Monika Gatt

Die Redaktion der Mitgliederzeitschrift "GKP-Informationen" lädt jeden Monat ein GKP-Mitglied dazu ein, sich selbst vorzustellen, indem sie ihm sieben (manchmal auch acht) Fragen stellt. Im Juni wurde Monika Gatt befragt.


 

Monika GattMonika Gatt ist Philosophin und lehrt Philosophie an der Universität der Bundeswehr in Neubiberg bei München und an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg. In ihren Seminaren geht es um die Philosophie der Freiheit, um die Beziehungen zwischen der Naturwissenschaften und der Philosophie und um die Grenzen des Bewusstseins. Mitglied der GKP ist Monika Gatt seit 2009.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?

Zum Journalismus bin ich erst vor ein paar Jahren gekommen. Der Anlass war eine Ausstellung mit dem Titel: „Nochmal Leben vor dem Tod“ von Walter Schels und Beate Lakotta in Hamburg 2008. Ich dachte, es müsste eigentlich „Nochmal lieben vor dem Tod“ heißen. Es ging darum, Menschen in Hospizen auf den letzten Tagen ihres Lebens zu begleiten. Walter Schels (geb. 1936) photographierte die sterbenden Kin-der, die Kranken, die Alten. Ich schrieb ihm einen Brief und bat ihn, mir weitere Photos zu geben. Ein paar Tage später rief er mich an. Wir haben lange mit einander gesprochen. Als ich die Photos sah, wurde mir klar, über diesen Schmerz steht etwas bei Aurelius Augustinus (354-430 n. Chr). Der nordafrikanische Philosoph, Bischof von Hippo und Kirchenlehrer, beschreibt den nahenden Tod einer geliebten Person mit „vergessend, was dahinten ist und ausgestreckt zu dem, was da vorne ist ... unsägliche Trauer brach über mein Herz herein“, so dass „mir in diesem Seelenkampf elend zumute war“. Wenngleich vor mehr als 1600 Jahren im Schmerz notiert, drücken Augustinus’ Worte noch heute das tiefe Berührtsein eines Menschen aus, der Abschied nimmt. Die Leiterin des Christopherus Hospizes in München nahm sich Zeit für ein Interview. Und dann fing ich an, einen Artikel zu schreiben. Mit der Zeitung, die ihn veröffentlichte, verbindet mich bis heute eine gute Beziehung.

Ihre Vorbilder?

Die Philosophin Dr. phil. Edith Stein. Sie war Edmund Husserls erste Assistentin in Freiburg.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Das bleibt ein Geheimnis ...

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Freiheit. Die Freiheit steht – unter Ver-nunftgesichtspunkten – der Wahrheit gegenüber. Beide Begriffe sind paradox. Man muss sie voraussetzen, um sie zu suchen. Dann findet man sie. Das ist schwierig. Aus meiner Sicht ist die Fähigkeit, auf der Basis subjektiver, reflektierter Gründe und nach Einsicht in gesellschaftliche Normen, frei zu entscheiden, unerlässlich für journalistische Arbeit. Die Wahrheit zu finden ist die causa finalis, die Zielursache, „wozu“ ich überhaupt schreibe. In den Konflikten zwischen Naturwissenschaften, Philosophie und Theologie ist der Begriff der Teleologie weit überdehnt worden. Hier halte ich ihn für passend. Eine Begründung ist ohne minimale Vorannahmen nicht möglich. Oder aber man lehnt Sinn prinzipiell ab. Diese Erkenntnis ist im „Münchhausentrilemma“ niedergelegt. Mir ist das zu langweilig … Ich bin ein Fan platonischer, ewiger Ideen, an denen wir teilhaben. Ich denke lieber über die Qualität der Beziehungen nach, die Menschen zu einander und zu den Ideen haben. Als Phänomenologin schätze ich das Staunen, die Veränderung, denn darin liegt Freiheit. Endgültige Lösungen machen mir Angst.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut?

Seit ein paar Jahren trenne ich Beruf und Privatleben. Das ist ein Erfahrungswert. Mir ist wichtig, Zeit für mich zu haben. Meine drei Kinder brauchen ihre Mami. Ich pflege meine Freundschaften, weil sie mir sehr viel bedeuten. In der Praxis ist es ein ständiger Prozess. Die Grenzen, die ich als Philosophin im Beruf überschreiten muss, um gut zu sein, stelle ich in gewisser Weise wieder her, wenn ich bei meiner kleinen Familie bin. Das ist anstrengend.

Warum sind Sie in der GKP - was hat Sie hineingebracht – was hält Sie?

Ich schätze den professionellen Austausch. In der GKP erfährt man zugleich intellektuelle Anregung, ermunternde Unterstützung und Perspektive. Das finde ich gut, dazu – nicht nur aus christlicher Sicht – überzeugende Positionen zu entwickeln.

Was erwarten Sie von der GKP?

Aktivität. 

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