Kommentar: Friedensbotschafter und Hoffnungsträger

Caroilin Kronenburg kommentiert die Friedensmission des Papstes in Kolumbien:

Vier Jahre nach seiner Wahl zum Oberhaupt der katholischen Kirche hat Papst Franziskus ein Versprechen eingelöst. Vom 6. bis 11. September besuchte er Kolumbien. Wenn das Land den Friedensvertrag beschließe, käme er, hatte er gesagt. Die Reise war bedeutender als sie auf Anhieb erscheint. Denn auch nach der Einigung zwischen der Regierung und der Farc, der größten Rebellengruppe des Landes, ist es für die Kolumbianer noch ein langer Weg hin zu Versöhnung und Frieden. Und so lautete das Motto der 20. Auslandsreise des Papstes: demos el primer paso – tun wir den ersten Schritt.

Papst Franziskus ging als Friedensbotschafter in ein Land voll offener Wunden: 220.000 Tote, 60.000 Vermisste, sieben Millionen Vertriebene lautet die schmerzhafte Bilanz von fünfzig Jahren Krieg und Gewalt. Bis heute ist die Gesellschaft des südamerikanischen Landes – anders als es im offiziellen Videoclip zum Papstbesuch hieß – tief gespalten. Auch der Papst selbst wurde und wird von konservativen Katholiken in Kolumbien scharf angegangen.
„Vergebung und Versöhnung waren die Worte, die der Papst am häufigsten benutzte“, kommentierte die wichtigste Tageszeitung Kolumbiens, El Tiempo, die fünftägige Reise. Sie habe kein Wunder gebracht, dafür aber könnte der Papst-Besuch zum Startschuss eines nationalen Versöhnungsprozesses werden. „Das wäre schon eine ganze Menge“, bilanziert GKP-Mitglied Tobias Käufer, der als Lateinamerika-Korrespondent in Bogotá lebt.
Vor Franziskus hatten Papst Paul VI. im Jahr 1968 und Johannes Paul II. im Jahr 1986 Kolumbien besucht. Eine weitere Analogie zu Johannes Paul II. drängt sich auf: Der Papst aus Polen machte sich unermüdlich für die Verwirklichung der Menschenrechte insbesondere in Osteuropa, aber auch weit darüber hinaus, stark. Er hatte die Vision, dass Solidarität das leitende Prinzip in den internationalen Beziehungen werden sollte. Genauso ruft auch der lateinamerikanische Papst Franziskus die heute mehr denn je in die Irre geleiteten politischen Führer der Welt – keineswegs nur in Lateinamerika – immer wieder mit deutlichen Worten dazu auf, Konflikte auf friedlichem Weg zu lösen.
Wer meint, dass das angesichts der Trumps, Putins und Kim Jong-uns allenfalls naiv-fromme Wünsche eines alten Kirchenführers sind, dem sei Folgendes in Erinnerung gerufen: Kein Geringerer als Michail Gorbatschow war sich rückblickend sicher, „dass nichts von dem, was in den letzten Jahren in Osteuropa geschehen ist, ohne die Präsenz dieses Papstes (Johannes Pauls II.) und ohne die große Rolle möglich gewesen wäre, die er auf der politischen Bühne spielte“.
Franziskus ist nicht nur ein Papst, der Gott sei Dank Kirche und Kurie reformiert. Der gebürtige Argentinier ist auch einer, der – wie Johannes Paul gerade auch mit seinen Reisen – die Menschen von Kuba bis in die USA, von Korea bis nach Myanmar, von  Kenia bis Sri Lanka, von Israel bis Uganda aufwecken will. Er macht den Menschen bei allen Auslandsreisen deutlich, dass sie eine von Gott gegebene Würde besitzen und schreibt den politischen Machthabern oft auch wenig diplomatisch ins Gewissen, dass Frieden und Versöhnung alternativlos sind.
Papst Franziskus ermutigt die Menschen – in der Kirche und gerade in Ländern, wo Gewalt und Unterdrückung herrschen –, sich innerlich frei zu fühlen. „Ein solches Gefühl kann – wenn es Massencharakter annimmt – totalitäre Regime stürzen“, schrieb Janusz Poniewierski, Redakteur der polnischen Monatszeitschrift „Znak“, bilanzierend über den Einfluss von Johannes Paul II. Diese Hoffnung gibt auch Papst Franziskus.
Carolin Kronenburg

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