Katholischer Medienpreis 2011 für Angela Wittmann und Irene Klünder

Katholischer Medienpreis 2011Preisverleihung am 31. Oktober 2011 in Bonn

Mit dem Katholischen Medienpreis 2011 werden Angela Wittmann und Dr. Irene Klünder ausgezeichnet. Die Preisträgerinnen wurden aus insgesamt 197 eingereichten Beiträgen (79 Kategorie Printmedien, 118 Kategorie elektronische Medien, davon 2 Internetangebote) von einer sechsköpfigen Jury unter Leitung des Vorsitzenden der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Dr. Gebhard Fürst (Rottenburg-Stuttgart), ausgewählt.

 

Kategorie Printmedien

In der Kategorie Printmedien geht der Katholische Medienpreis 2011 an Angela Wittmann (Jg. 1969) für ihren Artikel „Engelchen, flieg!“ (Brigitte vom 1. Dezember 2011).

Die Journalistin schildert die Rückkehr der dreijährigen Aljona von der Pflegefamilie Westecker zu ihrem leiblichen Vater Amar Djoudi und berichtet über einen nicht einfachen Weg trotz guten Willens aller Beteiligten. Der Text zeichnet sich einerseits durch einfache und klare Sprache aus, andererseits durch großes Einfühlungsvermögen, auch in die Welt des Kindes. Besonders hebt die Jury die unaufdringliche Verwendung von Gegensätzen als Stilmittel hervor. So wünscht sich der Vater als erste Erinnerung seiner Tochter eine Erinnerung ohne ihn. Er ist später beschrieben als bescheidener Mann, der aber „Wie ein Löwe um Aljona gekämpft hat“. Für Aljona, die sich anfangs in der Pflegefamilie gleichzeitig verstecken und immer dabei sein will, ist jeder Tag dort „ein Segen“, aber auch „ein Fluch“, weil es weiter von ihrem Vater wegführt. Die Pflegemutter bringt die ganze Geschichte Aljonas auf den Punkt: „Wir haben das bestmögliche Netz für sie geknüpft“, um gleichzeitig hinzuzufügen: „Jetzt müssen wir sie loslassen.“

Kategorie Elektronische Medien

In der Kategorie elektronische Medien wird die Fernsehjournalistin Dr. Irene Klünder für ihren Film „Die Witwe und der Mörder“ (ARD Reihe Gott und Welt vom 3. April 2011) mit dem Katholischen Medienpreis 2011 ausgezeichnet.

Der Film recherchiert die Geschichte zweier namenloser RAF-Opfer. Am Beispiel von Joke Kranenburg und Kommissar Wolfgang Seliger wird die Perspektive der Opfer gezeigt. Kranenburgs Mann, der Polizist Arie, wurde in Uetrecht am 22. September 1977 von Knut Folkerts erschossen. Wolfgang Seliger überlebte am 3. Mai desselben Jahres sieben gezielt vom Terroristen Günter Sonnenberg auf ihn abgefeuerte Schüsse. Die konsequente Fokussierung auf die Opfer der Leidensgeschichte der Angehörigen lässt die Täter nicht aus dem Blick. Es ist ein Gewinn für den Film, dass auch ein weiterer Ex‑Terrorist zu Wort kommt. Filmtechnisch überzeugt die Dokumentation durch intensive, auf zentrale Aussagen verdichtete Interviewsequenzen, die Nähe und Emotionen zulassen, aber das versäumte Leben weder sentimental verklären noch Schuld verschleiern. Durch gekonnte Collagen mit Rekonstruktionen des Bundeskriminalamtes, Originaldokumenten der „Tagesschau“ und Fahndungsfotos entsteht eine atemberaubende Verlebendigung der brutalen Tathergänge. Joke Kranenburg kann nicht loslassen und muss weiterkämpfen, weil Knut Folkerts in den Niederlanden zwar zu 20 Jahren Haft verurteilt wurde, seine Strafe aber bis heute nicht antreten musste und in Hamburg auf freiem Fuß lebt. Dass der Täter keine Reue zeigt, offenbart die tiefere Dimension der Dokumentation. Am Beispiel der RAF weist der Film eine grundsätzliche Botschaft auf: Opfer und Täter bleiben solange verstrickt, solange nicht ein Schuldeingeständnis und eine objektivierbare Deutung des Geschehens im Gespräch für beide Seiten gelingt, in dem das Eingeständnis und die Auseinandersetzung mit den Konsequenzen der Taten erfolgen.

Auszeichnung Prädikat WERTvoll

Die Auszeichnung Prädikat WERTvoll vergab die Jury im Bereich Printmedien an Dimitri Ladischensky („Der Bittgang“, erschienen in „MARE“, April/Mai 2011), Stefanie Mager („Das Präparat aus Kühlzelle 5“, erschienen in „stadtgottes“, November 2010) und Christoph Strack („Kulturberichterstattung“, erschienen in der Katholischen Nachrichtenagentur, Juli – Dezember 2010). Das Prädikat WERTvoll im Bereich elektronische Medien geht an Gönke Harms und Detlef Flintz („Kinderschinder – Der Preis für eine Tasse Kaffee“, Fernsehbeitrag ARD exclusiv vom 31. Oktober 2010), Robert Ralston („Welcher Glaube für mein Kind?“ Fernsehbeitrag NRD/Arte vom 20. November 2011) und Ralf Stutzki („Das 14. Jubiläum von ‚DU bist Radio…’“, Hörfunkbeitrag im Radio Kanal K, Aarau/Schweiz, vom 26. Dezember 2010).

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Dr. Robert Zollitsch, wird im Rahmen eines Festaktes am Montag, den 31. Oktober 2011, um 18.30 Uhr im Rheinischen Landesmuseum Bonn die Preisverleihung vornehmen und die jeweils mit € 5.000.- dotierten Preiseüberreichen.

Der Katholische Medienpreis wird in diesem Jahr zum neunten Mal von der Deutschen Bischofskonferenz in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Katholischer Publizisten Deutschlands e. V. (GKP) und dem Katholischen Medienverband (KM.) verliehen. Die GKP ist derzeit in der Jury durch die beiden GKP-Mitglieder Werner Dieste (Direktor des Landesfunkhauses Thüringen, MDR, Erfurt) und Stefan Kläsener (Chefredakteur, Westfalenpost, Hagen) vertreten. Die beiden GKP-Mitglieder Albert Herchenbach (Chefredakteur stadtgottes, Nettetal) und Dr. Johannes Schießl (Chefredakteur Münchner Kirchenzeitung, München) sind für den Katholischen Medienverband in dem Gremium. Weiteres Mitglied ist Dr. Elvira Steppacher (Direktorin des Instituts zur Förderung Publizistischen Nachwuchses, München).

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