Ärger über negative Berichterstattung

Lars Schäfers ist Wissenschaftlicher Referent in der Katholischen Sozialwissenschaftlichen Zentralstelle (KSZ) in Mönchengladbach. Er ärgert sich, dass in den Medien der Fokus vor allem auf Katastrophen und Skandale gelegt wird.

Worüber haben Sie sich zuletzt in den Medien so richtig geärgert?
Das politische Berlin wirkte im vergangenen Jahr wegen der Streits rund um Migration, Maaßen und Minister wie eine Tragikomödie mit besonders stümperhaftem Libretto. Doch auch nicht wenige Journalistinnen und Journalisten performten schlecht in ihrer Rolle, sofern sie immer wieder neue Skandale publizistisch ausschlachteten, ohne die Perspektive einmal zu weiten und für ihre Leserinnen und Leser Antworten auf die Frage nach dem „Was jetzt?“ zu suchen.

Die Medienwirkungsforschung kommt in unterschiedlichen Studien zu dem Ergebnis, dass sich der Fokus auf überwiegend negative Themen wie Katastrophen und Skandale destruktiv auf das Vertrauen der Menschen in die Demokratie auswirken kann. Die Maxime „Only bad news are good news“ verschafft anscheinend trotzdem immer noch mehr vom hohem Gut der Aufmerksamkeit und der Gunst des Publikums.
„Die Bürger wollen, dass eine Regierung die Probleme löst und nicht selbst das Problem ist“, schrieb mir Kristina Dunz am 5. Juli in der Kölnischen Rundschau aus der Seele. Angesichts unserer kalten und bisweilen unerbittlichen Liebe zur Negativität scheinen wir Medienschaffende nicht immer, aber manchmal auch Teil des Problems zu sein. Und das finde ich genauso ärgerlich wie besagte Flops auf der Politbühne.

An welcher journalistischen Leistung konnten Sie sich jüngst erfreuen?
Papst Franziskus sprach sich am Welttag der sozialen Kommunikationsmittel 2018 für einen Journalismus aus, der „nach alternativen Lösungen sucht“. Was dem Pontifex vor Augen schweben mag, entspricht dem Anliegen des sogenannten „Konstruktiven Journalismus“.
Diesem geht es darum, negative Einseitigkeiten zu vermeiden sowie Lösungen und Perspektiven in die Berichterstattung zu integrieren. Dieser Lösungsjournalismus hat dabei auch seine Grenzen und Schattenseiten, etwa wenn er zu PR-abhängig, schönfärbend und weltverbesserisch daherkommt. Es darf nicht um einen Ersatz des medialen „negative bias“ durch einen „positive bias“ gehen, sondern um seine notwendige Ergänzung. Deshalb erfreue ich mich an entsprechend ausgereiftem Konstruktivem Journalismus wie ihn beispielsweise das Medien-Start-up „Perspective Daily“ bietet.

Wie reagieren Sie Ihren Ärger ab?
Ich ärgere mich, dass ich mich bei der Online- und Zeitungslektüre nicht öfter auch freuen und auf mögliche Problemlösungen hoffen kann. Statt den Ärger „abzureagieren“, wandle ich ihn aber lieber um in Dankbarkeit und Optimismus, und zwar im Gebet. Denn trotz aller politischen und medialen Probleme in unserem Land gilt: Wir leben im besten Deutschland, das wir je hatten.

 

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