Rücktritte: Schuldbekenntnis oder Übernahme politischer Verantwortung?

Freiburg - Einen Verfall politischer Kultur hat der Freiburger Moraltheologe Eberhard Schockenhoff am 8. April 2011 auf der GKP-Jahrestagung 2011 in Freiburg beklagt. Anstatt sich mit den Inhalten des politischen Gegners zu befassen, gehe es Regierung und Opposition allein darum, Fehler im Marketing, in der öffentlichen Verbreitung ihres Tuns aufzudecken. Die Folge seien Skandale, zu deren Wiedergutmachung häufig ein als Sündenbock ausgemachter Politiker zurücktreten müsse. Zu oft mache sich die Publizistik durch unmäßige Kritik zum Handlanger, anstatt in einem guten Sinne den Sachen auf den Grund zu gehen.

Eine Zunahme von Rücktritten und Skandalen sah der Hamburger Sozialhistoriker Michael Philipp dagegen genauso wenig wie eine Verrohung des politischen Betriebs. In seinem Buch „Persönlich habe ich mir nichts vorzuwerfen: Politische Rücktritte in Deutschland von 1950 bis heute“ hat er 250 Rücktritte untersucht. Auch in den siebziger und achtziger Jahren habe es zahlreiche Rücktritte gegeben. „Erstaunlich ist jedoch, wie wenig lernfähig die politische Klasse ist“, so Michael Philipp. Rücktritte dienten vor allem der Krisen- und Skandalbewältigung und zeigten durchaus den moralischen Standard einer Gesellschaft und auch ihrer Presse.

Schockenhoff lobte ausdrücklich die Mithilfe der Medien bei der Aufdeckung des Skandals um sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Geistliche in der Kirche. Kritischer Journalismus müsse Missstände aufdecken „aber auch den Bürgern kritisch aufs Maul schauen, um öffentlich unterdrückte Wahrheiten ins allgemeine Gedächtnis zu rufen“, mahnte das Mitglied des Deutschen Ethikrats. Die Folgen unseres ungezügelten Konsum- und Lebensstils für die kommenden Generationen ins Bewusstsein zu rufen, gehöre beispielsweise zu einer Publizistik, die ihrer öffentlichen Verantwortung gerecht wird.

Rund 100 Journalistinnen und Journalisten diskutierten am 8. April 2011 bei der Jahrestagung der GKP in Freiburg über Schuld und Sühne in der medialen Öffentlichkeit. Die Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands (GKP) ist ein Zusammenschluss von über 530 Medienschaffenden. Auf der Basis des christlichen Glaubens trägt sie zur Meinungsbildung in der Öffentlichkeit bei, insbesondere im Zusammenhang mit Fragen des publizistischen Bereiches. Die GKP-Jahrestagungen behandeln aktuelle Themen aus Kirche, Politik und Gesellschaft.

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