Ärger über Versäumnisse kirchlicher Datenschützer

Beatrice Tomasetti ist Pressereferentin der Kölner Dommusik und freie Mitarbeiterin bei DOMRADIO.DE.

Worüber haben Sie sich zuletzt in den Medien so richtig geärgert?

Dass uns Journalisten mehr oder weniger die seit Ende Mai geltende Datenschutz-Grundverordnung kalt erwischt hat. Wir hätten gerade auf den Feldern der kirchlichen Kommunikation besser darauf vorbereitet sein können und müssen, zumal sich die neuen Richtlinien zwei Jahre lang angekündigt hatten. Unklar ist, ob die Verantwortlichen in den medialen Schaltzentren der Kirche ihre Hausaufgaben nicht gemacht haben, sprich nicht irgendwelche Optionen und „Schlupfwege“ rechtzeitig hätten aushandeln können, um weiterhin mit Fotos aus dem Pfingstlager die ehrenamtliche Öffentlichkeitsarbeit der Gemeinde-Homepage zu beleben.

Und – noch viel folgenreicher – mit mancher Berichterstattung über Kinder und Jugendliche bei Kirchenveranstaltungen (selten genug) zu zeigen, dass unsere Kirche (auch) jung ist und Zukunft hat. Oder ob das neue Regelwerk, das doch eigentlich den Grundrechten eines jeden im weltweiten Netz dienen sollte, schlichtweg in eine Sackgasse führt und letztlich widerspruchslos in seiner aktuellen Ausformung zu respektieren ist. Wenn ich meine vielen Themen aus der Kölner Dommusik, die mehrheitlich aus Geschichten von musikbegeisterten jungen Sängern bestehen, nicht mehr bedenkenlos und vor allem aktuell an die Tagesmedien als meine Multiplikatoren weiterleiten kann, bin ich zu großen Teilen journalistisch ausgebremst. Ich kann nicht jeden Elternteil vor einer Veröffentlichung beispielsweise von Chorbildern um schriftliche Zustimmung bitten und die gewählten Motive einzeln vorlegen und abklären lassen. Das kostet Zeit, die das aktuelle journalistische Tagesgeschäft nicht vorsieht. Die kirchlichen Datenschützer sollten nachsitzen und sich nicht ihre eigenen Kommunikationswege, die zu keinen Zeiten mehr Menschen erreichten als in unserem digitalen Zeitalter, verbauen.

An welcher journalistischen Leistung konnten Sie sich jüngst erfreuen?

An der Frequenz, Qualität und auch Beharrlichkeit, mit der im Kölner Stadtanzeiger in den letzten Monaten kirchlich-katholische Themen zur Sprache gekommen sind, die die Menschen konkret am Ort und in ihrem Bistum bewegen. Auch wenn deren Autor Joachim Frank dabei gerne so manches Mal genüsslich den Finger in die Wunde legt und oft genug eine spitze Feder riskiert. Es ist ein Genuss, der stets detaillierten Darstellung auf der Basis eines fundierten Glaubenswissens und offensichtlich auch vieler aufschlussreicher (Insider-)Quellen zu folgen. Das ermöglicht, sich ob der stets implizierten Kritik am System oder auch Gottes allzu menschlichen Bodenpersonal der eigenen – mitunter auch davon abweichenden – Meinung zu vergewissern und sich gleichzeitig an einer außergewöhnlichen Sprache des Kommentierten zu erfreuen.

Wie reagieren Sie Ihren Ärger ab?

Indem ich mit meinen drei Söhnen über ihre Themen spreche und mal nachhöre, was bei denen gerade so „dran“ ist. Das weitet das eigene Blickfeld und oft genug mein Herz. Und wenn es auch da gerade nur „Baustellen“ gibt, drehe ich – je nach Stimmung – eine Mozart-Messe oder ein Verdi-Requiem laut auf und singe einfach mit.

 

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