Alexander Görlach: Wagnis Unternehmensgründung

In der Artikelserie "Abenteuer Journalismus" der Mitgliederzeitschrift „GKP-Informationen“ beschreiben GKP-Mitglieder Erlebnisse, die ihre journalistische Arbeit zum Abenteuer werden ließen. Im Heft für November berichtet Alexander Görlach, wie er selbst ein journalistisches Unternehmen gegründet hat.

 

Alexander Görlach beim Shooting für die GQ Gentlemen´s Quarterly, nachdem er als „Gentleman Of The Month“ auserkoren wurde.

 

Alexander Görlach ist der Gründer, He-rausgeber und Chefredakteur von The European, dem Meinungs- und Debattenmagazin. Der 34-Jährige promovierte Linguist und Theologe war zuvor unter anderem der Online-Ressortleiter des Politikmagazins Cicero, Autor für Die Welt, die Süddeutsche Zeitung und die FAZ. Görlach hat sieben Jahre lang als sogenannter fester, freier Miotarbeiter für das ZDF gearbeitet, vor allem in der Aktualität, später in der Kirchenredaktion. Görlach doziert heute an verschiedenen Universitäten zum Thema Online-Journalismus und digitaler Wandel. Zusammen mit dem SPD-Netzpolitiker hat er ein Buch herausgegeben „Freiheit oder Anarchie? Wie das Internet unser Leben verändert“. Der stolze Patenonkel von Julius Alexander und Lilli Charlotte lebt in Berlin.

D ie Gründung eines Unter-nehmens ist ein Abenteuer. Die eines Medien-Unternehmens überdies. Die Branche ist in der Krise: Der digitale Wandel verändert den Inhalt, die Aufbereitung und die Darreichung von Medien. Gleichzeitig brechen alte Geschäftsmodelle weg. Manche Verleger sind zynisch geworden. Nur „Kleingeld“ könne man im Web mit journalistischem Inhalt verdienen. Das Interesse an publizistischer Innovation schwindet.

Das eigentliche Abenteuer war die Gründung selber, der Sprung ins Neuland, eine unbefristete Festanstellung als Online-Ressortleiter beim Politik-Magazin Cicero aufgeben. Meine Ideen für den neuen Online-Auftritt des Magazins fanden in einem Haus, das 175 Jahre lang Print gemacht hat, keinen Widerhall. Und das, obwohl ich explizit für eine Übersetzung des Erfolgs des Magazins auf die Kanäle Online und Mobile geholt wurde. Als ich meinen späteren Mitgründer Lukasz Gadowski, einen mehrfach erfolgreichen Online-Gründer kennenlernte, fragte er mich: „Wenn das bei Ringier nicht so läuft, warum gründest Du dann nicht selber?“ Ja, warum eigentlich nicht? The Eropean wurde meine erste Unternehmensgründung, Neuland. Ich hatte bei Cicero gekündigt und in einem Büro am Hackeschen Markt zwei Räume für die neue Redaktion gemietet. Es war ein besonderer Moment, als das erste Plakat mit der Aufschrift „The European“ geliefert wurde. Es bekam einen prominenten Platz an der Wand. Der Schritt aus der abhängigen Beschäftigung wirkt für viele Online-Unternehmer wie ein Erweckungserlebnis oder die Befreiung von einem Joch.

Bei dem Launch des Magazins hat der Beauftragte der Evangelischen Kirche bei der Bundesregierung, Prälat Bernhard Felmberg, einen Segen gesprochen. Er hat dabei Psalm 31 zitiert: “Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Wir, das Team von The European, so sagte er, gingen nun mit der Gründung in einen Raum hinein, den wir noch nicht durchmessen können. Wir wüssten noch nicht um das, was uns dort begegnen sollte.

Das Internet als grenzenloser Raum macht vielen Angst: Politikern, Diplomaten, Verlegern, Journalisten. Als Online-Unternehmer begreife ich das Web hingegen als große Chance und als Herausforderung. Es ist ja nicht der Journalismus, der in der Krise ist. Wir waren bei der Gründung überzeugt und sind es noch heute: Guter, pointierter, zugespitzer und fundierter Meinungs- und Debattenjournalismus ist eine Rarität. The European hat diese Lücke geschlossen. Aber als wir im Mai 2009 begonnen haben, das Magazin zu konzipieren, als wir Ende September 2009 live gegangen sind, war es nicht ausgemacht, dass es ein Erfolg wird.

Diese Gründung war ein Abenteuer. Doch ja: Ich würde immer wieder gründen, ich habe es nie bereut. Guter Journalismus braucht weiten Raum. Das Web ist der ideale Ort dafür.

Alexander Görlachs Beitrag in den GKP-Informationen

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