Ärger über Welt am Sonntag

Astrid Prange de Oliveira ist Redakteurin in der brasilianischen Redaktion der Deutschen Welle in Bonn. Sie hat sich über ein Titelbild der WAMS geärgert:

Worüber haben Sie sich zuletzt in den Medien so richtig geärgert?
Richtig geärgert habe ich mich über das Titelblatt der Welt am Sonntag vom 25. November dieses Jahres.  Unter einem schwarzen Balken mit der Dachzeile „UN-Migrationspakt“ stand in riesigen Buchstaben als Überschrift „Einladung an alle“, darunter öffnete sich ein Tor mit UN-Logo in blau, durch die Öffnung schob sich eine anonyme Menge von Migranten. Hinter der Schlagzeile befand sich ein Fragezeichen, allerdings war es kaum zu erkennen, denn es war typografisch abgesetzt, nur mit einer schmalen weißen Linie auf blauem Untergrund umrandet. Mit diesem Titel unterstützt die WAMS die AfD-Kampagne gegen den UN-Migrations-Pakt, die mit falschen Informationen politische Meinungsmache betreibt. Die WAMS dient sich als Trittbrettfahrer der AfD an, ein echter journalistischer  Absturz.

Hier der Link:
https://twitter.com/HollsteinM/status/1066615089728536576

An welcher journalistischen Leistung konnten Sie sich jüngst erfreuen?
An einem Interview mit dem Hamburger Psychotherapeuten Burkhard Hoffmann. Er beschreibt, mit welchen Problemen gläubige Muslime zu ihm in die Praxis kommen. Und er schlüsselt auf, warum gerade Mitglieder dieser Gruppe besonders an zwei Symptomen leiden, nämlich Angst und Depressionen. Die Angst, den Regeln der Religion nicht zu folgen, die Angst, kein „guter Muslim“ zu sein und die Angst vor Ausgrenzung  können zu Depressionen führen. Besonders Frauen litten stark unter diesen Ängsten und dem Gefühl der  Ausweglosigkeit. Der Therapeut hat über seine Erfahrungen ein Buch mit dem Titel „Und Gott schuf die Angst. Ein Psychogramm der arabischen Seele“ geschrieben.  
https://www.deutschlandfunk.de/psychotherapie-mit-muslimen-allah-schaut-...

Wie reagieren Sie Ihren Ärger ab?
Es kommt auf den Ärger an. Im Fall des WAMS-Titels, auf den ich bei Twitter aufmerksam wurde, habe ich auch direkt bei Twitter reagiert. Gemeinsam mit anderen empörten Usern habe ich Welt-Chefredakteur Ulf Posh um eine Erklärung gebeten. Die Antwort war leider nicht zufriedenstellend, sie beschränkte sich auf zwei Worte: „Einfach lesen“. Die kritischen Kommentare waren dafür umso wortreicher. Manchmal wirkt der Ärger auch produktiv und regt mich dazu an, das Thema neu zu recherchieren und dann mit einer neuen These Aufmerksamkeit zu gewinnen. Ansonsten nutze ich das Gespräch mit den Kollegen, um publizistische Ausfälle zu thematisieren. Wenn gar nichts mehr geht, versuche ich mich damit zu beruhigen, dass selbst im digitalen Zeitalter Online-Beiträge, die viral gehen, eine Halbwertszeit haben. 

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