7 Fragen an Christoph Dicke

Christoph DickeChristoph Dicke ist Reporter, Programmplaner und CvD in der trimedialen Redaktion Bayern aktuell (Radio, TV, Online) des Bayerischen Rundfunks in München. Vor seiner BR-Zeit arbeitete er für Zeitungen und Privatsender in München und Hagen. Mitglied der GKP ist er seit 2011.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?
„Warum die brotlose Kunst der Schauspielerei? Du musst Journalist werden!“ Diesen Floh setzte mir mein Deutschlehrer so nachhaltig ins Ohr, dass ich statt Städtischer Bühne Hagen die Westfalenpost in Hagen ins Visier nahm. Ein erstes Schnupperpraktikum vor dem Abi - und schon war ich infiziert: Beobachten, Fragen stellen,
schreiben… statt Texte auswendig lernen. Später folgten neben freier Mitarbeit während des Politikstudiums ein Journalisten-Stipendium und schließlich ein BR-Volontariat.

Ihre Vorbilder?
Es gibt für mich nicht das große Vorbild, es gibt viele Orientierungsgrößen: die investigative Recherche eines Egon Erwin Kisch zum Beispiel, die Reportagen eines Herbert Riehl-Heyse oder Moderationen eines Hajo Friedrichs. In der Gegenwart überzeugt mich besonders der engagierte Erklär-Journalismus von Ranga Yogeshwar, die Interviewführung von Marietta Slomka oder die intelligenten Nachfragen eines Richard David Precht (auch Philosophen können zuweilen Journalismus).

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?
Als Radioreporter zum ersten Mal in einer Flüchtlingsunterkunft: Hier saßen mehrere Familien aus Afrika zusammen. Sie schienen darüber skeptisch zu sein, was der Reporter denn da von ihnen wolle. Doch mein blauer, runder Schaumstoff-Windschutz auf dem Mikrofon hat offenbar ein etwa dreijähriges Mädchen so fasziniert, dass es den Püschel wie ein Stofftier ganz zaghaft zu küssen begann. Alles lachte, der Bann war gebrochen, die Gesprächsatmosphäre war fortan offen und herzlich.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?
Ein kritisch-wacher Geist, der sich nicht mit Oberflächlichem zufrieden gibt. Der nachhakt, auch wenn es unbequem wird. Der sein eigenes Tun hinterfragt und sich ethischen Fragen verpflichtet fühlt. Der die Menschen, über die er berichtet, genauso ernst nimmt wie die Menschen, für die er berichtet. Der kreativ ist - nur nicht bei der Wahrheit.

Wie bringen Sie Privatleben und Beruf unter einen Hut?
Der DGB-Spruch, dass der Papa am Samstag der Familie gehört, ist im aktuellen Journalismus nicht ganz einlösbar. Ich versuche, meine Kinder hin und wieder teilhaben zu lassen an dem, was ich mache - bis hin zu Besuchen in der Redaktion. Auch Nachrichtenschichten sind von der Arbeitszeit her nicht unbedingt familienfreundlich. Zum Glück habe ich immer wieder Chefinnen und Chefs gefunden, die vom Dienstplan her für familiäre Belange offen sind und manche Flexibilität erlauben.

Warum sind Sie in der GKP? Wer hat Sie hineingebracht? Was hält Sie?
Katholisch engagiert und als Journalist unterwegs? Da hätte er was für mich, sagte mein BR-Kollege Karl-Ludwig Zöller vor einigen Jahren. Der Tipp war gut: Denn auch in unserer Zunft sind Einzelkämpfertum und Fragmentierung verbreitet. Die GKP als eine Gruppe - im Prinzip - Gleichgesinnter, die Austausch und Reflexion über (Bundes-)länder- und Medien-Grenzen hinweg ermöglicht, ist sehr wertvoll.

Was erwarten Sie von der GKP?
Neben Mitgliedern kirchlicher Medien sollten auch Mitglieder weltlicher Medien stärker angesprochen werden. Gerade hier ist es nicht immer einfach, christliche Standpunkte zu vertreten. Das christliche Menschenbild als ein wesentliches journalistisches Leitmotiv nach außen zu transportieren, wird für die GKP wichtig bleiben.

 

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