Interview mit Dokkums Bürgermeisterin Marga Waanders:
Auf Twitter Bonifatius folgen
"Bonifatius vereint - Werte verbinden" - dieser Gedanke war nicht nur Leitmotiv einer Ein-ladung der Region Fulda der Gesellschaft Katholischer Publizisten. Seit vielen Jahren prägt er auch das enge Band zwischen dem niederländischen Dokkum und Fulda. Weiterlesen
Zwischen dem Ort, an dem der große Heilige den Märtyrertod starb und dem Ort, an dem er seine letzte Ruhestätte fand, besteht eine sehr lebendige Städtefreundschaft. Den Besuch einer kleinen Delegation aus Dokkum mit Bürgermeisterin Marga Wanders an der Spitze nutzte GKP Regi-onalbeauftragter Michael Schwab neben dem Gespräch auch zu einem Kurzinterview.
Frau Bürgermeisterin: Welche Rolle spielt Bonifatius in Dokkum noch heute?
Marga Waanders: Die Verbindung zu Fulda hat mit kirchlichen Kontakten begonnen. Boni-fatius spielt eine zentrale Rolle in unseren freundschaftlichen Beziehungen. Jährlich besu-chen zwischen 12.000 und 15.000 Gäste vor allem aus den Niederlanden, aber auch aus Deutschland unsere Bonifatiuskapelle. In Dokkum gibt es einen Rundgang, der das Leben von Bonifatius in Bildern gleichsam als Kunstwerk erzählt. Und unser Museum "Admirals Haus" widmet sich seit 2004 zum großen Bonifatiusjubiläum mit einer eigenen modernen Präsentation dem großen Heiligen.
Gibt es noch weit reichendere Überlegungen in Verbindung mit Bonifatius?
Marga Waanders: Wir wollen die Erinnerung an Bonifatius lebendig erhalten. Zwischen dem Bistum Fulda, unserem Freundschaftskomitee und Schulen gibt es eine Kooperation, niederländischen Schülern in moderner Form - also digital - mehr Informationen über Boni-fatius, sein Leben und Wirken zu vermitteln. Zumindest angedacht ist, diese Informationen später dann auch in Deutsch zur Verfügung zu stellen.
Was hat Sie nun mit Ihrer Delegation nach Fulda geführt?
Marga Waanders: Wir haben für unsere Fuldaer Freunde und Gäste eine Präsentation vor-bereitet unter dem Motto: "Entdecke Dokkum und das Lauwersland auf den Fußspuren von Bonifatius." Diese Schau zeigen wir im Informationszentrum der ÜWAG. Parallel hat übri-gens Bonifatius ab dem 14. Mai seine historische Reise von Fulda nach Dokkum erneut an-getreten. Wer seiner Reise folgen möchte, schaue einfach rein unter: Twitter@SintBonifatius.
Weißrusslands Botschafter Andrei Giro zum Verhältnis des Staates zu den verschiedenen Religionsgemeinschaften:
Glaube als Zufluchtsort
Fulda (mb). Im Westen genießt die Republik Belarus (Weißrussland) nicht den besten Ruf. Präsident Alexander Lukaschenko gilt als autoritärer Staatenlenker. Statt mit einem Mehrparteiensystem nach westlichen Vorbild regiert Lukaschenko das Land mit "eiserner Hand." Um das Bild über Weißrussland aufzuhellen, vor allem das "Verhältnis zwischen Staat und Kirche", hatten der Regionalverband der Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) sowie die Fuldaer Sektion für Wehr- und Sicherheitspolitik (GfW) zu einem Gespräch mit dem Botschafter der Republik Belarus, Andrei Giro, in den Felsenkeller eingeladen.
Trennung von Staat und Kirche
"Die Kirche ist vom Staat getrennt, wie in den meisten postsowjetischen Staaten." So wie sich der belarussische Staat nicht in innerkirchliche Angelegenheiten einmische, werde es umgekehrt von der Kirche erwartet, so lautete Giros einleitende Botschaft. In der Praxis scheint diese Trennung jedoch sehr schwierig zu sein. Viele "bräuchten nach dem Zerfall des alten Systems einen Ersatzglauben, um sich orientieren zu können." Kirche sei deshalb auch "Zufluchtsort vor den alltäglichen Problemen wie die miserable Versorgung, die galoppierende Inflation und die zerrissenen wirtschaftlichen Kontakte," meint Botschafter Giro. Sie zeige den Suchenden über den Glauben den Weg. Ohnehin habe die Kirche seit jeher gute Beziehungen ins Ausland. Durch Kontakte nach Deutschland kamen Hilfsgüter wie Nahrungsmittel ins Land, die an Bedürftige verteilt werden konnten. Positiv habe sich auch die Arbeit der Aus- und Versöhnungsbewegung nach den schlimmen Erfahrungen des Zweiten Weltkrieges ausgewirkt.
Bauboom
In Belarus sind nach Worten des Botschafters alle großen Glaubensrichtungen vertreten. Von der russisch orthodoxen über die katholische, die evangelische bis hin zu freikirchlichen Bewegungen wie den Adventisten. Sekten allerdings sind verboten. Wegen der Trennung von Staat und Kirche gibt es keinen Religionsunterricht an Schulen. Religiöse Unterweisung findet nur in so genannten Sonntagsschulen statt. Die Kirchen finanzieren sich ausschließlich aus Spenden. Ungebrochen sei der "Boom", in Weißrussland Kirchen und Klöster wieder aufzubauen, berichtet Giro. Nun werde nachgeholt, was in der Sowjetzeit verloren ging, als in den Städten Sakralbauten einfach umgebaut und umgenutzt wurden oder die Kirchen auf den Dörfern gesprengt worden waren. Das Geld für die Neubauten stamme ebenfalls aus Spenden der Bevölkerung. Der Staat mische nicht mit. Bestenfalls gebe er ein Stück Land oder einen Kran als "kleine Aufbauhilfe" dazu.
Verhältnis der Religionen
Wie das Verhältnis der großen Religionen untereinander ist, beschreibt der weißrussische Botschafter am symbolischen Beispiel des Minsker Freiheitsplatzes, wo sich die beiden Hauptkirchen, die große orthodoxen und die katholische, gegenüberstehen. Die Gemeinden kämen friedlich miteinander aus. Das Miteinander der größten Religionen im Land möchte der weißrussische Präsident weiter fördern, indem er den Oberhäuptern beider Kirchen in Moskau und Rom angeboten hat, sie zu einem Treffen in Minsk einzuladen. Mit dieser Begegnung werde die "Brückenfunktion von Belarus auch im Bereich der Kirchen deutlich." "Vielleicht," so hofft Botschafter Giro, "werden wir einmal Zeugen sein einer solchen historischen Begegnung."
Schwierigkeiten
Offen räumt der Vertreter Weißrusslands Schwierigkeiten in der Vergangenheit ein. In den westlichen Landesteilen mit einem hohen katholischen Bevölkerungsanteil seien Gottesdienste auf Polnisch statt in den Amtssprachen Russisch oder Weißrussisch gehalten worden. Der Grund: Viele der katholischen Priester stammten ursprünglich aus Polen. Inzwischen seien die Schwierigkeiten beigelegt. Wert legt Giro jedoch auf die Feststellung, dass "natürlich jede Minderheit das Recht auf ihre Sprache und Kultur hat."
Jüdisches Leben
Das religiöse Bild Weißrusslands rundet Giro mit einem Blick auf die jüdische Bevölkerung ab. Vor dem Zweiten Weltkrieg habe deren Anteil 30 Prozent betragen. Die Erklärung: Zur Zarenzeit mussten Angehörige der jüdischen Minderheit einen Abstand von 500 Kilometern zu Moskau halten. Viele siedelten sich deshalb in Weißrussland an. Giros Heimat hat so bedeutende Künstler und Politiker hervorgebracht wie Marc Chagall oder Shimon Perez.
Katholische Publizisten lernten mit Kutzner und Preusler das Diözesanarchiv kennen/ auf historischer Spurensuche:
Freude am Entdecken wecken
Klischees sind dazu da, widerlegt zu werden. Denn Archive - erst recht das neue des Bistums Fulda - sind beileibe kein "dunkler Ort für Abgelegtes," wie voreingenommene Stimmen meinen. Ebenso wenig werkeln dort "menschenscheue Gesellen, die in verstaubten Kammern" das gemeinsame Vermächtnis von Verwaltungen in Form von Rechnungen, Urkunden oder sonstigen Schriftstücken verwahren.
Leiter Dr. Edgar Kutzner verkörpert vielmehr das moderne Konzept, das in dem eleganten Bau steckt. Offen, transparent und luftig präsentiert sich das würfelartige Gebilde der Architekten Sichau und Walter. Von der Eingangsseite aus wirkt es auf den Betrachter mit seiner brückenartigen Zugangsrampe geradezu schwerelos schwebend. Auf der Rückseite beweist das Archiv seine Erdverbundenheit. Denn der Würfel ruht wegen seiner Hanglage auf einer mächtigen Bastion, hinter der sich die eigentlichen Depotebenen verbergen. Der Impuls "Die Ganzheit des Fragments" des international renommierten Künstlers Franz Erhard Walther schmückt die monumentale, an antike Vorbilder erinnernde sandsteingefasste Außenhaut. Mitglieder und Gäste des Regionalverbands Fulda der Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) informierten sich im Gespräch mit Kutzner und Diözesanbaumeister Dr. Burghard Preusler über die Archivarbeit.
Post aus Hawai und Tahiti
Nachdem die ursprünglichen Räume im bischöflichen Generalvikariat aus Platzgründen sowie aufgrund klimatischer Bedingungen nicht mehr den Ansprüchen zur Lagerung der Akten genügte, hatte sich die Diözese in den ersten Jahren des neuen Jahrtausends für einen Neubau entschieden. Rund 3,3 Millionen Euro kostete nach Worten von Preusler das Bauwerk, in dem seit 2005 Interessierte auf historische Spurensuche gehen. Vor allem jene kommen, die in archivierten Kirchenbüchern nach Hinweisen auf ihre Vorfahren suchen. "Es ist erstaunlich, wie viele Besucher jährlich zu uns und woher Anfragen ans Bistumsarchiv kommen," berichtet Kutzner. Post aus aller Welt, aus Tahitit, Hawai, Chile oder Australien trifft an der Adresse am Fuldaer Paulustor ein. Das Archiv hat jedoch noch viel mehr als nur Kirchenbücher oder Personalakten zu bieten. Ein besonderer Schatz ist beispielsweise die Urkunde zur Einführung der Bonifatiuswallfahrt unter Fürstbischof Amand von Buseck von1755 oder die Unterlagen der nach dem Zweiten Weltkrieg gegründeten und inzwischen wieder aufgelösten Flüchtlingspfarrei aus dem nordhessischen Kornberg. Aus Kutzners Sicht eine wahre Fundgrube für Historiker. Schließlich ist diese Phase der jüngsten Kirchengeschichte bisher kaum wissenschaftlich aufgearbeitet. Überhaupt legt Kutzner ein leidenschaftliches Plädoyer für das Bewahren der Archivalien ab. "Was wir haben ist die Schrift." Was auf den ersten Blick vielleicht als "nichts Besonderes" erscheine und emotional kaum berühre, sei dennoch von grundsätzlichem Wert. "Was wüssten wir ohne Schrift sonst über Bonifatius?", meint der Leiter des Diözesanarchivs.
Hervorragende Bauphysik
Drei Mitarbeiter betreuen heute die Bestände. Erst eine der drei unterirdischen Lagerebenen ist belegt. Grund dafür ist die Trockenphase des Betons, wie Preusler erläutert. Hervorragende bauphysikalische Bedingungen sind für eine gute Lagerung wichtig. Deshalb hat das Bistum ein dänisches Bauphysikerteam mit dem Konzept für die Räume beauftragt, die ohne Fenster und aufwendige Klimatechnik auskommen. Alleine durch die Wandstärke und die verwendeten Materialien kann das Raumklima stabil gehalten werden. Zwischen 40 bis 56 Prozent Luftfeuchtigkeit gelten als Idealbedingungen. Diese Rahmendaten werden im Lager des Bistumsarchivs mit seinen meterlangen Regalen geradezu idealtypisch eingehalten. Das freut Kutzner und Preusler ebenso wie die gelungene anspruchsvolle Architektur als auch die geringen Energieverbrauchswerten des Baus.
So wie die Teilnehmer des Treffens "begeistert vom Ausflug in die Baugeschichte des Archivs und die Geschichte des Bistums waren", soll der Besuch auch bei anderen vielleicht die Freude am Entdecken der Vergangenheit wecken, sagte GKP-Regionalbeauftragter Michael Schwab.
Die Vergangenheit verstehen und aus ihr für die Zukunft lernen, sei heute wichtiger denn je. Archive wie das Bistumsarchiv leistete wertvolel Hilfe im Wissens- und Informationstransfer.