Abenteuer: Die Christen im Heiligen Land

Cornelia Kimberger (Jahrgang 1963) ist seit 2004 Mitglied im Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Viele Male im Jahr ist sie ehrenamtlich mit Gruppen, privat und als Vorsitzende der Heiligland Kommission der Deutschen Statthalterei des Ritterordens im Heiligen Land, also in Israel, Palästina und Jordanien unterwegs. Von ihren Erfahrungen berichtet sie in Zeitungen und auf Vorträgen.

„Was, Du fährst nach Israel? Das ist doch total gefährlich!“, höre ich immer wieder. Nein, ich bin keine Kriegsreporterin, wenn ich von meinen Erfahrungen aus einem Land im krisengeschüttelten Nahen Osten berichte. Vielmehr von einer anderen Warte der Auseinandersetzungen möchte ich informieren. Mir geht es um die Menschen, um das Menschsein im Heiligen Land. „Na, Du bist aber eine Abenteurerin!“, heißt es, wenn ich erzähle, dass ich wieder einmal nach Palästina reise.

Ein kleines Abenteuer war es allerdings schon, als ich zusammen mit meinen drei Kindern zwischen 9 und 11 Jahren, meinem Ehemann und einer befreundeten Pfarrersfamilie 2001 während der 2. Intifada zum ersten Mal in Israel und Palästina unterwegs war. Eigentlich hatte ich, weil ich schon immer ins Heilige Land wollte, damals zusammen mit dem evangelischen Pfarrer eine dreiwöchige Reise für Familien organisiert. Dann kam die Intifada dazwischen und alle anderen Reiseteilnehmer sagten ab. Dieser evangelische Pfarrer, der eine Guideerlaubnis hatte, präsentierte uns die Heimat Jesu auf dem „Silbertablett“ mit so viel Liebe, dass mein Mann und ich „Feuer“ fingen. Immer wieder besuchten wir danach die Heiligen Stätten und lernten nach und nach sehr viele einheimische Christen, Juden und Muslime kennen. Dieses Geschenk des Pfarrers an uns wollten wir weitergeben an andere Menschen, um ihnen das Heilige Land und vor allem auch die Christen und deren schwierige Situation dort näher zu bringen. Für mich ist es immer ein „Nachhausekommen“, ein Heimkommen zu lieben Menschen, die ich in den vielen Jahren kennenlernen durfte. Dieses Gefühl versuche ich auch den Reisegruppen zu vermitteln, wenn sie die heiligen Plätze besuchen oder wenn es zu Begegnungen mit den Menschen im Land kommt. Wichtig ist mir, dass die Christen spüren: wir vergessen sie nicht, wir sind für sie da. Das Heilige Land besteht eigentlich aus drei Ländern: Israel, Palästina, Jordanien. In jedem dieser Länder gibt es unterschiedliche Probleme. Israel ist zum jüdischen Nationalstaat geworden mit Hebräisch als Staatssprache. Palästinenser, Christen und Muslime gehören zur Minderheit. Die Situation der katholischen Arbeitsmigranten und Asylanten ist sehr schlecht. Palästina ist ein besetztes Land, dadurch sind die Menschenrechte beschnitten und die Lebensbedingungen für Christen prekär. In Jordanien gibt es viele christliche Flüchtlinge aus dem Irak und Syrien, die auf Nahrung, Medizin, Bildung und Wohnen angewiesen sind. Zwei historische Institutionen wurden 1847 von Papst Pius IX. eingerichtet, um den Christen im Heiligen Land zu dienen: das Lateinische Patriarchat und der Ritterorden vom Heiligen Grab zu Jerusalem. Der Ritterorden kümmert sich ausschließlich um die Belange der Diözese und unterstützt mit Spendengeldern das Lateinische Patriarchat. Die humanitäre Situation der Christen, das Leben in den Gemeinden und Schulen und sozialen Einrichtungen des Patriarchats in der Heimat Jesu sind ihm ans Herz gelegt.
Auch im Gazastreifen werden jungen Menschen durch Jobvermittlung Zukunftsperspektiven eröffnet. Sie müssen nicht, wie so viele hunderttausend andere junge Menschen, den Tag ohne Sinn und Ziel verbringen. Immer geht es um die menschliche Würde und um die Anerkennung eines jeden Einzelnen, egal welcher Religion, welcher Nation er angehört. Daher lohnt sich das „Abenteuer“ einer Reise in das Heilige Land, das Helfen und Unterstützen vor Ort und das Darüber-Berichten, immer auch mit einer Portion an Gottvertrauen.

 

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