7 Fragen an Ludger Verst

Ludger Verst ( 51 ) ist Theologe und Journalist. Seit 2000 ist der Inhaber von INTERFAITH – Labor für soziale Kommunikation - Ausbildungsleiter in der katholischen Journalistenschule IFP in München, wo er für die Theologinnen und Theologen zuständig ist. Von 1994 bis 1998 war Verst Leiter des Referats Hörfunk/Fernsehen in der Zentralstelle Medien der DBK in Bonn. Mitglied in der GKP ist er seit Juni 1992.

Ihr persönlicher Weg zum Journalismus?

Ein Anruf war´s: Hast du Lust, so etwas wie „Das Wort zum Sonntag“ in SAT.1 zu moderieren? Die suchen einen Autor und Moderator für die katholische Kirche. Damals, 1989, war ich gerade Referendar an einem Gymnasium im Ruhrgebiet. Und dann dieses Angebot. Freunde hatten mich dem damaligen SAT.1-Beauftragten Bernd Grandthyll empfohlen. Und nach einem Casting in Unterföhring war klar: Ich übernehme ab 1990 im monatlichen Wechsel mit Jürgen Fliege die Sendung „so gesehen“. Ein Vier-Minüter, der damals im späten Sonntagvormittagsprogramm lief. Eine tolle Chance, als Theologe für ein bundesweites Publikum zu arbeiten. Ich verdanke also meinen Berufseinstieg im Grunde einem Wink des Himmels.

Ihre Vorbilder?

Mich hat der frühere Tagesthemen- Moderator Hajo Friedrichs mit seiner sachlich-verbindlichen Art nachhaltig beeindruckt – und sein sprichwörtlich gewordener Satz: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten; dass er überall dabei ist, aber nirgendwo dazugehört.“ Es ist wichtig, sich auch mit einer „guten Sache“ nicht gemein zu machen. Objektiv-Sein heißt nicht: keine Meinung haben oder in jedem Fall neutral sein; meinen Blickwinkel sollte ich aber immer zu erkennen geben.

Ihr schönstes Erlebnis im Beruf?

Schwer zu sagen. Das hängt zum einen mit den sehr unterschiedlichen ästhetischen Herausforderungen zusammen, die die Arbeit von INTERFAITH betreffen: Print, Radio, WebTV, PR. - Zum anderen ist die Arbeit fürs IFP mit so verschiedenen Teilnehmern, Begabungen, Temperamenten eine ständige Bereicherung, vor allem wenn ich sehe, wie viele Karrieren inzwischen ihren Anfang im IFP genommen haben. – Zu meinen schönsten journalistischen Erlebnissen gehören die Interviews mit Zeitzeugen aus der unmittelbaren Nachwendezeit 1991/1992. Ich war damals Autor und Produzent einer kleinen Serie für das TV-Magazin „Glaubenszeichen“ im gerade gegründeten MDR. Niemals habe ich mehr erfahren und besser begriffen, was es heißt, einen politischen Systemwechsel menschlich und emotional zu bewältigen.

Was halten Sie für unerlässlich für einen Journalisten?

Neugier und innere Unabhängigkeit, Hartnäckigkeit und Fairness. Und dabei natürlich nie den Blick fürs Publikum verlieren.

Wie bringen Sie privates Leben und Beruf unter einen Hut? Unter zwei Hüte: Meine Partnerin ist Redakteurin bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeine (HNA) in Kassel. Sie hat glücklicherweise genauso viel Verständnis für die Anforderungen meines Berufes wie ich für ihren.. Warum sind Sie in der GKP- was hat Sie hineingebracht – was hält Sie? Hineingebracht hat mich damals Günter Graf. Er hat vierzig Jahre die Pressestelle des Bistums Münster geleitet und war Privatfunkbeauftragter des Bistums. In dieser Funktion hatte ich mit ihm zu tun. Seine analytisch-nüchterne, fast angelsächsische Art der Berichterstattung hat mich beeindruckt. Er war zudem ein wertvoller Ratgeber. – Mich hält in der GKP die Vorstellung eines Netzwerks von Kolleginnen und Kollegen, die es verstehen, herausfordernde politische, gesellschaftliche und kirchliche Themen offen aufzugreifen und dazu – nicht nur aus christlicher Sicht – überzeugende Positionen zu entwickeln.. Was erwarten Sie von der GKP? Eine noch offensivere Positionierung in der nicht-kirchlichen Öffentlichkeit, Jahrestagungen mit schärferem thematischen Profil und innerhalb des Verbandes eine differenziertere spartenspezifische Wahrnehmung. Onliner, PR-Profis, Freie und andere nehmen sich bislang zu wenig als solche wahr.

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