Digitalisierung derzeit größtes Abenteuer im Beruf

Amelie Tautor (29), Redakteurin bei der Wochenzeitschrift „Christ in der Gegenwart“ in Freiburg, beschreibt in der Dezember-Ausgabe der GKP-Informationen die Digitalisierung in den Redakltionen als größtes Abenteuer in ihrem Beruf:

Als das größte Abenteuer in meinem Beruf erlebe ich derzeit die Digitalisierung. Wirkliches Neuland ist das Phänomen zwar nicht mehr, aber in vielen – gerade in kleinen – Redaktionen werden manche Auswirkungen erst heute spürbar. Bei den Neuerungen ist viel Negatives dabei. Zu sehen ist das etwa an den allgemein sinkenden Printauflagen. Die Menschen haben sich daran gewöhnt, dass sie Informationen im Internet kostenlos bekommen. Warum sollen sie für Qualitätsjournalismus noch Geld ausgeben? Die Debatte, wie man mit Inhalten im Internet noch Geld verdienen kann, wird sicherlich eine der spannendsten und drängendsten der nächsten Jahre bleiben.

Zudem kommen die Verlagshäuser nicht umhin, sich von den großen Suchmaschinen abhängig zu machen. Was Google nicht findet, existiert im Internet quasi nicht. Damit kommt für die Journalisten eine neue Zielgruppe hinzu: die Maschinen. Auch deren Bedürfnisse wollen erfüllt sein, auch sie müssen einen Artikel verstehen. Nach welchem Muster die Suchmaschinen und Sozialen Netzwerke filtern, ist allerdings nur wenigen Menschen bekannt. Der Rest muss raten, welche Wörter Facebook und Co. heute interessant finden.
Reichte es früher für den Beruf des Journalisten aus, Deutsch in Wort und Schrift gut zu beherrschen, sind heute auch HTML-Kenntnisse von Vorteil – und wenn sie nur dazu dienen, die unverzichtbaren Kollegen aus der IT-Abteilung überhaupt zu verstehen. Wer jedoch für ein und denselben Text vier Teaser schreiben muss – Print, Internetseite, Facebook und Newsletter – fragt sich manchmal schon, ob das alles wirklich Sinn macht.
Trotzdem sehe ich die Chancen der Digitalisierung. Für mich unvergessen ist die Frage einer Abonnentin: „Habt ihr denn keine App? Ich lese Zeitungen viel lieber auf meinem Tablet, da kann ich die Schrift größer machen. Ich bin jetzt 87 Jahre alt, mir ist das Gedruckte alles zu klein.“ Da war selbst ich als „Digital Native“ überrascht. In der Regel bereiten mir die technischen Neuerungen keine Probleme, vielleicht aber auch nur, weil ich Meldungsbücher und Klebeumbrüche nur aus Erzählungen kenne. Mein Duden verstaubt im Regal, weil ich ihn lieber online durchsuche. Bevor ich morgens am Schreibtisch die Tageszeitung aus Papier aufschlage, scrolle ich im Internet noch einmal schnell durch die aktuellsten Nachrichten. Online lassen sich auch aus den entlegensten Gegenden der Welt bunte Ereignisse aufstöbern, oder es geraten Dinge aus der eigenen Nachbarschaft neu in den Blick.
Das, was die Arbeit der Journalisten ausmacht, hat sich durch die Digitalisierung jedoch nicht verändert. Es kommt immer noch darauf an, Interessantes und Wichtiges auszuwählen und für die Leser verständlich aufzubereiten. Nur sind neue Werkzeuge dazugekommen.

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