7 Fragen an Andrea Rübenacker

Andrea Rübenacker ist seit 2018 Hauptgeschäftsführerin des Katholischen Medienhauses in Bonn und Geschäftsführerin der KNA GmbH sowie der dreipunktdrei mediengesellschaft mbH. Zuvor hat sie in der Akademie, dem internationalen Trainingszentrum der Deutschen Welle, unter anderem die Bereiche Afrika und Asien geleitet. Sie ist promovierte Journalistin und hat im Nebenfach Katholische Theologie studiert. An der Hochschule Mittweida hält sie eine Honorarprofessur für „Internationales Medienmanagement und Interkulturelle Kommunikation“. Sie lebt mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Bonn. Mitglied der GKP ist sie seit 2019.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?
Über den Kaninchenzüchterverein als Schülerpraktikantin in einer Lokalzeitung, ein Journalistik-Studium an der Uni Dortmund, ein WDR-Volontariat und viele glückliche Umstände!

Ihre Vorbilder?
Menschen, die in der Sicherheit der Unsicherheit nicht aus dem Weg gehen. Die Neugierde für eine Qualität und den kritischen Blick für eine Tugend halten. Menschen, die Macht nicht missbrauchen, sondern sie nutzen, um Gegenwart zu gestalten.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?
…war gleichzeitig das Erlebnis, das mich am stärkten berührt hat: Ich habe in Kambodscha ein Training für JournalistInnen durchgeführt. Thema: Trauma-Berichterstattung. Höhepunkt und Abschluss des Trainings waren Interviews mit Überlebenden eines Gefängnisses der Roten Khmer. Dabei waren die JournalistInnen und unser Trainerteam mindestens so nervös wie diejenigen, die sich nach langem Zögern den Kameras gestellt haben. Die Interviews waren grausam – für beide Seiten. Es flossen Tränen. Es gab Momente der Stille, weil sowohl das Fragen als auch das Antworten unmöglich war. Und am Ende: Erleichterung darüber, das gefragt und das gesagt zu haben, was in Kambodscha jahrzehntelang niemand öffentlich zu fragen und zu sagen gewagt hatte.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?
Immer wieder die Kraft und den Mut aufzuwenden, die Extrameile zu gehen, die es braucht, um aus einer Geschichte eine wirklich gute Geschichte zu machen.

Wie bringen Sie Privatleben und Beruf unter einem Hut?
Ehrlich? In Corona-Zeiten gar nicht. Aber da geht es mir vermutlich wie allen berufstätigen Müttern, die zwei kleine Kinder haben und denen von jetzt auf gleich nicht nur die organisierte Betreuung in Kita und Schule, sondern auch noch die Großeltern und andere Freunde und Verwandte als Unterstützung im Alltag wegbrechen. In Nicht-Corona-Zeiten bekommen mein Mann und ich es – mit Kreativität, vereinten Kräften und Mut zur Lücke – immer irgendwie hin.

Warum sind Sie in der GKP? Wer hat Sie hinein gebracht? Was hält Sie?
Joachim Frank hat mir – ich glaube an Tag zwei meines Dienstantritts im Katholischen Medienhaus – einen Aufnahmeantrag auf den Tisch gelegt. Ich halte die Arbeit, die Initiativen, die Stimme der GKP für eine wichtige in unserer Medienlandschaft. In Krisenzeiten - wie jetzt - erleben wir doch, wie Menschen nach Orientierung suchen. Da hilft mir kein Journalismus, der nur auf leichtes Entertainment getrimmt ist. Da geht es um solide Fakten, kritische Reflexion und vor allem um nachvollziehbare Haltung. Genau diese Säulen finde ich in der Programmatik der GKP.

Was erwarten Sie von der GKP?
Im Bereich der Medien kommen in den nächsten Jahren – im säkularen wie im kirchlichen Bereich – große Veränderungen auf uns zu. In einer Zeit, in der Tech-Riesen die Sichtbarkeit von Inhalten (mit-)bestimmen, ggf. Inhalte selbst generieren und via Algorithmen auch punktgenau platzieren, ist das journalistische Handwerk nicht tot, sondern wichtiger denn je.  Weil der Journalist etwas kann, das Maschinen nicht gelingt. Er sichtet nicht nur und sortiert Fakten, er bewertet diese auch. Und diese Bewertung erfolgt nicht nach empirisch-kommerziellen Aspekten, sondern nach Werten. Die GKP steht für einen an christlichen Grundwerten ausgerichteten Journalismus. Dem muss sie eine starke Stimme geben, indem sie auf dessen Relevanz verweist. Ich erwarte von der GKP – und damit von uns – dass wir hier Position beziehen.

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