"Lobbyismus ist ein leises Geschäft!"

Berlin - Als „effizient und geräuschlos“ hat Cerstin Gammelin die Arbeit der Lobbyisten in Brüssel und Berlin bezeichnet.

Die EU-Korrespondentin der Süddeutschen Zeitung berichtete im Rahmen der GKP-Jahrestagung am 23. März in Berlin über die Verflechtung von Politik, Wirtschaft und Medien.

Zu den wichtigsten Regeln des Lobbyismus gehöre laut Gammelin, über den Erfolg nicht zu reden. Denn nach außen hin solle es immer so aussehen, als ob Politiker frei und ohne Einflussnahme von Lobbyisten arbeiteten. Die Wirklichkeit sehe jedoch anders aus.

Als Beispiel dafür führte die SZ-Korrespondentin die Arbeit von Lobbyist Josef Ackermann an, der in den sieben Stunden des EU-Finanzgipfels anlässlich der griechischen Krise beste Konditionen für die Banken ausgehandelt hatte. Ackermann hatte statt 3,5 Prozent einen Zinssatz von satten vier Prozent für die Banken erreicht. Das vergebliche Ringen um die Einführung der Finanztransaktionssteuer belege die übermächtige Lobby der Banken, „zu der es keine Gegenkraft gibt“.

In Deutschland seien laut Gammelin etwa 2.000 Interessenvertretungen registriert. Eine Eintragspflicht in ein Lobbyregister gebe es allerdings nicht, deshalb sei die Zahl vermutlich wesentlich höher. In Brüssel laute die offizielle Zahl der Lobbyisten 15.000 bis 20.000. Die SZ-Korrespondentin halte diese Zahl allerdings für viel zu hoch gegriffen.

„Lobbyismus ist genau das, was übrigbleibt, wenn man der Politik die Ideale nimmt“, resümierte Gammelin. Der Journalist sei im Gegensatz zum Lobbyisten Beobachter und übe keine politische Einflussnahme aus. In der anschließenden, teils kontroversen Diskussion, ging es insbesondere um die Rolle der Journalisten in dem Geflecht von Politik und Lobbyismus. (ck)

Weiterführende Links: http://www.presseurop.eu/de/content/author/431981-cerstin-gammelin

Das Buch von Frau Gemmelin "Die Strippenzieher" finden Sie hier: http://www.weltbild.de/3/14794994-1/buch/die-strippenzieher.html

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