„Hingabe-Glaube“ gegen „Satz-Glauben“

P. Albert Keller und die GKP
von Dr. Eva-Maria Streier

Samstagmorgen: nach einem häufig feucht-fröhlichen Abend und kurzer Nacht versammeln sich die Teilnehmer der GKP-Jahrestagung zum Abschlussgottesdienst vor der Mitgliederversammlung. Aus der Sakristei kommt Pater Keller, das Messgewand hängt etwas schief auf der linken Schulter, die Haarpracht ist mit Mühe gebändigt, dazu der graue Vollbart. Schon das äußere Erscheinungsbild signalisiert: hier geht es um anderes als den schönen Schein. Spätestens bei der Predigt sind alle hellwach, wenn Pater Keller wieder einmal wortgewaltig von der Freiheit des Christenmenschen und Gottes Liebe zu den Menschen spricht.

Dieser Prediger provozierte und faszinierte seine Zuhörer, aber er war auch der Seelsorger, der zuhören konnte. Immer wieder setzte er sich bei den GKP-Veranstaltungen zu den Älteren, nahm Anteil, munterte auf, stellte Gemeinschaft her. Insgesamt sechzehn Jahre – von 1990 bis 2006 war Albert Keller Geistlicher Beirat der Gesellschaft Katholischer Publizisten.Zahllose Veranstaltungen hat er begleitet und geprägt und bewegte sich sicher, souverän und authentisch auf jedem Parkett: bei Kolloquien und Jahrestagungen ebenso wie bei den Drei-Länder-Treffen der Publizisten aus Österreich, der Schweiz und Deutschland und den Deutsch- Französischen Publizistentreffen. Unvergessen bleibt die Begegnung französischer und deutscher Publizisten 1992 in Weimar zum Thema: „Vergangenheitsbewältigung. Zwischen Abrechnung und Versöhnung“ mit Wolfgang Thierse, Karl-Heinz Ducke, Bernhard Wiedemann und anderen. Pater Kellers unbestechlich klarer Intellekt half sortieren, der Seelsorger Keller schlug Brücken zwischen den einander noch fremden Publizisten aus Ost und West und die französischen Kollegen verfolgten voll Empathie und Staunen eine besondere Geschichtsstunde.

Schon in den 90er Jahren war es schwierig, die vielbeschäftigten Publizisten zur Teilnahme an Besinnungstagen zu gewinnen. Aber die kleine Gruppe derer, die Pater Keller dabei erleben durften, wurde schnell zum „Fan-Club“. Er sparte nicht mit Kritik an kirchlichen Strukturen und Lehrmeinungen, wenn sie –so seine immer wieder variierte Grundthese – der Liebe Gottes widersprachen. Unmissverständlich räumte er mit bestimmten Glaubensvorstellungen auf. So stellte er den „Hingabe-Glauben“ gegen den „Satz-Glauben“. „Jesus sagt nicht, glaub’ mir, sondern glaub an mich“, so Keller wörtlich. Die Hölle war für ihn der Moment im Tod eines Menschen, in der er erkennt, wie viel Liebe er schuldig geblieben ist. Sünde war für ihn die „selbstverschuldete Unfähigkeit, zu lieben“. Immer wieder appellierte Keller an die Verantwortlichkeit des Menschen. „Gott wird nicht reicher durch das Gut-Sein der Welt noch ärmer durch das Böse-Sein. Das macht uns verantwortlich und setzt uns frei“. Erlösung war für ihn die Einheit mit der Liebe Jesu Christi. Seine Impulse bleiben unvergessen! RIP!

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