7 Fragen an Matthias Drobinski

Matthias DrobinskiMatthias Drobinski, Jahrgang 1964. Studium der Geschichte, der katholischen Theologie und der Germanistik in Gießen und Mainz. Journalistische Ausbildung an der Henri-Nannen-Schule in Hamburg. Seit 1993 Redakteur  für Publik Forum und  die „Woche“. Arbeiten für den Hessischen und Norddeutschen Rundfunk. Seit 1997 innenpolitischer Redakteur der Süddeutschen Zeitung in München und dabei zuständig für Kirchen und Religionsgemeinschaften.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?

Mit zehn im Sommer auf der kühlen Treppe vom Garten zum Keller gesessen und den ersten Roman begonnen: Ein Junge, zehn Jahre alt, fährt mit dem Schiff „Bera“ übers  Meer (unvollendet). Schulhof-Geschichtenerzähler, mit Händen und Füßen. Abizeitungsredakteur mit dem Berufswunsch Kinderbuchautor. Textlieferant, Drucker und Buchbinder der Zeitung „Die Bürste“, bekannt bei den 80 Lesern für ihren anarchischen Humor. Wiedereingliederung in den ernsthaften Journalismus über „Die Lupe“ (Katholische Junge Gemeinde Mainz) und „Uwe“ (BDKJ Mainz). Praktika, Journalistenschule und so weiter.

Ihre Vorbilder?

Unaufzählbar viele Menschen, die mit Herz und Verstand recherchiert und geschrieben haben (und schreiben). Die Menschen, die mir als Praktikant beibrachten, wie man mutig eine Bürotürklinke herunterdrückt. Und dass man sich nicht beeindrucken lässt, wenn einer tut, als habe er die Weisheit mit Löffeln gefressen. Die Journalistenschulen-Lehrer.  Die Kolleginnen, Kollegen, Freunde bei Publik-Forum. Und jene bei der Süddeutschen, die mich in ihr Büro zogen, als ich mit großen Augen auf dem Flur stand, und sagten: Nimm es wichtig – aber nimm es nicht so wichtig. Unter den Toten: Kurt Tucholsky.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

So viele. Der Beruf selber, auch an den Frust-Tagen. Geschichten, die etwas bewegen, wie jene über Semya Simsek, die tapfere, kluge Tochter des ersten Opfers des Nazi-Trios aus Zwickau. Praktikanten, die Jahre später sagen: Du hast da was bewegt  (und man hatte es damals gar nicht gemerkt). Wunderbare Reisen, nach China zum Beispiel. Die Geschichte über einen Auschwitzüberlebenden, einen furchtbar gezeichneten, psychisch kranken alten Mann in bitterster Armut; die Theodizeefrage in Form eines die Hölle überlebt habenden Arschlochs, der seine Frau immer verdächtigte, ihm Geld zu stehlen. Und Dutzende unserer Leser unterstützen ihn. Mit 30 Euro, mit monatlich hundert.  Ein kleiner Sieg  desMenschlichen.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Neugier. Unbestechlichkeit. Hartnäckigkeit. Menschenkenntnis. Menschenliebe. Freimut. Selbstkritik. Hauptsätze. Genauigkeit. Kommare-geln.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Es gibt da so Versuche.

Warum sind Sie in der GKP- was hat Sie hineingebracht – was hält Sie?

Hineingebracht? Michaela Pilters, 1991. Was mich hält? Weil man Herkunft nicht vergisst und Wurzeln eine gute Sache sind. Und dass die Journalisten, die was mit Religion und Kirche zu tun oder am Hut haben, doch in der Regel einen Tick anders sind, wohltuend anders. Dass ich meinen Katholizismus, wie eigentümlich und gebrochen er sein mag, nicht verheimlichen möchte.

Was erwarten Sie von der GKP?

Hm.  Dass Sie die Welt, die Kirche und den Journalismus ändert? Dass sie die Menschen nicht verloren gehen lässt, im Rahmen ihrer Möglich-keiten.

Die 7-Fragen-Seite von Matthias Drobinski in den GKP-Informationen vom März 2012

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