geburt ein einmaliges Ereignis ist, das Folgen zeitigt. In den Evangelien beginnt mit der Taufe Jesu sein öffentliches Wirken. Nur bei Lukas, dessen Evangelium wir dieses Jahr hören, ist es das ganze Volk, das sich taufen lässt. Und Jesus kommt nicht als Superheld mit Anspruch auf Erhabenheit, sondern stellt sich einfach in die Reihe der normalen Leute. Wahrscheinlich war „das Volk“ nur ein Bruchteil des ganzen Volkes, das zum Jordan hinauszog. Menschen, die von Johannes dem Täufer gehört hatten, seine Aufforderung „Die Zeit ist erfüllt, das Reich Gottes ist nahe. Kehrt um und glaubt an das Evangelium“ (Mk 1,15) ernst nahmen, und die andere Menschen kannten, die sich durch die Taufe des Johannes merklich verändert hatten. Die plötzlich eine Ausstrahlung hatten, eine andere Sicht auf die Welt. Von Lukas wird uns weiter berichtet, dass Jesus betet, während er getauft wird. Auch wenn uns nicht überliefert ist, was Jesus genau gebetet hat – Gott antwortet ihm: „Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen gefunden“ (Lk 3,22). Beten ist ein dialogisches Geschehen. Gott antwortet nicht nur – er macht Jesus eine Liebeserklärung. Nur zu gerne wüsste man, was diese Worte für Jesu Selbstverständnis bedeuteten und was sich die Umstehenden dabei gedacht haben.

Im Unterschied zu den damals üblichen kultischen Waschungen wurde die Taufe nur einmal vollzogen und ist dann überraschenderweise in der Urkirche ein zentrales Element im Aufnahme-Ritus der christlichen Gemeinde geworden. Nicht nur weil Jesus die Taufe auch selbst praktiziert hat (Joh 3,22; 4,1), sondern vielleicht, weil sie für Jesus eine existenzielle tiefe Gotteserfahrung war, gewissermaßen der Initiationsritus seines öffentlichen Wirkens. So dass er vom Geist erfüllt sagen konnte: „Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine frohe Botschaft bringe; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe“ (Lk 4,18-19).
Bei der Taufe geht es um einen Prozess der Veränderung. Gott verändert für immer mein Leben. Durch die Begegnung mit Jesus wandelt sich meine Lebenseinstellung. Und das ist nicht nur ein passives Hinnehmen. Es braucht mein aktives Mittun. Geht doch der Taufe die Befragung des Täuflings oder stellvertretend der Eltern und Paten voran: „Widersagen Sie dem Bösen, um in der Freiheit der Kinder Gottes leben zu können? – Ich widersage. – Widersagen Sie den Verlockungen des Bösen, damit es nicht Macht über Sie gewinnt? – Ich widersage. – Wiedersagen Sie dem Satan, dem Urheber des Bösen? – Ich widersage.“ Danach wird das Glaubensbekenntnis erfragt. In der Taufvorbereitung löst das Ritual des „Widersagens“ oft Fragen aus. Dabei lädt es uns einfach ein, von unserer Freiheit als Kinder Gottes Gebrauch zu machen. Wer sich aktiv gegen das Böse in der Welt stellt, zeigt nicht nur eine veränderte Lebenseinstellung, sondern dass um diese Lebenseinstellung immer wieder gerungen wird. Das ist alles andere als selbstverständlich. Im allgemeinen Schuldbekenntnis in der Messfeier kommt noch ein anderer Aspekt zum Ausdruck. Neben individueller Schuld gibt es „Strukturen der Sünde“, die der Einzelne nicht einfach ändern kann, deren Teil wir einfach sind, weil wir hier geboren sind. Aber Gott lässt uns damit nicht allein, gibt er uns doch wie Jesus die Zusage, seine geliebten Kinder zu sein, und ermöglicht uns mit seiner Liebe, seinem Erbarmen und seiner Vergebung immer wieder von vorn anzufangen.
Vor der Liturgie-Reform wurden die Feste „Erscheinung des Herrn“, „Taufe des Herrn“ und die „Hochzeit zu Kana“ am Dreikönigstag gefeiert. Heute werden die drei Geschichten hintereinander gestellt. Nachdem der Stern die drei Weisen zum Kind geführt hat, feiern wir die Taufe des Herrn und am 2. Sonntag Jesu erstes Wunder, die Wandlung von Wasser in Wein auf der Hochzeit zu Kana. Ganz konkret erfahren die Hochzeitsgäste: Jesu Versprechen des Lebens in Fülle gibt es im Hier und Jetzt. Wenn wir uns an unsere Taufe erinnern, dann daran: Wir sind als Gottes geliebte Kinder eingeladen, die Fülle des Lebens zu erfahren, die überall zu finden ist, wo Menschen die Welt zum Guten verändern.                                  Christof Wolf SJ

 

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