Journalistenreise 2006 in die USA

Datum : 
12.02.2006 - 22.02.2006

Gottes Stimme, Globale Verkündigung und Geld: Religöses und Kirche im amerikanischen TV

GKP-Journalistenreise in die USA vom 12.- 22.2.06

Washington D.C., Birmingham in Alabama und Dallas/ Texas, das waren die drei Stationen von 12 Journalisten. 10 Tage waren wir im Land der unbegrenzten Möglichkeiten unterwegs. Erkundet haben wir dabei, wie Kirche und Religion im amerikanischen Fernsehen vorkommen.

Begonnen haben wir die Reise in der Hauptstadt und zwar mit eher politisch-journalistischen Gesprächen. Dazu hatte unser Reiseleiter Michael Hertl Termine bei Eberhard Pilz vom ZDF Studio und Christiane Meier von der ARD gemacht. Außerdem waren wir in Washington D.C. zu Gast bei der Amerikanischen Bischofskonferenz, zu der 195 Bistümer gehören und die die vier networks mit kirchlichem Programm versorgt.

Anschließend ging es zum John Paul II. Gedächtniscenter: Museales und Persönliches vom verstorbenen Papst und im Tiefgeschoss ein multimedialer Glaubenskursus, eher etwas für Schüler.

Auf dem Programm stand dann noch PBS, das öffentlich-rechtliche Fernseh-Network in den USA mit fast 350 PBS-Lokalsendern. Nicht zu vergessen beim Hauptstadtaufenthalt: sightseeing - Weißes Haus etc. - und Dinner beim legendären Ehepaar Wagner von der Konrad Adenauer Stiftung. Weltpolitik bei Steak und Wein.

Nächste Station unserer Reise war dann Birmingham/ Alabama. Hier konnten wir hinter die Kulissen von EWTN schauen, einschließlich talkshow. EWTN (Eternal Word Televison Network) ist der weltweit größte katholische Fernsehsender. Mit 200 Dollar hat die Franziskanerklarissin Mother Angelica vor 25 Jahren diesen Sender gegründet. Der Sender erreicht mit seinem englischen und spanischen 24-Stunden-Programm weltweit mehr als 125 Millionen Haushalte in 127 Ländern. EWTN macht Dokumentarfilme, Nachrichten, Kinder- und Jugendsendungen, Talk-Shows und Spielfilme. EWTN hat auch einen eigenen Radiosender. Der Sender wird ausschließlich mit Spenden finanziert. 25 Dollar von der alten Oma, die sich mit dem Programm in ihrem Glauben bestärkt fühlt. Das erzählen uns stolz und mit glänzenden Augen Präsident und Marketingchef von EWTN. Wer die big spender sind, sagt man uns nicht. Ebenso wenig wird deutlich, wie die genaue religiöse Ausrichtung aussieht. Klar ist, man schätzt die Unabhängigkeit von der amerikanischen Bischofskonferenz. Denn finanzielle Unterstützung würde binden, auch in der Berichterstattung und Programmauswahl. Übrigens: Direkt beim Sender gibt es eine Kirche, aus der die Heilige Messe übertragen wird.

Dritte und letzte Station: Dallas/Texas. Besuch bei den Sendern Family Net, ein baptistischer Sender, der Programm für Familien macht, und bei TBN (eine Offenbarung!). Die Gründungsgeschichte von TBN-Trinity Broadcasting Network: Ein Ehepaar hat ein "touching Gotteserlebnis", viel Geld und die Berufung, das WORT durch den Äther zu schicken. TBN ist Kitsch pur, das Studio, abgesehen von modernster Technik, ist, so eine Mitarbeiterin, einfach die "Nachbildung des Himmels auf Erden." Und darin wird gepredigt, getalkt und Gott erlebt; die Bilder werden dann in das Land hinausgeschickt. Auf dass viele den Weg finden mögen. Vor der protzigen weißen Villa gibt's dann praktischerweise auch gleich den sendereigenen Teich zum Taufen nach der Berufung!

Außerdem war Dallas der Ort der jährlichen Medienmesse NRB - "National Religious Broadcasters", auf der sich evangelikale Programmanbieter treffen. Umschauen auf der convention und ein paar bootcamps besuchen, das machte jeder nach Lust und Laune.

Fazit der Reise:

  • Wir haben viel gehört, gesprochen und auch ‚gearbeitet' - aber es war immer noch genügend Zeit für shopping, "ein schönes Steak" am Abend und Besichtigung, z.B. die berühmte Southfork Ranch -Erinnerung an JR Ewing.
  • Es gibt nicht d i e Kirche, sondern viele Gruppen, die sich berufen fühlen, das Wort Gottes (welches genau auch immer) zu den Menschen zu bringen. Und Geld spielt eine große Rolle.
  • Manchmal führte das, was uns gezeigt und erzählt wurde, auch zu leichtem bis mittelschwerem Erstaunen/ Kopfschütteln, aber auch zu der Frage, was und wie wir es hier in Deutschland nicht machen wollen oder sollen. Vor allem aber: Wie es mit der Religion im Fernsehen in unserem Land weitergehen kann.
  • Andrea Haagn

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