Weltbild und ein Anfang

Bernhard RemmersJetzt ist die Katze aus dem Sack: Die Kirche in Deutschland will die Verlagsgruppe Weltbild verkaufen. Und dies „ohne jeden Verzug“. So haben es die Bischöfe als Gesellschafter des Unternehmens am 21. November in Würzburg beschlossen. Manch ein Beobachter sieht hier schon den Rückzug der katholischen Kirche aus dem allzu Weltlichen in Deutschland. Ob das stimmt, wird sich noch zeigen müssen. Immerhin hatte Papst Benedikt XVI. während des Besuchs in der Heimat seinen Mitbrüdern im Hirtenamt mehr Distanz zur säkularen Gesellschaft ans Herz gelegt. In den kommenden Monaten wird es jetzt darauf ankommen, wie ein Verkauf des Konzerns mit immerhin 6400 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 1,6 Milliarden Euro über die Bühne geht. Die Menschen im Konzern haben einen anständigen Umgang mit ihrem Schicksal verdient.

Der Entscheidung der Bischöfe war eine aufgeregte Debatte um Erotik und Esoterik vorausgegangen. Über die Vertriebswege von Weltbild und seinen Tochterunternehmen sind einige Bücher und andere Medien zu erwerben, die zur Botschaft der Kirche einfach nicht passen. Branchenkenner konnte das nicht überraschen. Umso offensichtlicher die Tatsache, dass vor allem in der Person des Sekretärs der Bischofskonferenz weit mehr als ein Aufsichtsratsmitglied getroffen werden sollte. Der weltgewandte Jesuit gilt in den so genannten romtreuen Kreisen schon lange als Repräsentant einer als zu liberal verfemten Kirchenpolitik. Vergiftet klang manche Anklage im Internet. Zu Recht haben deshalb die Bischöfe in Würzburg ihrem Sekretär das Vertrauen ausgesprochen.

Über die Frage, ob die Kirche weiterhin als der alleinige Eigentümer des Konzerns „Weltbild“ auftreten soll, kann allerdings trefflich gestritten werden. Das Unternehmen in Augsburg hat sich in den vergangenen Jahren zu einem beachtlichen Player in der Medienszene gemausert. Eine unternehmerische Erfolgsgeschichte, die Respekt verdient. Dass dabei trditionsreiche katholische Zeitungstitel und das Profil eines christlichen Buchverlages auf der Strecke blieben, mag sogar betriebswirtschaftlich richtig gewesen sein. Bleibt nur die Frage, warum ausgerechnet die katholische Kirche ein solches Unternehmen betreiben soll? Etwa, um mit Ladenketten wie „Weltbild Plus“ den wenigen verbliebenden mittelständischen Buchändlern in den Innenstädten das Leben schwer zu machen?

Auch unabhängig von der gegenwärtigen Debatte gehört Weltbild verkauft oder besser gesagt privatisiert. Ähnlich wie der Staat keine Stahlwerke betreiben muss, so muss auch die Kirche nicht ihr Geld mit dem Verkauf von Bestsellerliteratur á la Harry Potter verdienen. Die Bundesregierung hat 1991 ihre Aktien des Salzgitter-Konzerns verkauft und mit dem Geld den Grundstock für die Deutsche Bundesstiftung Umwelt gelegt. Ein starkes Vorbild. Die Kirche könnte ihren Erlös aus dem „Weltbild“-Verkauf in eine Medienstiftung geben. Profitieren könnten davon innovative Projekte aus den Kreisen katholischer Medienmacher und Publizisten sowie unverzichtbare Instrumente kirchlicher Medienarbeit wie die Katholische Nachrichten-Agentur (KNA) und das Institut zur Förderung publizistischen Nachwuchses (ifp). In diesem Fall wäre eine Trennung von „Weltbild“ alles andere als ein Schritt zur Entweltlichung der Kirche, sondern ein Bekenntnis zur mutigen Kommunikation mit der Welt.

Bernhard Remmers

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