Ärger über Meldung: „Papst kritisiert katholische Verbände.“

Theodor BolzeniusIn der Mitgliederzeitschrift „GKP-Informationen“ berichten GKP-Mitglieder, worüber sie sich in den Medien geärgert und über welche journalistische Leistung sie sich gefreut haben. Theodor Bolzenius, Pressesprecher des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), schreibt:

Worüber haben Sie sich zuletzt in den Medien so richtig geärgert?

Schwarz geärgert habe ich mich nicht. Es ist Samstag, der 24.September 2011. Kurz nach 18.00 Uhr trifft eine Delegation des Zentralkomitees der deutschen Katholiken den Papst in Freiburg. Die Begegnung ist noch nicht beendet, da läuft die Meldung einer großen Nachrichtenagentur: „Papst kritisiert katholische Verbände.“ Ich reibe mir verblüfft die Augen. Hat der Papstbesuch jetzt am Ende des dritten Tages seinen kleinen Skandal? Aber wie kommt es zu der Nachricht?

Im Grußwort des Papstes an die Delegation des ZdK lese ich zwar: „ In Deutschland ist die Kirche bestens organisiert. … Ehrlicherweise müssen wir doch sagen, dass es bei uns einen Überhang an Strukturen gegenüber dem Geist gibt.“ Kein Wort ist zu finden zu Verbänden. Ich lese noch einmal: „…die Kirche in Deutschland…“ Gleich ob man die Gedanken des Papstes zum Verhältnis von Strukturen und Geist in der deutschen Kirche teilt oder nicht, sie allein auf die Verbände zu reduzieren und bischöfliche Verwaltungen, Arbeitsstellen der Bischofskonferenz oder Schulen, Bildungseinrichtungen oder Krankenhäuser auszuschließen, ist unzulässig, ist Interpretation und nicht Nachricht. Aber – fast – alle drucken oder sprechen nach.

An welcher journalistischen Leistung konnten Sie sich jüngst erfreuen?

Erstens: An dem ARD-Fernsehbeitrag Mitte September, kurz vor dem Papstbesuch, ich bin mit dem Auto unterwegs, höre WDR5. Es beginnt DOK5  - Das Feature. Thema: An das Eine denken. Verteidigung des Zölibats.

Der Autor beginnt das Feature mit Fakten zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche. „Na klar“, denke ich, „da weiß ich doch, wo es hingeht.“ Ich bleibe trotzdem dran und werde belohnt, von der Vielfalt guter Gesprächspartner, interessanten Gedanken und Perspektiven – manchmal nur Gedankensplittern – nichts Fertiges – doch anregend – differenziert und tatsächlich zum Thema Zölibat! Rund ein Jahr nach dem Beben ist jetzt wohl die Zeit, neu und anders zu reden über Missbrauch aber auch über Zölibat. Ich bleibe im Auto sitzen und höre bis zum Ende. Glückwunsch an den Autor Michael Lissek und die Redaktion.

Wie reagieren Sie Ihren Ärger ab?

Erst mal Abstand nehmen, dann in vertrauten Kreis ordentlich schimpfen, dann Jazz hören, dann überlegen, was ich in Zukunft bessermachen kann…

Theodor Bolzenius,
Pressesprecher des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK)

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