7 Fragen an Thomas Arnold

Thomas Arnold, geb. 1988 in Zwickau, Studium der Theologie in Vallendar und Bonn. In Sachsen aufgewachsen, ins Rheinland verliebt, der Liebe zu Land und Leuten wegen dann doch nach Sachsen zurückgekehrt. Zuletzt als Referent des Vorstands bei missio in Aachen, seit 2016 Direktor der Katholischen Akademie des Bistums Dresden-Meißen. GKP-Mitglied seit 2020.

 

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?
Wer sich mit Theologie beschäftigt, wird an ihrer Sprachfähigkeit nicht vorbeikommen. Trotzdem blieb bisher das Publizistische und Journalistische die schönste Nebenbeschäftigung im kirchlichen Ehrenamt: Vom Pfarrbrief-Texten, der ersten Kirchen-Website in der Region im Neuland Internet bis hin zum zielgruppenspezifischen Newsletter für Hochschule und Ordensgemeinschaft. 2012 dann ein Praktikum in der Pressestelle der Deutschen Bischofskonferenz mit vielen Einblicken und enormen Lernerfahrungen. Trotzdem blieb es beim Hobby, weil es auch andere spannende Bereiche in der Kirche gibt. Inzwischen hat sich für mich das Spannungsfeld ergeben, einerseits für die Institution der Akademie eine gelungene Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu initiieren und andererseits kritisch das kirchliche als auch gesellschaftliche Geschehen zu begleiten.

Ihre Vorbilder?
Lebende Vorbilder zu nennen, könnte sie in ihrer Heiligkeit stören. Deswegen bleibt bei jenen, die ihr Lebenswerk schon vollendet haben: Tatsächlich habe ich ein Faible für die Texte und die Art von Roger Willemsen, weil darin empathisch Intellektualität begegnet. Ganz anders geartet Eugen von Mazenod, der eher Ordensgründer als Journalist war, aber im Schreiben sowohl nach Innen seine neu gegründete Gemeinschaft zusammenhielt als auch nach außen immer wieder überlegte, wie er mit seiner Sprache verständlich bleibt, um nicht von etwas zu sprechen, das am Relevanz-Bedarf der Menschen vorbei geht.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?
Die schönsten Momente sind tatsächlich jene Begegnungen mit Journalisten, in denen das eigene Ringen um den gelungenen Text zum Vorschein kommt und damit die Routine durchbricht. Als Kulmination von erfahrungsdurchdrungener Sprache, die etwas vom Größeren aufscheinen lässt, war bisher das moderierte Gespräch mit Uwe Kolbe. Aber es gibt auch die ambivalenten Momente: Mit der Vorstellung des SachsenSofas erlebte ich besten Journalismus ebenso wie den Versuch, mit Meinung statt Haltung Debatten anzuheizen. Damit verbunden ist aber auch die Erfahrung, wie wertvoll die Meinungs- und Pressefreiheit ist – und wie unreflektiert sie auch 30 Jahre nach der Friedlichen Revolution noch ist.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?
Journalismus hat die Chance, Leben und Erfahrung zu verdichten, unentdeckte Bereiche auszuleuchten und den Menschen zu zeigen, was der Mensch ist. Wenn diese Aufgabe mit den Tugenden von Mut, Genauigkeit, Ehrlichkeit und Standhaftigkeit verbunden wird, dürfte das Produkt glänzen.

Wie bringen Sie Privatleben und Beruf unter einen Hut?
Biblisch mit Mt 12,34 formuliert: Wovon das Herz voll ist, kann der Mund nicht schweigen. Aus der Tradition heraus würde man es vielleicht Berufung nennen. Und drei Schuhgrößen kleiner ist es einfach Freude am Sprechen, Schreiben und Nachdenken über das, was aktuell geschieht. Das Publizistische ist dabei die Brücke zwischen dem Beruflichen und dem Privaten. Für mich ist diese Brückenfunktion Entspannung. Aber zugegeben: Meine Familie wäre wohl nicht unglücklich, wenn ich an weniger Grenzbereichen zur Arbeit Freude hätte.

Warum sind Sie in der GKP? Wer hat Sie hineingebracht? Was hält Sie?
Gerade in die GKP eingetreten, hält mich der Zauber des Anfangs, der möglichst lang trägt. Aber der Eintritt ist natürlich mehr Überlegung als nur spontane Begeisterung: Ohne Frage haben einige sächsische GKP-Mitglieder ein hohes Werbungsbewusstsein, das den letzten Anstoß gegeben hat. Rafael Ledschbor und Daniel Heinze dürfen sich diese Auszeichnung ans Revers hängen. Aber die GKP ist das Netzwerk kluger und engagierter Menschen, die für ihre Tätigkeit mehr haben als beste Fachexpertise, nämlich die gemeinsame Grundlage des Glaubens. Die GKP bietet die Chance, voneinander zu wissen und den Tellerrand zu senken, um für andere Sichtweisen sensibel zu bleiben.

Was erwarten Sie von der GKP?
Die GKP darf die Spannung behalten, die Kirche zu lieben und zugleich in kritischer Distanz vom Guten und Schlechten in ihr zu berichten. Ich hoffe auf eine GKP, deren Mitglieder den Mut haben, nicht ins Selbstreferentielle zu verfallen, sondern die Kirche als Teil der Welt verstehen. Und deswegen auch von dort berichten.

 

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