7 Fragen an Hanno Rother

Wir schreiben das Jahr 2020 n. Chr. Das Internet wird von der ganzen Kirche entdeckt. Von der ganzen Kirche? Ein unbeugsamer Kirchendude hat längst vor Corona dort sein Unwesen getrieben und als „Influencer für Gott“ (H. Gerdes) zwischen Games, Community und Talks auch die Sinnfragen nie ausgespart. Und ich bin Hanno Rother, katholischer Priester des Bistums Münster — eben jener besagte Kirchendude.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?
Auch wenn ich als Schüler nach dem ZeuS-Projekt als freier Mitarbeiter zunächst bei der WAZ und dann bei den Ruhr Nachrichten gearbeitet, in der Schülerzeitung und Verbandsmagazinen geschrieben habe, habe ich mich noch nie als Journalist gesehen. Vielleicht weil mein Bruder ein „echter“, hauptberuflicher Journalist ist. Erst seit gut drei Jahren arbeite ich bei einem Verkündigungsformat der Kirchen im funk-Netzwerk mit. Und der Titel „bärtiger Kirchendude“ war für mich ein gefundenes Fressen, um Pastoral in einer kirchenfremden Welt zu versuchen. Daraus wurde eine Marke auf Twitch, Facebook, Twitter und Instagram.

Ihre Vorbilder?
Die Frage finde ich äußerst schwierig. Zumal derzeit ja alle möglichen Statuen buchstäblich vom Sockel gestoßen werden. Viele offiziell zu solchen ernannte Vorbilder straucheln wegen ihrer Schattenseiten. Je nach Bereich, habe ich aber Personen vor Augen, von deren Handeln ich mir eine Scheibe abschneiden kann. Ich denke an meine Chefs, die ich hatte, von denen ich mir die Gelassenheit abgucken müsste; an Kolleg*innen, deren Kreativität und Energie ich sehr schätze; an Menschen aus dem Medienbereich, die mit ihrer Überzeugung für Fairness in der Gesellschaft Partei ergreifen.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?
Im kirchlichen Bereich erinnere ich mich noch gut an eine Predigt, nach der die Menschen in der gut gefüllten Kirche spontan applaudiert haben. Ich hatte wohl mit meiner (durchaus pointierten) Auslegung und Meinung einen Nerv getroffen. Das bestärkt mich bis heute, meinen Mund aufzumachen, auch wenn es nicht gerade common sense in meinem Laden ist. Im publizistischen Bereich war das erste Pen and Paper mit den Rocketbeans und funk ein Highlight. Die kritischen Stimmen zur Kirche waren in den Kommentaren verstummt. Stattdessen hieß es: „Der bärtige Kirchendude ist doch total cool!“ Und auf Twitch war es eine Diskussion über Sterbehilfe und assistierten Suizid. Als Atheisten, Gläubige und Agnostiker zusammen diskutiert haben, und klar wurde, dass wir an so vielen Stellen gleiche Wertvorstellungen trotz anderer moralischer Urteile hatten.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?
Ohne Neugier würde ich wohl nicht im journalistischen Feld arbeiten. Sie drängt mich, Dinge zu hinterfragen und verstehen zu wollen. Außerdem wünsche ich mir Aufrichtigkeit und den Willen, der Gesellschaft zu dienen. Das tun längst nicht alle, aber wer so arbeitet, hat eine gute Chance von mir als „gute*r Journalist*in“ bezeichnet zu werden.

Wie bringen Sie Privatleben und Beruf unter einen Hut?
Ich habe durch meinen Beruf nahezu kein Privatleben. Daher klappt das ganz gut. Allerdings müsste ich mir manchmal mehr freie Zeit gönnen.

Warum sind Sie in der GKP? Wer hat Sie hineingebracht? Was hält Sie?
Thomas Mollen hat mich angeworben, als wir über eine Idee für die GamesCom sprachen. Und da im Ruhrpott erstmal jede*r „DKP“ versteht und meint ich sei Kommunist, war der Antrag ausgefüllt. Ohne Augenzwinkern: Ich bin gerne mit anderen christlichen Journalist*innen vernetzt, zumal Netzwerken der Grundgedanke meiner Tätigkeit in den sozialen Medien ist. Als ich gesehen habe, wen ich alles aus dem Verein schon kenne, war mir klar, dass es eine gute Entscheidung war.

Was erwarten Sie von der GKP?
Ein gutes Netzwerk und einige gemeinsame Aktionen an Stellen, wo Menschen der GKP gesammelt auflaufen. Hier seien ÖKT, KT und ähnliche Veranstaltungen zu nennen. Vielleicht gibt es aber auch darüber hinaus mal Möglichkeiten zur Zusammenarbeit und zum Austausch unter Kolleg*innen.

Druckversion

AddThis

|||||