7 Fragen an Harald Biskup

Harald Biskup war bis 2016 fast 20 Jahre lang Chefreporter beim Kölner Stadt-Anzeiger.  Der Redaktion gehörte er seit Anfang der 70er Jahre zunächst als freier Mitarbeiter und danach als Redakteur in den Ressorts Lokales Köln und Seite 3 an. Aus der DDR berichtete er seit Mitte der 80er Jahre anfangs als „Reisekorrespondent“ mit befristeter Arbeitserlaubnis und schon vor der Wende als akkreditierter Korrespondent mit Wohnsitz Ost-Berlin.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?
Bei der damals vor dem Abitur obligatorischen Studien- und Berufsberatung erzählte ich der Dame vom Arbeitsamt, dass ich einen „Justiz-Report“ für unsere  Schülerzeitung geschrieben hatte und sehr wahrscheinlich Jura studieren wolle, mit dem Berufsziel Strafvollzug. Ich wolle darin mitwirken, an den Zuständen in den Zuchthäusern etwas zu ändern.  Meine Vorstellungen, alterstypisch idealistisch, noch dazu ein Jahr nach ´68, amüsierten die Berufsberaterin, die mir sehr resolut (und am Ende erfolgreich) meine Pläne ausredete. Ich solle Journalist werden, denn wenn ich ehrlich wäre, sei es doch mein Anliegen, Missstände zu beschreiben und sie zu kritisieren und nicht selbst an ihrer Beseitigung mitzuwirken.
Ich immatrikulierte mich für Geschichte, Politikwissenschaft und Anglistik und bewarb mich als Stipendiat beim damals gerade gegründeten ifp in München. Entgegen meiner Erwartung wurde ich angenommen. Schließlich hatte ich in meiner Bewerbung keinen Zweifel daran gelassen, dass ich mich nicht als Sprachrohr der Amtskirche vereinnahmen lassen wolle. Die „Ferienakademien“ und vor allem die Praktika innerhalb der Ausbildung bestärkten mich in meinem Berufswunsch.  Eine Zeitlang liebäugelte ich nach Stippvisiten beim Radio damit, Hörfunk-Journalist zu werden, bin dann aber immer dem „Print“ (vulgo: der Zeitung) treu geblieben und habe es auf fast 38 Jahre beim selben Verlag gebracht.

Ihre Vorbilder?
Sehr viele, besonders einige meiner Lehrmeister beim ifp und ältere Kollegen der eigenen Redaktion. Unter den Großen der Zunft fallen mir Herbert Riehl-Heyse, Marion Gräfin Dönhoff oder auch Hanns Joachim Friedrichs ein.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?
Wenn ich erlebe, dass zunächst skeptische Gesprächspartner mir signalisieren, dass sie sich und ihr Anliegen so wiedergegeben finden wie erhofft. Oder wenn jemand in ein Treffen einwilligt, die oder der eigentlich keine Journalisten an sich heranlassen mag. Schön ist es, gesagt zu bekommen, eine bestimmte Frage habe dazu animiert, Positionen neu zu überdenken. Dieses Kompliment hat mir z.B. der umstrittene Plastinator Gunther von Hagens (Körperwelten) nach mehreren intensiven Begegnungen gemacht.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?
An erster Stelle nenne ich Toleranz, aber auch Unbestechlichkeit, Unabhängigkeit, Gründlichkeit, Sorgfalt, Fairness im Umgang mit Informanten/Gesprächspartnern (vor allem mit solchen, die keine Medien-Erfahrung haben), Urteilsvermögen. Und natürlich Neugier auf Menschen, Interesse für ein breites Themenspektrum, Hartnäckigkeit. Für wichtig halte ich die Fähigkeit zu Selbstkritik. Nützlich kann auch Gelassenheit sein – und Humor.

Wie bringen Sie Privatleben und Beruf unter einen Hut?
Das war zu meiner aktiven Zeit durch das viele Unterwegssein nicht immer einfach. Meine Frau und die Kinder haben es mir aber leichtgemacht, nicht allzu oft ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

Warum sind Sie in der GKP? Wer hat Sie hineingebracht? Was hält Sie?
Ich bin erst vor gut zwei Jahren GKP-Mitglied geworden, nachdem ich irgendwann dem Werben (und gelegentlich auch charmanten Drängen) meines langjährigen Kollegen Joachim Frank nicht länger widerstehen konnte.

Was erwarten Sie von der GKP?
Eigentlich bin ich überhaupt kein „Vereinsmensch“, doch die Möglichkeit, sich mit Kolleginnen und Kollegen mit katholischem Background, aber ganz unterschiedlichen Berufserfahrungen austauschen zu können, finde ich reizvoll und spannend.  Mir gefällt die selbstbewusste Art, wie die GKP sich heute innerhalb und außerhalb der Kirche darstellt. In den 70er Jahren hatte ich schon einmal kurz überlegt, der GKP beizutreten, aber ich konnte mich nicht dazu entschließen, weil mir damals die Nähe zur Amtskirche zu groß erschien.

 

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