7 Fragen an Britta Baas

Britta Baas ist Pressesprecherin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). Zuvor arbeitete sie viele Jahre als Journalistin, zuletzt bei Publik-Forum. Seit Mai ist sie Mitglied der GKP.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?
Lesen, denken, die Welt verstehen: Das hat mich immer interessiert. Außerdem hatte ich früh heftiges Fernweh. Das lag nahe, denn ich bin in einem Forsthaus im Nordhessischen aufgewachsen. Drumherum viel Grün, wenig Menschen und ein Mobilitätsangebot, das aus zwei Bussen pro Tag bestand. Meine Geschwister und ich machten, als wir ins richtige Alter kamen, in Rekordzeit den Führerschein. Gott sei Dank hatten meine Eltern eine Ader für die große weite Welt. Bei uns waren Forstleute aus Lateinamerika und Asien zu Gast, Austauschschülerinnen, Studentinnen, Chorsänger und alle möglichen interessanten Menschen. Einige wohnten über Monate bei uns. So konnte ich gar nicht anders, als mich für den Journalismus zu entscheiden. Ich wollte Menschen und ihre Welten erleben und darüber berichten. Meine Studienfächer wählte ich nach Vorlieben, verbrachte ein Studienjahr in England, reiste durch Europa, besonders gern in den Osten. Und machte als Studentin erste journalistische Erfahrungen – beim WDR-Hörfunk, in der Philosophie-Redaktion Fernsehen und bei der Hessisch-Niedersächsischen Allgemeinen in Kassel, wo ich später auch volontierte.

Ihre Vorbilder?
Ein einziges, großes Vorbild habe ich nicht. Ich begeistere mich immer wieder neu für gute Texte. Wenn mich eine Autorin, ein Autor mitnimmt zu einem Menschen, zu einer Erfahrung, wenn ich etwas Tiefes verstehe, bin ich glücklich. Ich liebe den Überraschungseffekt.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?
Es gab über die Jahre viele Erlebnisse, die mich lange beschäftigt haben. Am nachhaltigsten waren zwei Iranreisen, 2017 und 2018. Manche Kontakte, die ich knüpfen konnte, halten bis heute. Eine iranische Freundin arbeitet inzwischen als Wissenschaftlerin in Deutschland. Wie sich das Land verändert, beobachte ich genau. Ich habe angefangen, Farsi zu lernen. Aber momentan komme ich nicht weiter. Zu wenig Zeit für eine wunderschöne, aber komplexe Sprache.   

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?
Unabhängigkeit. Sprachkompetenz. Menschenliebe.

Wie bringen Sie Privatleben und Beruf unter einen Hut?
Das war bislang nicht so schwierig, vorwiegend aus zwei Gründen: Als mein Sohn zur Welt kam, vor nunmehr 25 Jahren, habe ich mein berufliches Reisefieber abgekühlt. Ich bin sesshafter geworden, als ich es vorher war. Wenn sich eine Möglichkeit ergab, zu reisen, habe ich aber zugegriffen. Dass das ging, hat mit meinem Mann zu tun. Er ist mit mir ins Rhein-Main-Gebiet gezogen, hat sich viel um die Familie gekümmert, sich dann neu orientiert und arbeitet heute als Sozialpolitik-Experte beim epd in Frankfurt. Demnächst wird alles nochmal neu und anders. Denn ab Januar 2022 sitzt das ZdK nicht mehr in Bonn, sondern in Berlin. Ich bin gerade auf der Suche nach einer zweiten Bleibe. Die Bahncard wird ein wichtiger Lebensbegleiter werden.

Warum sind Sie in der GKP? Wer hat Sie hineingebracht? Was hält Sie?
In die GKP bin ich im Mai eingetreten. Lange Jahre wollte ich Abstand halten zum inner circle des Katholischen. Publik-Forum war und ist dafür bekannt, „unabhängig von Bischöfen und Banken“ zu arbeiten, das gefiel mir gut. Inzwischen hat sich in der katholischen Kirche Deutschlands einiges getan. So viel, dass ich es mir vor einigen Monaten vorstellen konnte, Pressesprecherin des ZdK zu werden. Marc Frings, unser Generalsekretär, hat mich verwundert gefragt, warum ich eigentlich nicht GKP-Mitglied sei. So kam mein Entschluss zustande. Ich bin identifiziert mit dem nach vorn schauenden ZdK. Und doch versuche ich, eine journalistisch denkende Pressesprecherin zu sein. Ich hoffe, dass sich das ZdK gerade deshalb für mich entschieden hat.
 
Was erwarten Sie von der GKP?
Ich hoffe, in der GKP interessante Anstöße zu finden. Und ich hoffe auf Menschen, die kritisch denken, aber dabei solidarisch sind. Mir sind besonders die Frauen in der GKP wichtig. Wie sie die Welt und den Journalismus bewegen, könnte die GKP doch mal zu einem eigenen Thema machen.

 

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