"Fünf große Messen"

Alfred HerrmannIn der Mitgliederzeitschrift „GKP-Informationen“ berichten GKP-Mitglieder, worüber sie sich in den Medien geärgert und über welche journalistische Leistung sie sich gefreut haben. Alfred Herrmann, Pressereferent beim Bonifatius-Werk in Paderborn, schreibt:

"Schwarz geärgert habe ich mich nicht gerade und doch: Nervend fand ich wieder einmal die Ungenauigkeiten in Sachen Kirchenvokabular, die während des Papstbesuches quer durch alle Medien auftraten.So wird beispielsweise im Internet von „fünf großen Messen“ geschrieben statt von fünf Gottesdiensten. Im Radio berichtet der Nachrichtensprecher von einem „ökonomischen“ Gottesdienst statt von der Ökumene. In der Zeitung ist nur das Violett von Bischofs- und Ehrenprälatengewändern auf dem Foto zu erkennen statt der in der Bildunterzeile angekündigten Kardinäle. Im Fernsehen geraten bei der Live-Übertragung Namen und Titel kirchlicher Würdenträger durcheinander usw.

Aufgrund des Randthemas Kirche ist mangelnde Begriffssicherheit und fehlendes Detailwissen verständlicherweise keine Seltenheit. Und doch gilt es meiner Meinung nach für Journalisten, sich vor einem solchen Großereignis, über das man berichten möchte, vorzubereiten.

An welcher journalistischen Leistung konnten Sie sich jüngst erfreuen?

Erstens: An dem ARD-Fernsehbeitrag „Zwischen Sturm und Grabesruhe“ von Margarethe Steinhausen vor dem Papstbesuch. Dem Beitrag gelang es die Problemlage der Kirche in Deutschland authentisch aufzuarbeiten. Es gelang Steinhausen den schwierigen Bogen zwischen der Diaspora-Kirche in Ostdeutschland und der volkskirchlich getragenen Situation in Baden zu schlagen.

Zweitens: An der sachkundigen Berichterstattung von Michaela Pilters während des Papstbesuches. Da lernt manpermanent etwas dazu. Ich hatte mich bis dahin noch nicht gefragt, warum und seit wann der Papst weiß trägt.

Drittens: An der Nachberichterstattung über den Papstbesuch in der Thüringer Allgemeinen. Sie war trotz tie-fer gehenden kirchlich-theologischen Themen gut verständlich in einer Region, in der mehr als 70 Prozent der Bevölkerung keiner Kirche angehören und somit vieles, was in den Kirchen geschieht, unverständlich sein muss.

Wie reagieren Sie Ihren Ärger ab?

Durch wilde Leserbriefschreibereien oder lautes Schimpfen, versteht sich. Nein, mal ehrlich: zuerst durch eine sachliche Einordnung. Dann durch Ablenkung in der Familie, mit einem Spaziergang oder ähnlichem. Und schließlich ab und an mit einem Vorschlag: Vielleicht könnte GKP und IFP Workshops zur Klärung von christlich-religiösen und kirchlichen Begrifflichkeiten anbieten - wenigsten vor solchen Großevents wie einem Papstbesuch?"

Alfred Herrmann

 "Zu meinem Ärger" in den GKP-Informationen

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