Katholischer Medienpreis 2011 verliehen

„Christen in der Verantwortung für die Gestalt unserer Gesellschaft und die Mitgestaltung unserer Welt“

Bonn - Die Deutsche Bischofskonferenz hat am 31. Oktober in Bonn zum neunten Mal den Katholischen Medienpreis in den Bereichen Print und elektronische Medien sowie die „Auszeichnung journalistisch WERTvoll“ verliehen. Während des Festaktes im LVR-Landesmuseum dankte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, den Medien für ihren Einsatz während des Papstbesuchs in Deutschland. Sie hätten zur Vermittlung der Botschaften des Papstes und zur Teilnahme vieler Menschen insbesondere in Hörfunk und Fernsehen einen unverzichtbaren Beitrag geleistet. Zollitsch hob gleichzeitig hervor, dass „die Kirche in Deutschland ihr Verhältnis zum öffentlichen Leben neu klären“ und dabei auch klarer bestimmen müsse, wie sie sich in der Mediengesellschaft bewege. Im Zentrum des Papstbesuches habe jedoch der christliche Glaube gestanden. „Christen leben aus einer Beziehung, die über diese Welt hinaus reicht. In diesem Sinn“, so Erzbischof Zollitsch, „sind sie nicht von dieser Welt. Aber ihr Lebensort ist diese Welt. Deshalb stehen wir in der Verantwortung für die Gestalt unserer Gesellschaft und die Mitgestaltung unserer Welt.“

Vor rund 270 Vertretern aus Medien, Kirche und Gesellschaft würdigte Erzbischof Zollitsch zudem die vielschichtige Bedeutung der Medien, „als den Ort, an dem von der Hoffnung und Enttäuschung, vom Glück und vom Leid, vom Glanz und Elend der Menschen“ gesprochen werde. Zollitsch weiter: „Ob vom Glauben ausdrücklich die Rede ist oder nicht: Wer Geschichten von Menschen erzählt und dies respektvoll und einfühlsam und mit Sympathie tut, der bewegt sich auf dem Feld, auf dem sich das Christentum bewegt“. Dass dies keine Phrase sei, so der Vorsitzende der Deutschen Bischofkonferenz, bewiesen einmal mehr die ausgezeichneten Werke des neunten Katholischen Medienpreises und deren Autoren.

Das Preisgeld von insgesamt 10.000 Euro teilen sich die Hauptpreisträger: In der Kategorie Print-Medien ging der Katholische Medienpreis an Angela Wittmann, deren Geschichte „Engelchen, flieg!“ (erschienen in „Brigitte“ am 1. Dezember 2010) vom Halten und Loslassen handelt, von der Beziehung eines Vaters zu seiner Tochter und deren sechsköpfiger Pflegefamilie. Laudator Oliver Steinbach, Stellvertretender Chefredakteur des Magazins „Eltern“ unterstrich das Anliegen des Beitrags: „Wir sehen Menschen, die, wie man in unserer ökonomisierten Welt sagt, investieren – ohne zu wissen, welchen Ertrag das bringen wird … Angela Wittmann zeigt uns, wozu große Herzen imstande sind; wie Menschen, um ihrem Engelchen zum Fliegen zu verhelfen, eigene Bedürfnisse zurückstellen.“ Die Autorin lasse miterleben, wie Menschen verantwortlich, christlich handeln – indem sie das Geliebte halten und beschützen, wo es möglich ist; aber auch loslassen, wenn es nötig wird.

Mit dem Katholischen Medienpreis in der Kategorie elektronische Medien zeichnete Erzbischof Zollitsch den Fernsehbeitrag „Die Witwe und der Mörder“ von Dr. Irene Klünder aus, gesendet in der ARD-Reihe „Gott und Welt“ am 3. April 2011. Prof. Dr. Hans Walter Hütter, Präsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, hob in seiner Laudatio hervor, was diesen prämierten RAF-Film von den vielen anderen vergangener Jahre unterscheidet: „Irene Klünder stellt in ihrem Film die sogenannten ‚namenlosen’ Opfer in den Vordergrund, die in der Berichterstattung lediglich als ‚Begleitperson, Fahrer oder Polizist’ auftauchen“. Diese namenlosen Opfer, der erschossene, niederländische Polizist Arie Kranenburg und seine Witwe sowie der mehrfach angeschossene Kommissar Wolfgang Seliger und ihre Familien, „werden zum menschlichen, lebensbejahenden Gegenentwurf gegenüber der inhumanen und verbohrten Ideologie der RAF, die Menschen zu Funktionsträgern degradierte“, so Professor Hütter. Dabei komme mit Werner Lotze im Film auch ein ehemaliger RAF-Terrorist zu Wort, der seine Tat bereue und offen darüber spreche, wie er damit weiterlebe, einen Menschen ermordet zu haben.

Der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz und Juryvorsitzende Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart) berichtete, dass die Jury mit so vielen hervorragenden Stücken konfrontiert worden sei, dass diese sich erneut entschieden habe, neben den Hauptpreisen auch die „Auszeichnung journalistisch WERTvoll“ zu verleihen.

Die „Auszeichnung journalistisch WERTvoll“ im Bereich Print-Medien erhielten:

  • Dimitri Ladischensky („Der Bittgang“, erschienen in „Mare“, April/Mai 2011)
  • Stefanie Mager („Das Präparat aus Kühlzelle 5“, erschienen in „stadtgottes“, November 2010)
  • Christoph Strack („Kulturberichterstattung“, erschienen in der Katholischen Nachrichtenagentur, Juli – Dezember 2010)

Im Bereich elektronische Medien wurden folgende Personen mit der „Auszeichnung journalistisch WERTvoll“ bedacht:

  • Gönke Harms und Detlef Flintz („Kinderschinder – Der Preis für eine Tasse Kaffee“, Fernsehbeitrag „ARD exclusiv“ vom 31. Oktober 2010)
  • Robert Ralston („Welcher Glaube für mein Kind?“, Fernsehbeitrag NDR/Arte vom 20. November 2010)
  • Ralf Stutzki („Das 14. Jubiläum von ‚DU bist Radio…’“, Hörfunkbeitrag im Radio Kanal K, Aarau/Schweiz vom 26. Dezember 2010)

Seit 2003 wird der Katholische Medienpreis von der Deutschen Bischofskonferenz zusammen mit der GKP und dem Katholischen Medienverband (KM.) verliehen. Für den Katholischen Medienpreis wurden 197 Beiträge eingereicht (79 in der Kategorie Print, 118 in der Kategorie elektronische Medien, davon 2 Internetbeiträge). Zur Jury gehören neben Bischof Fürst als Vertreter der GKP Werner Dieste (Direktor MDR Landesfunkhaus Thüringen, Erfurt) und Stefan Kläsener (Chefredakteur Westfalenpost, Hagen), als Vertreter des KM Albert Herchenbach (Chefredakteur stadtgottes, Nettetal) und Dr. Johannes Schießl (Chefredakteur Münchner Kirchenzeitung, München) sowie Dr. Elvira Steppacher (Journalistische Direktorin des Instituts zur Förderung publizistischen Nachwuchses/ifp, München).

Ansprache des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch

Laudatio von Prof. Dr. Hans Walter Hütter,
Präsident der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland,
auf Dr. Irene Klünder, Preisträgerin elektronische Medien

Laudatio von Oliver Steinbach,
Stellvertretender Chefredakteur des Magazins „Eltern“,
auf Angela Wittmann, Preisträgerin Print

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