7 Fragen an Julia Knop

Julia Knop (44) ist seit 2017 Professorin für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät Erfurt. Sie studierte Theologie und Germanistik in Bonn und Münster. Sie ist Beraterin einer Reihe kirchlicher und ökumenischer Kommissionen, gewähltes Mitglied im ZdK und beim Synodalen Weg aktiv. In Blogs, Podcasts und Radiobeiträgen erklärt und kommentiert sie kirchliches Zeitgeschehen und markiert Reformbedarf. Mitglied in der GKP ist sie seit Dezember 2020.

Ihr persönlicher Weg zum Publizieren?
Elfjährig im Schulbus Richtung Warendorf mit einem karierten Collegeblock auf den Knien. Da entstanden die ersten Zeilen eines Buches, das leider nie vollendet wurde. Das lag nicht an den Themen – die sind so aktuell wie eh und je. Es sollte darum gehen, wie ein Katholizismus aussehen könnte, der froh macht und für Gerechtigkeit einsteht. Geplant waren ein Unterkapitel zu Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche und eines zu priesterlicher Existenz heute. Damals habe ich das natürlich noch etwas schlichter formuliert. Aber letztlich sind es 33 Jahre später immer noch ähnliche Themen und Fragen, die mich um- und antreiben. Nach dem Studium ging es dann mit wissenschaftlichen Texten und redaktioneller Verantwortung für Zeitschriften und Sammelbände weiter. Zwischendurch habe ich auch immer wieder für ein breiteres Publikum geschrieben, außerdem mit großer Begeisterung einige Sachbücher für Kinder zu den großen Fragen aus Religion, Philosophie und Ethik.

Ihre Vorbilder?
Menschen, die innerlich frei, wach und sensibel sind. Die zerstörerische Dynamiken bemerken und beim Namen nennen – nicht erst da, wo sie jede:r bemerkt, sondern wo sie entstehen und gedeihen, vor Ort und in der großen weiten Welt. Die aber auch sehen und aussprechen, was gut ist und guttut, im Kleinen wie im Großen.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?
Immer dann, wenn ich erlebe, wie Studierende ein Thema oder eine Frage als ihr Thema und ihre Frage entdecken und dadurch ihr Esprit und ihre Persönlichkeit immer deutlicher hervortreten. Das ist gar nicht so selten und macht mich immer wieder froh.
Eine Sternstunde im etwas weiter gefassten beruflichen Kontext war der Studientag der DBK im März 2019 in Lingen/Ems, den ich thematisch eingeführt und moderiert habe. Am Folgetag entschlossen sich die Bischöfe, zusammen mit dem ZdK einen Synodalen Weg zu initiieren, um nötige Reformen der katholischen Kirche auf den Weg zu bringen. In diesen Tagen ist etwas in Bewegung gekommen. Man konnte förmlich dabei zusehen. Die Schockstarre, die seit der Veröffentlichung der MHG-Studie um sich gegriffen hatte, löste sich. Plötzlich war echte Aufbruchstimmung unter den Bischöfen zu spüren. Eine kraftvolle, positive Entschlossenheit, die Probleme ehrlich anzupacken und kirchliche Zukunft neu zu gestalten. „Der Heilige Geist und wir haben beschlossen“ (Apg 15,28) – so eine Atmosphäre war das. Des Sturmes Brausen ist zwar mittlerweile merklich abgeflaut, aber dieses Erlebnis motiviert mich bis heute, echte Reformen in der Kirche für möglich zu halten und dafür zu arbeiten.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?
Die Verbindung von Freimut, Sachkompetenz und Wortgewandtheit, wie sie z.B. in einem richtig guten Kommentar zum Ausdruck kommt. Sprachliche Souveränität, die keine Fußnoten braucht.  

Wie bringen Sie Privatleben und Beruf unter einen Hut?
Mein Problem ist eher, zwei verschiedene Hüte dafür zu finden.

Warum sind Sie in der GKP? Wer hat Sie hineingebracht? Was hält Sie?
Der Chef persönlich, der mich überhaupt erst auf die Idee gebracht hat. Die Zusammensetzung: interessante, engagierte, kluge Leute, denen eine kritische Begleitung der Kirchen Profession und Herzensanliegen ist. Die GKP-Informationen: super informativ und von vorn bis hinten lesenswert.
 
Was erwarten Sie von der GKP?
Austausch und Vernetzung über die Berufsgrenzen hinweg, eine qualitätsvolle kritische Begleitung kirchlicher Realitäten und weiterhin punktgenaue (medien-, kirchen-, wissenschafts-) politische Positionierungen, die offenbar immer wieder nötig sind.

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