Darüber ärgert sich Bernhard Remmers

In der Mitgliederzeitschrift „GKP-Informationen“ berichten GKP-Mitglieder, worüber sie sich in den Medien geärgert  und über welche journalistische Leistung sie sich gefreut haben.  Bernhard Remmers, freier Journalist unter anderem für die Hannoversche Allgemeine Zeitung und Medienberater, bringt im September-Heft seinen Ärger darüber zum Ausdruck, dass immer mehr Zeitungen sich aus der Tarifbindung verabschieden und gar Redakteure und Volontäre als Leiharbeiter beschäftigen.


Worüber haben Sie sich zuletzt in den Medien so richtig geärgert?

Über eine Pressemitteilung des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV) im August. Oder besser gesagt über den besorgniserregenden Inhalt dieser Mitteilung. Laut Recherche des DJV haben sich mittlerweile 45 Zeitungen in Deutschland aus der Tarifbindung verabschiedet. Jüngste Beispiele sind der Schleswig-Holsteinische Zeitungsverlag, die zu Madsack gehörende Leipziger Volkszeitung und die Nordwestzeitung aus Oldenburg. 21 Zeitungen praktizieren zudem das so genannte Outsourcing von Redaktionen. Bei 19 Titeln werden Redakteure und Volontäre (!!!) sogar dauerhaft als Leiharbeiter beschäftigt. Eine Schande! Zeitungen werden in Abo-Geschäft oder Einzelverkauf nur mit Qualitätsjournalismus bestehen können. Wer in solchen Zeiten die Arbeitsbedingungen weiter verschlechtert, der hat angesichts der demografischen Entwicklung in dem längst laufenden Konkurrenzkampf aller Branchen um gute Nachwuchsleute schon verloren.

 

An welcher journalistischen Leistung konnten Sie sich jüngst erfreuen?

Weniger an einzelnen Texten als an der beachtlichen Leistung der New York Times. Die Traditionszeitung aus den USA stand bereits mit dem Rücken zur Wand, konnte nur mit einem 250 Millionen Dollar-Kredit des zweifelhaften Unternehmers Carlos Slim aus Mexiko überleben. Jetzt hat die New York Times diesen Kredit nach einem harten Sanierungsprogramm und der Erschließung neuer Einnahmequellen im bezahlten (!!!) Internet vorzeitig zurückgezahlt. Die dauerhafte Abhängigkeit vom umstrittenen Geldgeber wurde abgewendet. Glückwunsch! Das gilt vor allem für die immer noch rund 1100 Redakteure, die trotz Sparprogramm bei der New York Times beschäftigt sind.

 

Wie reagieren Sie Ihren Ärger ab?

Oft reicht schon das Lesen von guten Qualitätszeitungen, die es zum Glück in Deutschland immer noch gibt. Das entspannt mich ungemein. Ansonsten verfliegt der Ärger schnell im Kreis von Familie und Freunden, beim Besuch des Fußballstadions – und nicht zu vergessen bei einem Gang in die Kirche!

 

 

 

Bernhard Remmers,

freier Journalist unter anderem für die Hannoversche Allgemeine Zeitung und Medienberater

Der Beitrag in den GKP-Informationen

Zu meinem Ärger - Archiv

 

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