„Ich nehme Freundschaft mit nach Hause“
Fulda - Ein junger Israeli und ein junger Palästinenser haben bei einem „jüdisch-arabischen Studienprojekt“ die Fuldaer Wirklichkeit in Bild und Text festgehalten / Impuls ging von der Jerusalem Foundation und der GKP Region Fulda aus: Ihre Lebenswege, Lebensumstände, ihre Herkunft und ihr Temperament hätten unterschiedlicher nicht sein können.Doch Omri Barel, ein junger israelischer Fotograf und Fotokünstler sowie Tamer Massalha, Palästinenser, Rechtsanwalt und Fotograf, hat das „Foto Projekt Fulda“ zusammengeführt, ja zu Freunden werden lassen. Beide verbindet, Absolventen der renommierten Jerusalemer Naggar School zu sein. Eine Einrichtung, die sich dem Ziel verschrieben hat, Israelis, Araber und Palästinenser über Kunstprojekte im Sinne des „Koexistenz“-Gedankens zusammen zu bringen.
Ausstellung
Das zehntägige „jüdisch-arabische Studienprojekt“ in der städtischen Pressestelle sowie der Redaktion der Fuldaer Zeitung war von Gabriele Appel, Deutschland Di-rektorin der Jerusalem Foundation (JF), und Michael Schwab, Regionalbeauftragter der GKP Region Fulda und Persönlicher Referent des Fuldaer Oberbürgermeisters Gerhard Möller, initiiert worden. Sondermittel des Landes Hessen (Ministerpräsident a.D. Roland Koch hatte sich persönlich in seiner Funktion als Mitglied der JF eingebracht), die maßgebliche Förderung der Fuldaer Zeitung und der Stadt haben schließlich den Aufenthalt Barels und Massalhas in der Domstadt möglich gemacht. Gut zwei Wochen ließen beide Ereignisse, Stimmungen und Menschen, vom Besuch der jüdischen Gemeinde über eine Begegnung mit dem Chef der hessischen Staats-kanzlei, Staatsminister Dr. Axel Wintermeyer bis zum Bundesligaspiel mit Schalke 04 oder dem ersten Geisaer Schlossgespräch mit den Politikerbrüdern Dr. Bernhard und Jochen Vogel auf sich wirken, um später als „Nachlese“ ihrer Impressionen aus hunderten von Bild-Motiven eine Ausstellung zu komponieren. Sie soll zunächst in Jerusalem, aber auch in Fulda und möglicherweise im Hessischen Landtag zu sehen sein.
Hoffnung mitgenommen
Doch nicht nur zahllose Bilder nehmen die Gäste aus Israel als Geschenk mit nach Hause. „Die Zeit in Fulda hat mir gezeigt und viel Hoffnung gegeben, wie eine Nation von einer dunklen zu einer hellen, demokratischen Zeit kommen kann“, sagt Massalha vor dem Hintergrund des 60jährigen Bestehens der Bundesrepublik und des Jubiläums der deutschen Wiedervereinigung vor 20 Jahren, die für ihn an der Gedenkstätte „Point Alpha“ greifbar wird. Nicht minder wertvoll sind für den jungen Palästinenser und leidenschaftlichen Koch (seine Fähigkeiten, beispielsweise eine Lammkeule zuzubereiten, sind exzellent!) die vielen menschlichen Be-gegnungen. „Ich war begeistert von der Wärme, der Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Fuldaer, aber auch ihrer Gefühle und ihrer großen Kultur.“ Die Zeit in Fulda sei sehr schön gewesen, resümiert er, um schmunzelnd zu ergänzen, „vor allem das Wetter, der Herbst“. Dankbar fügt Tamer außerdem an, mit Omri Barel einen sehr talentierten Fotografen und Künstler getroffen zu haben. Was vom Fulda Aufenthalt bleibe, beantwortet der Palästinenser mit dem entscheidenden Satz: „Ich nehme Freundschaft mit nach Hause. Das ist der dauerhafteste Wert.“
Frieden geschlossen
Tief sitzen die Eindrücke auch bei Omri Barel. Versöhnlich stellt der junge Israeli, dessen Familie Leidtragende des Holocaust war, fest: „Ich schließe Frieden für mich, meine Familie und meine Großeltern, die in der dunklen Zeit gelitten haben.“ Wie für seinen palästinensischen Begleiter hebt er die Bedeutung der Begegnung mit den Fuldaern hervor und die Verbindung zu Tamer. Damit sei das eigentliche Ziel des Projekts, das mehr als nur ein Kunst-Projekt ist, erreicht. Für Omri, der bislang kaum Gelegenheit zum Austausch mit jungen Palästinensern hatte, zählt nach der Begegnung mit Tamer Massalha besonders die Erkenntnis, Menschen nicht nach ihrem Ursprung zu beurteilen. Und was bleibt für ihn nach seinem Abschied von Fulda? Omri Barel formuliert es metaphorisch: „Ich liebe die Erinnerung und die Eindrücke.“
Bereicherung
„Für uns hat der Besuch der beiden israelischen Gäste eine Bereicherung dargestellt“, lautet das Fazit von Gastgeber Gerhard Möller. Die Verbindung zu Israel mit all seinen Verflechtungen werde greif- und erfahrbar durch die Persönlichkeiten und die Herkunft von Omri Barel und Tamer Massalha. Fulda habe durch die jüdische Gemeinde eine natürliche Nähe zu Israel. Erst kürzlich habe sich die Fuldaer Zeitung durch einen Vortrag ihres Israel Korrespondenten dem Thema „Naher Osten“ gewidmet. Nun passe es gut, dass Omri Barel und Tamer Massalha die bundesre bundesrepublikanische Wirklichkeit erlebt und in Text und Bild festgehalten hätten. Fuldas OB dankte allen am Projekt Beteiligten, der Jerusalem Foundation, namentlich Gabriele Appel, der Fuldaer Zeitung, dem Land Hessen, insbesondere dem früheren Ministerpräsidenten Roland Koch und der Gesellschaft Katholischer Publizisten, vertreten durch seinen Persönlichen Referenten Michael Schwab für die Realisierung. Möller wörtlich: „Als Stadt Fulda waren wir gerne und aus Überzeugung Partner dieses Journalistenaustausches.“

Die Fuldaer GKP-Regionalgruppe mit den
Besuchern aus Israel
So nah
Ein durchweg positives Fazit zieht auch Organisator Michael Schwab für die GKP: „Ich war gespannt und voller Erwartung auf die beiden Kollegen aus Israel. Es hat Spaß gemacht zu sehen, wie sich der Einsatz für die Planung des Programms gelohnt hat und beide Seiten voneinander lernen beziehungsweise profitieren.“ Omri Barel und Tamer Massalha seien hervorragende Fotografen, die Stimmun-gen und Menschen gut in Szene setzen können. Sie hätten durch die vielen Gespräche bei den unterschiedlichsten Gelegenheiten einen authentischen Einblick in die aktuelle Wirklichkeit Israels vermittelt. Mit Spannung erwartet Schwab das abschließende Ergebnis des zehntägigen Aufenthalts der Beiden in Fulda: die noch vorzubereitende Foto-Ausstellung. Ihr Besuch, so sein abschließendes Resümee, „zeigt mir ganz persönlich auch, wie menschlich nah wir uns alle trotz unterschiedlicher Herkunft und noch so großer Entfernungen zwischen unseren Heimatländern sind.“ mb