Dass Kirche in den Berliner Medien kaum vorkommt, ärgert Beatrix Dombrowski

Beatrix Dombrowski ist Pressereferentin für Religion und Theologie des Verlag Herder am Standort Berlin.

Worüber haben Sie sich zuletzt in den Medien so richtig geärgert?

Ick bin ne echte Bärlina Göre. Und katholisch noch dazu. Damit bin ich eine von etwa 331.500 katholischen Berlinern. Das sind gut zehn Prozent aller Einwohner. Und wenn man die evangelischen Gläubigen noch dazu nimmt, bin ich eine von Vieren. Sollte man bei der Zahl nicht davon ausgehen können, dass wir in der Berliner Tagespresse auch einmal Gehör finden? Und dass Berliner Kirchenereignisse auch einmal thematisiert werden? Pustekuchen! Die großen Tageszeitungen sparen ihre Kirchenredakteure sogar ein oder machen das „mal so nebenbei...“.

Wenn man das Erzbistum in den News googelt, erhält man überwiegend Treffer zum Thema „Missbrauch“, „Umbau der Kathedrale“ oder „Erhöhung des Schulgelds“. Aber das macht doch Kirche und Glauben hier in der Hauptstadt allein nicht aus. Was ist mit der „Langen Nacht der Kirchen“? Dem neuen katholischen Studentenwohnheim, das von einer Berliner Pfarrgemeinde im Alleingang finanziert und gebaut wurde? Oder sogar der Fronleichnamsprozession, zu der jährlich mehrere Tausend nach ihrer Arbeit (!) auf den Gendarmenmarkt pilgern? Über jede kleine Demo wird in Berlin berichtet, aber über die zentrale Fronleichnamsprozession nicht. Gut, das mag nicht so politisch sein und Randale gibt es in der Regel auch nicht, dennoch könnte gerade das Exotische am Katholischen in der Hauptstadt doch die Nachricht sein.

An welcher journalistischen Leistung konnten Sie sich jüngst erfreuen?

Auch wenn ich oben so schön über die mangelnde Kirchenberichterstattung in Berlin meckere, sei an dieser Stelle die tolle und vielseitige Berichterstattung zum Katholikentag in Münster hervorgehoben. Es war wirklich eine große Freude, die Tage in Münster live mitzuerleben und diese auch detailliert in den Medien mit all den Sonderseiten und -sendungen wiederzufinden. Dabei meine ich nicht nur die großen kirchen- und gesellschaftspolitischen Themen, sondern auch die kleinen leisen Töne von der Straße. Die ganze Breite an katholischer Wirklichkeit kam vor. Das hat mich gefreut.

Wie reagieren Sie Ihren Ärger ab?

Sagen wir mal so: Ich bin eigentlich ziemlich fröhlich und friedliebend. Der Heimweg auf dem Fahrrad entlang der Spree und dem ehemaligen Mauerstreifen macht so manchen Ärger schnell wieder vergessen.

 

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