Ärger über Meldung von Focus-Online

Theodor Bolzenius, Sprecher des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und der deutschen Katholikentage, äußert sich in der Rubrik "Zu meinem Ärger" in den GKP-Informationen wie folgt:

Worüber haben Sie sich zuletzt in den Medien so richtig geärgert?

Die Leitung des Leipziger Katholikentags hat nach intensiver Diskussion im November des vergangenen Jahres beschlossen, keine Repräsentanten der AfD auf die Podien des Katholikentags einzuladen. Selten hat eine Entscheidung im Rahmen der Programmplanung ein gutes halbes Jahr vor dem Ereignis so große mediale Beachtung gefunden. Das ist auch gut so. Es ist gut für die Bekanntheit des Katholikentags, es ist gut für die politische Diskussionskultur in unserem Land und es entspricht dem Auftrag der Medien, kritisch nachzufragen.

Das hat auch die Augsburger Allgemeine getan. In einem Interview mit dem Präsidenten des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Thomas Sternberg, zu der AfD-Entscheidung des Katholikentags fragt der Redakteur: „Wie fanden Sie eigentlich die Entscheidung des Augsburger Oberbürgermeisters Kurt Gribl? Der versuchte, erfolglos, einen Auftritt Petrys im Rathaus per Hausverbot zu verhindern.“ Die Antwort des Präsidenten lautet: „Man kann bei einer derartigen Sache so oder so entscheiden. Man muss auf jeden Fall sehen: Ein Mann wie zum Beispiel der thüringische AfD-Landesvorsitzende Björn Höcke wäre heute nicht bekannt, hätte er nicht im Oktober in der Talkshow von Günther Jauch auftreten dürfen. Auch von einer Beatrix von Storch würde niemand sprechen, wäre sie nicht kürzlich bei Anne Will gewesen.“
Geärgert hat mich, was daraus bei Focus-Online wurde. Mit Blick auf die Kommunalwahlen in Hessen, wohlbemerkt einige Tage nach Erscheinen des Interviews, das vor den Wahlen veröffentlicht war, meldet Focus-Online: „Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, gibt den Medien eine Mitverantwortung am aktuellen Höhenflug der rechtspopulistischen Partei AfD. … Sternberg forderte, Rechtspopulisten weniger mediale Aufmerksamkeit zu schenken.“
Das ist, gelinde gesagt, kein seriöser Journalismus! Weder hat sich Sternberg zu den Kommunalwahlen in Hessen geäußert, noch hat er Medien eine Mitverantwortung für ein Wahlergebnis gegeben, das er nicht einmal kennen konnte, weil die Wahlen noch nicht stattgefunden hatten. Ein solcher Journalismus spielt nicht nur verantwortungslos mit dem Ruf derer, über die er Behauptungen in die Welt setzt, sondern auch mit dem Ruf seines Berufsstandes.

An welcher journalistischen Leistung konnten Sie sich jüngst erfreuen?

Große Freude hat mir ein Interview bereitet, das die Agentur „dreipunktdrei“ für unser  Projekt www.100tage-100menschen.de gemacht hat, in dem der Oberbürgermeister von Leipzig Burkhard Jung klare Kante zeigt, wenn er sagt: „Ich sage es ganz deutlich: Ich halte die Stimmung im Land Sachsen kaum noch aus – und das betrifft auch meine Stadt. Wären da nicht die vielen optimistischen Menschen, all die ehrenamtlichen Helfer, die sehr aktiv versuchen, Willkommenskultur zu leben, die auch sehr deutlich auf der Straße ihren Widerstand formulieren, dann könnte man fast verzweifeln.“

 

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