7 Fragen an Johannes Seibel

Johannes Seibel M.A. leitet die Abteilung Kommunikation & Presse beim Internationalen Katholischen Missionswerk missio Aachen. Er ist dort gleichzeitig für die Kampagnen zum Thema bedrängte und verfolgte Christen verantwortlich.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?
Vermutlich bin ich Journalist geworden, weil ich als asthmakrankes Kind in der pfälzischen Provinz der 70er Jahre in dem 4.000-Seelen-Dorf Hauenstein aufgewachsen bin. Ich musste oft das Krankenbett hüten. Dabei las ich alles, was ein damals gut sortierter katholischer Haushalt von der Bistumszeitung „der Pilger“ über die „Stadt Gottes“ bis hin zu „Das Beste aus Readers Digest“ zu bieten hatte. Das Lesen inspirierte das Geschichtenerzählen. Dieses Talent wiederum sicherte mir als Asthmakind die Anerkennung in der Nachbarschafts-Clique, der ich auf dem Bolzplatz, im Wald oder beim Klettern vergeblich hinterherjapste. Zudem liegt den Hauensteinern der Journalismus wohl im Blut. Von dort kommen zum Beispiel Wolfgang Seibel SJ (Gründer des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses, ifp), Markus Schächter (früherer ZDF-Intendant), Stefan Baron (früher WirtschaftsWoche, Deutsche Bank), Dorothée Stöbener (Ressortleiterin Die Zeit), Werner Scheib (dpa), Theo Schwarzmüller (Publizist und Historiker) oder Michael Braun (Literaturkritiker, DLF). Das alles muss mich geprägt haben – ich wollte seit Kindheits- und Jugendtagen Journalist werden. Danach: Theologie, Philosophie und Politikwissenschaft, ifp-Stipendiat, freie Mitarbeit im Sport- und Lokaljournalismus (die beste Schule), Volontär und Redakteur („Pirmasenser Zeitung“, „Die Rheinpfalz“), Politischer Referent beim Bischöflichen Jugendamt Speyer, Redakteur bei „der Pilger“, CvD bei „Die Tagespost“ und dann missio Aachen.

Ihre Vorbilder?
Vorbilder im Journalismus? Das waren zuerst Fernsehformate. Als Kind und Jugendlicher liebte ich den „Internationalen Frühschoppen“ mit sechs Journalisten aus fünf Ländern, den wir mit der Familie nach dem Sonntagsgottesdienst beim Mittagessen schauten, was in Reibung mit väterlichen Leitkommentaren – zuweilen lautstark – Haltung und Meinungsvielfalt trainierte. „Dischbediere“ nennt der Pfälzer das. Damals liebte ich auch die fernen Orte und Geschichten aus dem „Weltspiegel“. Vorbilder heute? Stellvertretend stehen hier die Reporter Uli Gack (ZDF) und Martin Durm (ARD/SWR). Sie recherchieren ihre Reportagen aus dem Nahen Osten in einer Haltung des genauen, unterscheidenden Hinhörens und Hinschauens, was tatsächlich der Fall ist. Dazu fangen sie Bilder, Geräusche – ja man könnte meinen, selbst Gerüche – ein, die dieses Tatsächliche umspielen, veranschaulichen und beglaubigen. Das alles servieren sie mit einer ideologischen Unvoreingenommenheit, die zuverlässig unser Vor-Urteil irritiert. So ermöglicht ihre Arbeit Urteil und Meinungsvielfalt gleichermaßen. Das ist vorbildlicher Qualitätsjournalismus. Übrigens: Martin Durm stammt (zufällig?) aus meiner pfälzischen Nachbargemeinde Rodalben.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?
Ein Feature für die Bistumszeitung „der Pilger“ von der Hungertuchwallfahrt des Hilfswerkes MISEREOR. Es ging zu Fuß von Mainz nach Bamberg. Dabei lernte ich bei klirrender Kälte outdoor meine heutige Frau kennen, die für MISEREOR arbeitet. So kam ich aus der Pfalz nach Aachen.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?
Haltung, Redlichkeit, Gerechtigkeitssinn, Weltoffenheit, Lust an der Meinungsvielfalt, gute Nerven, Humor – auch den, über sich selbst lachen zu können. Kurz: Gottvertrauen.

Wie bringen Sie Privatleben und Beruf unter einen Hut?
Geht so.

Warum sind Sie in der GKP? Wer hat Sie hineingebracht? Was hält Sie?
Ich schätze die Arbeit der GKP als Plattform für die Selbstvergewisserung eines katholisch inspirierten Journalismus, für das Netzwerken katholischer Journalisten und als Impulsgeber für eine weltoffene, den Menschen zugewandte Kirche. Die GKP leistet das und das hält mich.

Was erwarten Sie von der GKP?
In Zukunft vielleicht mehr Solidarität mit christlichen Journalistinnen und Journalisten weltweit, die diskriminiert, bedrängt und verfolgt werden. Was sie in Afrika, Asien, Ozeanien oder Lateinamerika unter schwierigsten Bedingungen leisten, nehmen wir kaum wahr.

 

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