Kommentar: Stützen der Demokratie

André UzulisDonald Trump mag die Medien nicht. Eine einzige Pressekonferenz hat er in der Zeit zwischen seiner Wahl und der Amtseinführung gegeben – und bei der hat er Medienvertreter, die ihm nicht passten, in einer Art und Weise abgemeiert, dass man sich die Augen rieb. Trump twittert lieber und schafft sich seine eigene Medienwelt – denkt er. Denn eine der bemerkenswertesten Meldungen beim Thema „Trump und die Medien“ war die, dass die amerikanischen Zeitungen gegen den neuen Präsidenten „aufrüsten“. Gemeint ist die geplante und teilweise schon vollzogene Neueinstellung von vor allem investigativ versierten Journalisten.

Wer so wenig Wert legt auf ein gutes Verhältnis zu den Medien wie der neue US-Präsident, der darf sich nicht wundern, dass seine Politik besonders genau unter die Lupe genommen wird – zumal diese Politik nach allem, was Trump bislang von sich gegeben hat, in vielen Feldern mindestens widersprüchlich, oft provokativ und sicher auch disruptiv sein wird. Es wird genug Stoff für eine kritische öffentliche Auseinandersetzung geben.

Amerika ist eine der ältesten Demokratien der Welt. Das System der Checks and Balances funktioniert seit bald 250 Jahren meistens gut. Unter Trump ist zu befürchten, dass es durch die satte Mehrheit der Republikaner in beiden Häusern des Parlaments vielleicht nicht mehr ganz so gut funktionieren wird. Umso wichtiger wird die Rolle der Medien. Und das könnte das größte Verdienst des neuen amerikanischen Präsidenten sein, kaum dass er im Amt ist: Er bewirkt als Gegenreaktion eine Renaissance des Qualitätsjournalismus.
Einige der bedeutendsten und einflussreichsten Medien sind in den USA beheimatet. Die New York Times ist immer noch eine der Qualitätszeitungen der Welt. Die Washington Post deckte den Watergate-Skandal auf, der Boston Globe den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche. CNN setzte neue Maßstäbe in der nachrichtlichen Fernsehberichterstattung. Die Presseagentur Associated Press gilt als Inbegriff des seriösen Journalismus. Dass die amerikanischen Medien angesichts dieses Präsidenten wieder in Personal und damit in Qualität investieren, ist die angenehmste Begleiterscheinung des Präsidentenwechsels in Washington.
Auch deutsche Medien können hier von den amerikanischen lernen. In  einer Zeit, in der Populisten fröhliche Urständ feiern, in der Fake News und Hassmeldungen das Netz vergiften, in der postfaktische Berichterstattung die Köpfe verwirrt – in einer solchen Zeit brauchen wir verlässliche, geprüfte Berichte von seriösen Medien so sehr wie schon lange nicht mehr. Zeitungen und der finanziell bestens ausgestattete öffentlich-rechtliche Rundfunk haben in einer solchen Zeit eine neue, unentbehrliche Existenzberechtigung. Sie sind bitter nötig. Genau das könnte gerade für Zeitungen auch wieder eine Chance sein: als Qualitätsmedium eine der Stützen unserer Demokratie zu sein.
André Uzulis

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