7 Fragen: Thomas Moritz Müller

Als Redakteur des „Katholischen Sonntagsblattes“ der Diözese Rottenburg-Stuttgart und Journalistenausbilder befindet sich Thomas Moritz Müller seit Herbst 2012 im Ruhestand. Publizistisch und künstlerisch hat er jedoch bis heute nicht aufgehört zu arbeiten. Mitglied der GKP ist er seit 1987.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?
In einer bücherverrückten Familie war mir Schreiben in die Wiege gelegt. Meinen ersten, glücklicherweise nie veröffentlichten Roman habe ich mit 16 verfasst. Auf dem Umweg über Theater und Fernsehen bin ich eher zufällig im Journalismus gelandet. Als Redakteur einer Kirchenzeitung hatte ich das Glück, mich in vielen verschiedenen Stilformen erproben zu dürfen: Reportagen, Essays, Porträts, Interviews, auch Kurzgeschichten … das ganze Spektrum dessen, was es braucht, um Gott und die große, weite Welt auf Menschenmaß zu bringen und sich selbst und anderen versuchsweise zu erklären, wie die Dinge zusammenhängen.
 
Ihre Vorbilder?

Ich kann mich nicht daran erinnern, mich im Bereich des Journalismus bewusst an Vorbildern orientiert zu haben. Wie auch auf anderen Feldern habe ich versucht, meinen Weg selbst zu finden, was manchmal mühsam war. Inspirieren lassen habe ich mich eher durch Schreiber aus anderen Medien – durch so sanfte Aufklärer wie Friedrich Dürrenmatt etwa. Peter Weiss’ „Die Ermittlung“ hat mich schon in der Schule tief beeindruckt. Und dann waren es Autoren und Publizisten wie Rudolf Pörtner (Mit dem Fahrstuhl in die Römerzeit), Kurt Zentner (Illustrierte Geschichte des Zweiten Weltkriegs), Werner Keller (Und die Bibel hat doch Recht) oder Eugen Kogon (Der SS-Staat), deren Arbeiten ich, ganz Kind meiner (Nachkriegs-)Generation, verschlungen habe.
 
Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?
Die herausragenden Erlebnisse meines Journalistenlebens hängen fast immer mit Begegnungen mit Menschen in anderen Ländern zusammen – Ureinwohner in Indien im Rahmen eines Exposure-Programms von Justitia et Pax oder Missionare im Sahel im Zusammenhang mit einer Journalistenreise von Missio, Flüchtlingskinder im Palästinenserlager Schatila im Libanon oder Abgeordnete im Straßburger Europaparlament in dessen früher Phase. Alle diese Begegnungen haben mein inneres Koordinatensystem neu justiert. Besonders dankbar bin ich aber auch für die vielen Gelegenheiten, über Filme zu schreiben. Manchmal war es mir dort wie Kafka zumute: „Im Kino gewesen. Geweint.“
 
Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?
Fragen. Fragen. Und noch einmal: fragen. Immer auch sich selbst: Wo stehst du in diesem und jenem Kontext? Als studierter Historiker habe ich gelernt, nicht bei der Beschreibung dessen, was ich sehe, höre, erlebe stehen zu bleiben. Ich möchte Leserinnen und Leser auf meinen Weg mitnehmen und Zusammenhänge auf ihren Ursprung und ihre Geschichte hin betrachten.  Als wichtigste Frage von allen aber hat sich mir im Laufe der Zeit diese eine aufgedrängt, die nicht erst in Zeiten von Fake news relevant ist: Sind die Dinge so, wie sie scheinen? Den Blick dahinter – egal ob in Politik, Wirtschaft oder Kultur – gilt es freilich immer wieder neu einzuüben.
 
Wie bringen Sie Privatleben und Beruf unter einen Hut?
Seit meinem Ruhestand ist das kein so großes Problem mehr. Allerdings: Während der Zeit des Arbeitens bin ich für die Familie verloren.
 
Warum sind Sie in der GKP? Wer hat Sie hineingebracht? Was hält Sie?
Neue Perspektiven kennen zu lernen, mich mit anderen auszutauschen, mich in einer Gemeinschaft aufgehoben zu fühlen, in der Viele gleichen Sinnes sind: Das sind für mich unverzichtbare Lebensmittel. So lange mir die GKP dieses Futter gibt, sehe ich keinen Grund, ihr untreu zu werden.
 
Was erwarten Sie von der GKP?
Anregende Tagungen. Kontroverse Diskussionen. Expeditionen in (für mich) journalistisches Niemandsland, zum Beispiel durch Reisen.

 

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