Marilis Kurz-Lunkenbein: Ärger über Weltbild-Verkauf

Marilis Kurz-LunkenbeinWorüber haben Sie sich zuletzt in den Medien so richtig geärgert?

Ich ärgere mich darüber, dass das Handelshaus Weltbild verkauft werden soll und über die Gründe für den Verkauf. Bei meinem Ärger geht es mir weniger um die Entscheidung der Eigentümer des Handelshauses Weltbild, also um die Bischöfe und den VDD. Ich ärgere mich viel mehr über Kollegen und Kolleginnen aus unseren eigenen Reihen, die seit Monaten lustvoll täglich neue Schundtitel im Augsburger Sündenpfuhl ausgegraben und per Facebook und Print verbreitet haben.Ich frage mich auch, was Den- oder Diejenige/n nach Rom getrieben hat, um den Papst für eine „Entwelt(bild)lichung“ zu gewinnen. War das gekränkte Eitelkeit und/oder ein persönlicher Rachefeldzug? Christliche Motive waren das nicht. Cui bono, wem nützt das? Und wem nützt jetzt der Verkauf? Wem nützt eine möglich Zerschlagung eines Großunternehmens, das – wie man seit Jahren weiß – zu den Vorstellungen seiner Eigentümer gar nicht zu verkaufen ist? Ein Verkauf ohne Verzug kann ja nur ein Verkauf um jeden Preis sein, oder? Wo waren diese Tugendwächter, als Weltbild sein katholisches Werte-Magazin eingestellt hat, aus dem das Handelshaus erwachsen ist? Wer hat 2008 protestiert, als die Verlagsgruppe ihren gesamten Zeitschriftenbereich an das französische Unternehmen Bayard Media verkauft hat? Ich habe als auch vom Verkauf Betroffene keinen gehört, gelesen, gesehen, der uns ehemaligen Zeitschriftenmachern öffentlich seine Solidarität ausgesprochen hätte. Den Gesellschaftern waren die katholischen Inhalte, die zum Schluss nur noch durch die Zeitschriften vertreten wurden, wohl nicht so wichtig wie heute die 0,017 Prozent erotischer Literatur aus dem Gesamtprogramm aller lieferbaren Medien, die nicht nur bei Weltbild, sondern auch in jeder „guten“ Buchhandlung vor Ort erhältlich sind.

An welcher journalistischen Leistung konnten Sie sich jüngst erfreuen?

Ich freue mich seit einiger Zeit über das katholische Liborius Magazin (LiMa), das alle zwei Wochen bei mir im Briefkasten liegt. Wer es noch nicht kennt: LiMa ist ein engagiert gemachtes Magazin im Pocketformat mit spannenden Geschichten aus der katholischen Welt. Die Redaktion liegt bei der lorenzspringer GmbH in Müncher, Herausgeber ist Dr. Rudolf Thiemann in Hamm. Die aktuelle LiMa-Ausgabe (24/11) hat mich inhaltlich, optisch und von der Themenmischung her so überzeugt, dass ich mich bei der Redaktion spontan dafür bedankt habe. Deshalb mache ich hier auch gern ein bisschen Werbung dafür.

Wie reagieren Sie Ihren Ärger ab?

Bei kleinen Ärgernissen hilft es mir ein Zitat, von dem ich gar nicht mehr weiß, wem es zuzuschreiben ist: „Wer mich ärgern darf, bestimme ich selbst.“ Oder: „Ich könnte mich jeden Tag über tausend Dinge aufregen. Aber ich bin nicht verpflichtet dazu.“

Marilis Kurz-Lunkenbein war Chefredakteurin in der Verlagsgruppe Weltbild. Seit 2009 arbeitet sie als Journalistin und PR-Referentin in ihrem Medienbüro Wort-Geber (www.wort-geber.com)

Die Seite "Zu meinem Ärger" in den GKP-Informationen 12/2011

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