Journalismus braucht engagierte und gut bezahlte Frauen und Männer

 

Gegen Ende eines jeden Jahres treffen sich in einer rheinland-pfälzischen Kreisstadt Vertreter unterschiedlicher Berufsgruppen – vom Steuerberater über den Unternehmer bis zum Arzt – und bieten Schülerinnen und Schülern der 12. Jahrgangsstufe eine Berufsberatung an. Sinn dieses ehrenamtlichen Engagements ist es, den jungen Menschen, die gut ein Jahr vor dem Abitur stehen, durch Erfahrungen der Praktiker eine Orientierung bei der Studien- und Berufswahl zu geben. In diesem Herbst haben wieder fast 80 Gymnasiasten aus dem Landkreis dieses Angebot wahrgenommen.

Am Tisch „Journalismus“, an dem Redakteure über ihren Einstieg in den Beruf und ihre Redaktionspraxis berichten, ist seit mehreren Jahren folgende Beobachtung zu machen: Es gibt immer weniger Interessierte, und diejenigen die kommen, sind weiblich. Auch in diesem Jahr waren es durchweg Schülerinnen, die sich für „irgendwas mit Medien“ interessierten – kein einziger Schüler.

Wenn der Grund dafür der ist, dass Journalisten heute schlechter bezahlt werden als früher und sich deshalb von vorneherein weniger Männer für die Medien interessieren, sich stattdessen lieber lukrativeren Laufbahnen zuwenden, dann wäre das sehr bedenklich. In Zeitungsredaktionen werden Berufsanfänger oft nicht mehr nach Tarif bezahlt. Einstiegsgehälter für Jungredakteure von knapp über 2000 Euro sind eher die Regel als die Ausnahme.

Das Drücken von Gehältern ist nur eine Sparmaßnahme von vielen. Vor allem der Abbau von Stellen wirkt sich nachteilig aus: Die Verschlechterung der Qualität in Redaktionen macht sprachlos. Die überregionalen Teile unserer Regionalzeitungen sind meist dpa-Wüsten, die Lokalteile eine Ansammlung von Banalitäten und Belanglosigkeiten. Da wo regionale Zeitungshäuser punkten könnten – durch klugen, investigativen Lokaljournalismus – regiert bestenfalls Terminberichterstattung.

Jungen Menschen vor diesem Hintergrund kurz vor ihrem Abitur diesen Beruf zu empfehlen und für die wichtige Aufgabe des Journalisten in der Gesellschaft zu werben, fällt immer schwerer. Und doch muss es sein, denn unser Gemeinwesen braucht motivierte, engagierte, leistungsbereite und kreative Journalisten, die anständig bezahlt werden müssen. Und zwar gleichermaßen Männer und Frauen.
André Uzulis

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